Zucker ist keine „harmlose süße Sünde“. Diese Annahme hat die Wissenschaft längst widerlegt. Vor allem wer regelmäßig viel zuckerhaltige Getränke konsumiert, erhöht sein Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Auch Stoffwechselstörungen und eine Fettleber können eine Folge von zu viel Zucker sein. Kann eine Zuckersteuer dagegen etwas ausrichten? Hier ein Überblick, wie aktuelle Studien diese Frage beantworten.
Hoher Zuckerkonsum ist schädlich für die Gesundheit
Zu viel Zucker kann zu vielen Erkrankungen führen. Eine große Übersichtsarbeit von 2022 [externer Link] sieht starke Belege dafür, dass der regelmäßige Konsum zuckergesüßter Getränke zur Gewichtszunahme und zur Entstehung von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer Fettleber beitragen kann. Eine internationale Studie von 2025 [externer Link] schätzte anhand von Daten aus 184 Ländern: Im Jahr 2020 waren weltweit rund 2,2 Millionen neue Fälle von Diabetes Typ 2 und 1,2 Millionen neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf den Konsum zuckergesüßter Getränke zurückzuführen. Eine Metaanalyse von 2021 [externer Link] fand für jede zusätzliche tägliche Portion zuckergesüßter Getränke ein um 27 Prozent erhöhtes relatives Risiko für Typ-2-Diabetes und ein um neun Prozent erhöhtes relatives Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO [externer Link] empfiehlt deshalb, weniger als zehn Prozent der täglichen Energie über sogenannte freie Zucker aufzunehmen, besser weniger als fünf Prozent. Bei 2.000 Kilokalorien entspricht das maximal 50, idealerweise 25 Gramm. Dazu zählt auch Zucker in Honig, Sirup und Fruchtsäften. Eine kleine Dose zuckerhaltige Cola enthält bereits rund 35 Gramm. In Deutschland wird dieser Wert deutlich überschritten: Frauen nehmen nach Angaben des Max Rubner-Instituts [externer Link] 61 Gramm pro Tag zu sich, Männer 78 Gramm pro Tag.
Großbritannien: Fast 50 Prozent weniger Zucker in Getränken
Wie eine Zuckersteuer wirkt, lässt sich besonders gut in Großbritannien beobachten. Dort wurde sie 2018 eingeführt. Hersteller zahlen umso mehr, je mehr Zucker ihre Getränke enthalten. Die Folgen sind bemerkenswert: Nach offiziellen Daten ging zwischen 2015 und 2024 der durchschnittliche, nach Verkäufen gewichtete Zuckergehalt der erfassten Softdrinks um 47,4 Prozent zurück. Die insgesamt verkaufte Zuckermenge sank um knapp 40 Prozent. Viele Hersteller hatten ihre Rezepturen verändert, um die Steuer zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Eine Zuckersteuer sorgt demnach also nicht automatisch für höhere Getränkepreise. Verbraucher nehmen aber weniger Zucker über Softdrinks auf, wenn sie eingeführt wird.
Zuckersteuer zeigt auch in Portugal und Frankreich Wirkung
Auch Portugal führte 2017 eine gestaffelte Zuckersteuer ein, wie sie jetzt in Deutschland geplant ist. Eine Studie [externer Link] untersuchte anschließend die Umsätze der Getränkehersteller und verglich sie mit denen von Mineralwasserunternehmen, die nicht von der Steuer betroffen waren. Ergebnis: Die Inlandsumsätze mit zuckergesüßten Getränken gingen mit der Steuer im Durchschnitt um knapp sieben Prozent zurück. Frankreich besteuert Softdrinks ebenfalls, bereits seit 2012. Einer europäischen Vergleichsstudie von 2025 [externer Link] zufolge sank der durchschnittliche Zuckergehalt französischer Softdrinks zwischen 2016 und 2022 um knapp zehn Prozent, in Portugal um gut 14 Prozent.
Weniger Karies, Übergewicht, Diabetes Typ 2 durch Zuckersteuer
Aber führt weniger Zucker in Getränken tatsächlich zu besserer Gesundheit? Auch dazu gibt es inzwischen Untersuchungen. Eine britische Studie von 2023 [externer Link] analysierte Krankenhausaufnahmen wegen schwerer Karies bei Kindern. Rund zwei Jahre nach Einführung der Zuckersteuer war deren Rate zwölf Prozent niedriger, als ohne Steuer statistisch zu erwarten gewesen wäre. Bei Kindern unter fünf Jahren betrug der geschätzte Rückgang sogar knapp 29 Prozent.
Auch beim Übergewicht zeigen sich Hinweise auf eine positive Wirkung der Zuckersteuer. Forschende der Universität Cambridge [externer Link] untersuchten Daten von mehr als einer Million Grundschulkindern in England. Bei zehn- bis elfjährigen Mädchen lag die Adipositasprävalenz, also der Anteil von stark Übergewichtigen, nach Einführung der Zuckersteuer um acht Prozent unter der erwarteten Entwicklung.
Erste Untersuchungen [externer Link] zu weiteren Erkrankungen gibt es inzwischen aus Südafrika. Dort fanden Forschende nach Einführung einer Zuckersteuer 2018 Hinweise darauf, dass die Fallzahlen bei Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen zurückgehen. Allerdings kann eine Beobachtungsstudie wie diese nicht zweifelsfrei belegen, dass die Ursache der sinkenden Krankheitszahlen tatsächlich die Zuckersteuer ist.
Mögliche Folgen verschiedener Zuckersteuern für Deutschland berechnete eine Modellstudie der TU München aus dem Jahr 2023 [externer Link] . Demnach könnten über 20 Jahre bis zu rund 244.000 Typ-2-Diabetesfälle verhindert oder verzögert werden. Die gesamtgesellschaftlichen Einsparungen könnten bei bis zu 16 Milliarden Euro liegen.

