Für wen ist die Wegovy-Pille gedacht?
Wegovy ist für Menschen mit Adipositas gedacht, also in der Regel ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Außerdem kann es für Betroffene mit einem BMI ab 27 infrage kommen, wenn gewichtsbedingte Begleiterkrankungen vorliegen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Tabletten nur für Erwachsene, also ab 18 Jahren. Als Spritze ist Wegovy bereits ab zwölf Jahren zugelassen.
Neu ist vor allem: Die Hürde „Injektion“ fällt weg. „Es gibt doch viele Menschen, die Vorbehalte haben, sich Medikamente zu spritzen“, sagt Jens Aberle, Endokrinologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Wenn Sie eine Person fragen, möchten Sie ein Medikament lieber spritzen oder als Tablette nehmen, dann sagen 90 Prozent: lieber als Tablette.“
Das kann Patientinnen und Patienten helfen, für die Spritzenangst bisher ein echtes Hindernis war. Aberle sieht aber auch ein Risiko: Tabletten könnten „noch leichter verfügbar“ erscheinen und „auch bei nicht bestehender Indikation eingenommen werden“. Deshalb sei wichtig, „immer wieder zu betonen, dass die Anwendung dieser Substanzen, egal ob Tablette oder Spritze, immer medizinisch begleitet werden soll“.
Viele neue Adipositas-Medikamente in der Entwicklung
Die neue Wegovy-Pille ist nur ein Schritt in einem sehr dynamischen Forschungsfeld im Bereich Adipositas. In den USA ist mit Orforglipron [externer Link] bereits eine weitere GLP-1-Tablette zugelassen.
Dazu sorgt vor allem das Spritzen-Medikament Retatrutid für Aufmerksamkeit: Das Präparat, das nicht nur an einem Hormonrezeptor ansetzt wie Wegovy oder an zwei wie Mounjaro, sondern sogar an drei, erreichte nach Angaben des Herstellers [externer Link] in der höchsten Dosierung im Schnitt mehr als 30 Prozent Gewichtsverlust nach zwei Jahren. 2027 wird mit einer Zulassung gerechnet.
„Das ist ein extrem dynamisches Forschungsgebiet und es gibt wirklich viele neue Präparate, die in klinischer Entwicklung sind“, erzählt Aberle, der selbst an der Studie zu Orforglipron mitgewirkt hat. Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller spricht von mehr als 70 weiteren Adipositas-Medikamenten [externer Link], die derzeit weltweit erforscht werden.
„Wir müssen verstehen, wer braucht welches Medikament, wer profitiert am meisten von welchem Präparat“, betont Timper. Deshalb gehe es nicht nur um stärkere Mittel, sondern um Wirkstoffe und Kombinationen, die zu unterschiedlichen Krankheitsprofilen passen, so Timper: „Individuelle Adipositas-Therapie ist die Zukunft“.

