Wie wirkt sich das Hormon Oxytocin aufs Vertrauen aus? Das wollte ein Forschungsteam aus Magdeburg, Antwerpen und Zürich herausfinden. Zielgruppe waren Männer, die vorher in einer wissenschaftlichen Befragung angegeben hatten, anderen Menschen grundsätzlich wenig zu vertrauen, also skeptisch zu sein. Nach dem Zufallsprinzip haben die Probanden entweder Oxytocin per Nasenspray bekommen oder ein Placebo, das keinen Wirkstoff enthielt.
Hormon Ocytocin fördert das Vertrauen
Ergebnis der Untersuchung, die am 6. August 2026 im Fachmagazin PNAS erschienen ist [externer Link]: Wer das Hormon über die Nasenschleimhaut aufgenommen hatte, vertraute seinem Gegenüber 15 Prozent mehr Geld an als die Männer der Placebo-Gruppe. Der Wirtschaftswissenschaftler Ernst Fehr von der Universität Zürich: „Wir haben die größte je durchgeführte Studie zu Oxytocin und Vertrauen gemacht und konnten zeigen, dass Oxytocin vertrauenserhöhend wirkt.“
Cleverer Versuchsaufbau testet Vertrauen der Männer
578 Probanden waren an der Studie beteiligt. Sie bekamen die Aufgabe, einem Unbekannten per Computer Geld zu schicken. Beide Teilnehmer hatten anfangs zwölf Euro zur Verfügung. Auf dem Weg zur anderen Person wurde der Geldbetrag verdreifacht, was beide Mitspieler wussten. Wenn Person eins also acht Euro sendet, erhält Person zwei 24 Euro. Person zwei hat dann 24 Euro und die eigenen zwölf Euro zur Verfügung, also insgesamt 36 Euro. Person zwei kann nach dem Erhalt beliebig viel oder wenig zurückgeben. „Das heißt, Person zwei könnte sagen ‚Dankeschön, ich behalte alles und du bekommst gar nichts, ich sende null zurück’“, erläutert Fehr.
Mit Ocytocin überweisen skeptische Männer mehr Geld
Je mehr Geld Person eins also sendet, umso höher wird der gesamte zur Verfügung stehende Betrag. Aber: Vertrauen ist gefragt. Wie wird sich die andere Person dann verhalten? Wird sie das Geld behalten oder eine angemessene Summe zurücksenden, sodass am Ende beide Teilnehmer mehr Geld haben als am Anfang? Ernst Fehr: „In der Oxytocin-Gruppe haben die meisten acht oder zwölf Euro überwiesen, und in der Placebo-Gruppe haben die meisten nur vier Euro überwiesen oder auch gar nichts.“ Das heißt: Unter dem Einfluss von Oxytocin haben die Probanden mehr Geld überwiesen und damit darauf vertraut, dass sich ihr Gegenüber fair verhalten wird.
Wissenschaftswelt begrüßt große Oxytocin-Studie
Der Ärztliche Direktor der Mannheimer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Andreas Meyer-Lindenberg, ist ebenfalls in der Oxytocin-Forschung tätig. Er war nicht an der aktuellen Studie beteiligt, begrüßt aber das Ergebnis: „In der Wissenschaftswelt sind wir froh, dass die Frage, ob Oxytocin einen Effekt hat, jetzt für diese Untergruppe von Männern geklärt ist. Es handelt sich um eine wissenschaftlich fundierte Studie mit großer Fallzahl und klarem Ergebnis.“
Vielzahl an Oxytocin-Studien teilweise verwirrend
Bisher war die Studienlage beim Thema Oxytocin nicht immer eindeutig. Denn das Hormon ist ein Star in der Forschungswelt. Allein in der biomedizinischen Datenbank PubMed gibt es über 30.000 Publikationen dazu. Allerdings umfassen manche Untersuchungen nur wenige Probanden, unterliegen also eher dem Zufall, und widersprechen sich sogar. Deshalb ist aus wissenschaftlicher Sicht jede große, fundierte Studie begrüßenswert. Die aktuelle Studie bezieht sich allerdings nur auf Männer, die sich selbst als besonders skeptisch einschätzen.
Oxytocin und das Vertrauen bei Frauen
Meyer-Lindenberg: „Jetzt haben wir eine definitive Studie bei diesen Männern und nun hätten wir gerne auch eine definitive Studie bei Frauen.“ Bekannt ist bereits, dass Oxytocin bei Frauen soziale Beziehungen fördert. Nicht nur das Band zwischen Mutter und Kind wird stärker, auch das Mitgefühl mit anderen Menschen steigt. Eine Studie aus dem Bereich Sport legt nahe, dass bei Basketballerinnen, die sich abklatschen und berühren, besser spielen, weil vermehrt Ocytocin ausgeschüttet wird.

