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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Altersvorsorgedepot: Warum Sparer nichts überstürzen sollten
Wirtschaft

Altersvorsorgedepot: Warum Sparer nichts überstürzen sollten

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 15. September 2026 09:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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„Wer riestert, der rostet“ und „Lass mal was staaten“: Mit solchen Slogans wirbt Scalable Capital derzeit auf Werbeplakaten für das Altersvorsorgedepot. Als einer der ersten Anbieter hat der Münchner Neobroker jüngst seine Konditionen für das staatlich geförderte Depot veröffentlicht, das zum 1. Januar 2027 bundesweit ausgerollt wird.

Inhaltsübersicht
Preisdeckel sorgt für niedrige Kosten beim StandarddepotNeobroker und Sparkassen im Preiskampf ums AltersvorsorgedepotVerbraucherschützer: Werbung ist kein Grund, jetzt zu handelnFörderung für Altersvorsorgedepot gibt es auch nach dem 1. Januar 2027Bis zu 540 Euro Zuschuss sind beim Altersvorsorgedepot möglichStiftung Warentest: Altersvorsorgedepot günstiger als altes Riester-Modell

Jetzt ziehen andere nach: Smartbroker, Quirion – und mit Deka auch die Fondsgesellschaft der Sparkassen. Sie alle werben mit niedrigen Gebühren und haben damit den Wettbewerb um die Sparerinnen und Sparer von morgen eröffnet. Verbraucherschützer rufen hingegen zur Gelassenheit auf und empfehlen: erst einmal abwarten.

Preisdeckel sorgt für niedrige Kosten beim Standarddepot

Bei ihrem Preiskampf nehmen die Anbieter das sogenannte „Standarddepot“ in den Blick. Zur Erklärung: Grundsätzlich können Anleger zwischen einem standardisierten Angebot und einem individuell gestaltbaren Depot wählen. Wer Sicherheit vorzieht, kann sich alternativ für ein ebenfalls gefördertes Garantieprodukt entscheiden.

Das Standarddepot zielt auf alle ab, die mit wenig Aufwand oder Finanzwissen an den Kapitalmärkten investieren und von staatlichen Zuschüssen profitieren wollen. Die Kosten pro Jahr sind gesetzlich bei einem Prozent gedeckelt.

Neobroker und Sparkassen im Preiskampf ums Altersvorsorgedepot

Bei dieser Marke unterbieten sich die Anbieter nun gegenseitig: Scalable Capital wirbt mit effektiven Kosten von 0,15 Prozent, die im ersten Jahr entfallen, Deka mit 0,1 Prozent. Dass damit auch die Sparkassen in den Preiskampf eingestiegen sind, hat Branchenkenner durchaus überrascht. Denn je niedriger die Kosten, desto weniger verdienen die Anbieter daran. Banken wie ING oder comdirect haben die Registrierung bereits freigeschaltet, nennen aber noch keine Bedingungen.

Verbraucherschützer: Werbung ist kein Grund, jetzt zu handeln

Dass einige Banken und Broker bereits jetzt um Kunden buhlen, war für Sascha Straub zu erwarten. „Die Anbieter rühren die Werbetrommel, damit möglichst viele potenzielle Kunden das Altersvorsorgedepot mit ihrem Namen verbinden“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern zu BR24.

Die allgegenwärtige Werbung suggeriert, dass Sparer jetzt handeln müssten – das Gegenteil sei aber der Fall: „Es gibt noch keinen Grund, aktiv zu werden“, sagt Straub. Die Stiftung Warentest bringt es in zwei Worten auf den Punkt: „Keine Hektik!“

Förderung für Altersvorsorgedepot gibt es auch nach dem 1. Januar 2027

Denn für den staatlichen Zuschuss muss das Altersvorsorgedepot nicht zum 1. Januar starten. „Man hat das gesamte nächste Jahr Zeit, rückwirkend die Förderung für 2027 einzuholen“, sagt Straub. Bis dahin ist auch geplant, dass ein öffentlicher Träger wie etwa die Bundesbank das Standarddepot anbieten soll.

Auch das könnte für die Eile mancher Anbieter ein Grund sein: Wer sich einmal entschieden hat, wechselt später wahrscheinlich selten, sondern schließt vielleicht sogar noch andere Verträge ab. „Anbieter könnten das Altersvorsorgedepot als Lockmittel nutzen, um Kunden an sich zu binden und ihnen noch andere Produkte zu verkaufen“, erklärt Verbraucherschützer Straub das Kalkül.

Bis zu 540 Euro Zuschuss sind beim Altersvorsorgedepot möglich

Bislang scheinen viele Menschen bei der neuen Art der Vorsorge aber vor allem Fragezeichen zu sehen. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Verbraucherportals Finanztip haben 57 Prozent noch nie etwas vom Altersvorsorgedepot gehört (externer Link). Dabei bewerten Verbraucherschützer den Nachfolger der zuletzt unbeliebten Riester-Verträge als gelungenes Konzept für die private Altersvorsorge.

Wer insgesamt 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erhält (gestaffelt) das Maximum an staatlicher Förderung von 540 Euro, sodass insgesamt 2.340 Euro im Depot landen. Hinzu kommen gegebenenfalls Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus. Die Einzahlungen werden am Kapitalmarkt in Fonds oder ETFs angelegt und sollen so über die Jahre eine zusätzliche Rendite erzielen. Das Bundesfinanzministerium stellt auf seiner Website einen FAQ dazu bereit (externer Link).

Stiftung Warentest: Altersvorsorgedepot günstiger als altes Riester-Modell

Verbraucherinnen und Verbrauchern bleibt also genügend Zeit, die Bedingungen und Angebote genau zu lesen. Die bisher bekannten Konditionen zeigen laut Stiftung Warentest bereits eine erfreuliche Tendenz: „Die neue Altersvorsorgemöglichkeit wird deutlich günstiger als das bisherige Riester-Modell.“

Wer wissen will, wie viel bis zur Rente im Altersvorsorgedepot zusammenkommen könnte, kann das zum Beispiel mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner (externer Link) von Finanztip prüfen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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