Das Mathäser, nicht weit vom Bahnhof, mitten in der Münchner Innenstadt, mit seinen 14 Sälen und 3.700 Sitzplätzen, ist immerhin das publikumsstärkste Kino in Deutschland – jährlich kommen rund 2 Millionen Besucher. Schon vor einem halben Jahr sorgten jedoch Meldungen für Aufsehen, wonach dem Kino ein baldiger Abriss drohe.
Kinobetreiber im Gespräch mit dem Vermieter
Der Vermieter und Eigentümer des Grundstücks, der Schweizer Konzern „Zurich Versicherung“, plane einen Umbau des gesamten Areals, hieß es. In dieser Woche wurde es konkreter. Wie zuerst die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte, hat die Lokalbaukommission der Stadt München einen Bauvorbescheid für eine Umgestaltung des Quartiers nun positiv bewertet. Steht der Abriss nun also unmittelbar bevor?
Ingo Trömer vom Planungsreferat der Stadt München ist da zurückhaltender. Ein Vorbescheid sei eben das, was er sei: ein Vorbescheid. Er bewerte lediglich grundsätzliche Fragen zur Bebaubarkeit des Grundstücks. „Das ist aber keine Baugenehmigung!“
Ähnlich sieht es Gregory Theile, Geschäftsführer der Kinopolis Gruppe, die das Mathäser betreibt. Man befinde sich seit geraumer Zeit im Gespräch mit dem Vermieter, sagt er. Die Schlagzeilen eines baldigen Abrisses hält er für übertrieben, das sei eine Option von mehreren Alternativen. „Ungeachtet dessen haben wir noch sieben Jahre Mietvertrag, mindestens. Und solange werden wir den Mathäser auch weiterhin betreiben.“
Kinobranche warnt vor Verlust für die Stadt
Bis 2033 läuft das bestehende Mietverhältnis. Bei Kinopolis will man nun den weiteren Verlauf abwarten, sagt Theile. Die Zurich hat ebenfalls angekündigt, bei der Planung eines neuen Quartiers zu prüfen, wie das Kinoangebot erhalten und weiterentwickelt werden kann. Konkrete Pläne gibt es bislang allerdings nicht.
Zwischenzeitlich trommelt Theile für die eigene Sache. Er sei sich sicher, dass der Wegfall des Mathäsers ein großer Verlust für die Stadt wäre, sagt er. „Sowohl aus städtepolitischer und kultureller Sicht und auch aus ökologischer Sicht wäre es nicht nachvollziehbar.“ Doch die Entscheidung liege natürlich beim Investor.
Ein weiteres Kinosterben in München wäre eine Katastrophe, davon ist auch Oliver Koppert von der Constantin Film in München überzeugt, der außerdem noch Vorstandsvorsitzender des Verbands der großen Filmverleiher und Majors in Deutschland ist. Das Mathäser sei das wichtigste Münchner Premierenkino. Sein Wegfall hätte daher bedeutende Auswirkungen auf die Kinokultur in München. „Wir hoffen alle in der Branche, dass da eine gute Lösung gefunden wird und dass das Mathäser auch weiterhin Teil der Münchner Kinolandschaft bleibt.“
Kann der Stadtrat den Vermieter stärker einbinden?
Dem schließt sich auch Christian Pfeil an, der in der Landeshauptstadt vier Arthaus-Kinos betreibt, quasi in Ergänzung und Konkurrenz zum Mathäser, wo größtenteils Mainstream-Kino läuft. Er finde es erstaunlich, dass nicht mal eines der am besten laufenden Kinos der Bundesrepublik in der Lage sei, dem Münchner Immobilienmarkt zu trotzen, kommentiert er sarkastisch. „Es geht für die Stadt um den Verlust von Lebensqualität“, betont er außerdem.
Aus Teilen der Münchner Politik werden die Pläne um den Mathäser mit großer Skepsis verfolgt. Die Grünen etwa wollten gar eine Veränderungssperre, wonach der Investor – zeitlich begrenzt – gar nichts hätte bauen können. Wie die SPD ist auch die CSU im Münchner Stadtrat von der möglichen Entwicklung im städtebaulich sowieso schon schwierigen Bahnhofsquartier nicht begeistert. Ihr Vorschlag wäre ein freiwilliger Gestaltungswettbewerb unter Einbindung des Stadtrats – dabei könnte der Erhalt des Kinos als Voraussetzung festgeschrieben werden.

