Hip-Hop-Fehde und Gang-Rivalitäten
Im Prozess wird es vor allem um die Fehde zwischen Death Row Records und der von Sean „Diddy“ Combs gegründeten Ostküsten-Plattenfirma Bad Boy Records gehen. Den Ermittlern zufolge stand Death Row Records unter dem Schutz der Gang Mob Piru. Bad Boy Records wiederum heuerte die vom Angeklagten Davis geführte rivalisierende Gang South Side Compton Crips als Leibwächter an.
Den Ermittlungen zufolge schlugen Shakur und Death-Row-Records-Boss Marion „Suge“ Knight am Abend des 7. September 1996 in einer Racheaktion den Neffen von Crips-Boss Davis zusammen. In der selben Nacht überholte dann ein weißer Cadillac mit Davis, dessen Neffen und weiteren Insassen an Bord Shakurs Wagen in Las Vegas. Aus dem Cadillac heraus wurden mehrere Schüsse abgefeuert, Shakur wurde verletzt und starb sechs Tage später im Krankenhaus. Musikmogul Marion Knight, der mit Shakur im Auto saß, überlebte. Wenige Monate nach Shakur wurde The Notorious B.I.G. erschossen, ein weiterer wegweisender Rapper und Wegbegleiter Shakurs.
Davis distanziert sich von Aussagen
Wegen mangelnder Beweise kamen die Ermittlungen zum Mord an Tupac Shakur jahrzehntelang kaum voran. Dies änderte sich 2019, als Davis seine Memoiren veröffentlichte. Darin schilderte er, dass er am fraglichen Abend vorn im Cadillac saß und den Männern auf der Rückbank eine Pistole gab. Wer genau schoss, schrieb der mittlerweile 63-jährige Davis nicht. Alle anderen Männer, die damals mit ihm in dem Auto saßen, sind inzwischen tot.
Im September 2023 wurde Davis schließlich festgenommen. Er distanziert sich inzwischen von den Angaben in seinen Memoiren und betont seine Unschuld. In einem aus dem Gefängnis heraus gegebenen Interview sagte er dem Sender ABC News, die Ermittler könnten ihm noch nicht einmal nachweisen, dass er in der Tatnacht in Las Vegas gewesen sei.
Auch Sean „Diddy“ Combs involviert?
Der Prozess beginnt zunächst mit der Auswahl der Geschworenen, bevor die Tat selbst verhandelt wird. Egal zu welchem Urteil das Gericht am Ende kommt – Shakurs Umfeld wird damit vermutlich nicht zufrieden sein. Im Mai hatte Shakurs Stiefbruder Maurice Shakur Zivilklage wegen des Falls eingereicht. Es seien noch immer Beteiligte auf freiem Fuß, die in den Mord verwickelt und nie zur Verantwortung gezogen worden seien, betonte er.
Dabei verwies Maurice Shakur auch auf eine Doku-Serie, in der Davis ausgesagt hatte, Produzent Sean „Diddy“ Combs habe ihm eine Million Dollar geboten, wenn er Shakur töte. Combs befindet sich wegen anderer Vergehen derzeit in Haft, er war im vergangenen Jahr wegen der Zuführung von Frauen zur Prostitution verurteilt worden.

