Totgeglaubte leben länger. Diese Volksweisheit trifft auch bei einigen Waldbränden zu: Sie können plötzlich wieder aufflammen, obwohl die Löscharbeiten längst abgeschlossen sind. Verantwortlich dafür sind oft versteckte Glutnester im Untergrund wie etwa große Baumwurzeln, die langsam vor sich hin kokeln und bei günstigen Bedingungen das Feuer wieder zum Leben erwecken. Deutlich problematischer als solche einzelnen Glutnester sind allerdings ausgetrocknete Moorböden, wo sich das Feuer nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausbreiten kann.
Torfbrände sind extrem schwer zu löschen
„Das ist dann unheimlich schwer zu löschen, weil man nicht unbedingt sieht, wo es gerade brennt“, erklärt der aus Kalifornien stammende Waldbrandexperte und Feuerwehrmann Lindon Pronto.
Solche „versteckten“ Brände im Torf, der in unseren Breiten Jahrhunderte lang als Brennstoff zum Heizen verwendet wurde, können gerade bei trockengelegten Mooren auch mit wenig Sauerstoff lange Zeit brennen und neue Waldbände entfachen. Wissenschaftler [externer Link] nennen solche wiederkehrende Schwelbrände „holdover fires“, was soviel wie „Überbleibselfeuer“ bedeutet.
Zombiefeuer brennen jahrelang
Doch nicht jedes „holdover fire“ ist gleich ein „Zombie Fire“ oder zu deutsch „Zombiefeuer“. Damit bezeichnen Wissenschaftler – zumindest inoffiziell – nur Waldbrände, die über die Winterzeit ruhen und über mehrere Jahre hinweg zur Waldbrandsaison immer wiederkehren. Ein echter Fachbegriff ist „Zombiefeuer“ nicht. Bekannt ist dieses Phänomen vor allem aus Regionen mit Böden mit hohem Torfanteil in der Arktis und Sub-Arktis, wo die Glut im Boden unter der Schneedecke „überwintert“. Vom Brand im Hohen Venn kann man genau genommen erst dann von einem „echten“ Zombiefeuer sprechen, wenn das totgeglaubte Feuer im kommenden Frühjahr oder Sommer durch die tief im Boden sitzende Glut wieder entfacht werden sollte.
Zombie- und Torffeuer – eine ernsthafte Bedrohung fürs Klima
Die meisten Zombiefeuer brennen sich in unbewohnten arktischen Regionen durch den Boden, wo sie von Satelliten nur schwer zu erkennen sind, da sie sich komplett unter der Oberfläche befinden. Der durch durch die Brände verursachte Ausstoß von klimaschädlichen CO2 wurde daher lange Zeit massiv unterschätzt. Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden [externer Link], dass Torfbrände bis zu 14-mal mehr CO2 ausstoßen, als die gängigen Feuermodelle schätzten.
Ein internationales Forscherteam konnte in einer neuen Studie [externer Link] ermitteln, dass allein in den Wäldern Sibiriens zwischen 2001 und 2023 weit über eine Milliarde Tonnen CO2 durch Torffeuer in die Atmosphäre gelangten.
Auch „untote“ Schwelbrände durch Kohle sind ein Problem
Auch wenn Schwelbrände durch brennende Moore in Deutschland bislang eher selten sind, sorgt ein ähnliches Phänomen für Probleme: brennende Kohle. „Wir haben im Saarland ein Kohlebergwerk, das seit 300 Jahren brennt. Es gibt in Mitteldeutschland brennende Kohlehalden, es gibt eins im Ruhrgebiet, das wurde mit großem Aufwand von der Ruhrkohle AG gelöscht. (…) Wir haben diese Problematik durchaus seit vielen Jahrhunderten“, erklärt der Fachbuchautor und Experte für Vegetationsbrände, Ulrich Cimolino.
Bodenbrände durch Braunkohle in Deutschland und Frankreich
Aktuell sind von so einem Kohleschwelbrand die Einwohner der thüringischen Stadt Meuselwitz [externer Link] betroffen. Hier setzen Ende Juni ein Waldbrand auf der Fläche eines ehemaligen Braunkohletagebaus Kohlereste im Boden in Brand. Zwar gelang es den Brandbekämpfern, die Ausbreitung des Bodenfeuers mit Schneisen und intensiver Bewässerung einzudämmen. Gelöscht ist es bislang aber nicht. Auch bei dem immer wieder als „Zombifeuer“ bezeichneten Brand bei Bordeaux [externer Link], der 2022 ausbrach und noch zwei Jahre später immer wieder aufflammte, spielten vermutlich auch Kohlereste im Boden aus einem ehemaligen Braunkohletagebau eine wichtige Rolle.
Vernässung von trockenen Mooren soll Torfbrände verhindern
Mit zunehmender Trockenheit durch den menschengemachten Klimawandel steigt nach Meinung von Experten in Deutschland nun auch das Risiko von Torfbränden, die im Extremfall auch zu „Zombies“ werden könnten. Deshalb fordern Umweltschutzverbände [externer Link], verstärkt trockengelegte Moore wieder zu vernässen.
Laut Bundesumweltamt [externer Link] gibt es in Deutschland etwa 18.000 Quadratkilometer Moorböden, wovon mehr als 90 Prozent entwässert sind. Eine Durchnässung dieser Flächen würde nicht nur beim Arten- und Klimaschutz helfen; Ein mit Wasser vollgesogenes Moor bietet auch Zombiefeuern keine Chance auf ein unerwartetes Wiederauferstehen.

