Nach dem Rücktritt des Präsidenten der Hochschule für Musik in Nürnberg prüft die Landesanwaltschaft Bayern, ob ein Dienstvergehen vorliegt. Wie die Behörde am Freitag auf BR24-Nachfrage schriftlich mitgeteilt hat, sei sie vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst über die Vorwürfe informiert worden. Die Prüfung dauere noch an, daher wolle die Landesanwaltschaft derzeit keine weiteren Angaben zu dem Fall machen.
Vorwürfe wegen Machtmissbrauch: Präsident zurückgetreten
Die Landesanwaltschaft Bayern ist für die Durchführung von Disziplinarverfahren bei Beamten zuständig. Die Möglichkeiten reichen laut der Behörde von der Einstellung eines Verfahrens über eine Geldbuße bis hin zur Entfernung eines Beamten aus dem Beamtenverhältnis. Auch eine Kürzung oder Aberkennung des Ruhegehalts könnten eine Rolle spielen.
Der Präsident Rainer Kotzian hatte in einer Email an alle Studierenden der Hochschule angekündigt, sein Amt niederzulegen. Hintergrund ist die Veröffentlichung von Machtmissbrauchsvorwürfen gegen ihn. Die Gruppe „Studis gegen Machtmissbrauch Nürnberg“ wirft Kotzian ein machtmissbräuchliches Treffen zwischen ihm, seiner Frau und einer Studentin im November 2025 vor.
Treffen mit Präsident, seiner Frau und Studentin nicht aufgearbeitet
Während einer externen Veranstaltung waren der Hochschulpräsident, seine ebenfalls an der Hochschule lehrende Frau, sowie Studierende in einem Hotel untergebracht. Der Präsident soll die Studentin in einem Anruf auf sein privates Hotelzimmer gebeten haben, wo seine Frau ihr vorgeworfen haben soll, ein Verhältnis mit ihm zu haben. Diesen Vorfall habe Kotzian nicht aufgearbeitet, vielmehr die Aufarbeitung verhindert.
Kotzian selbst schreibt dazu, er habe am 1. November vergangenen Jahres einen Fehler gemacht, nämlich ein kurzes, persönliches Gespräch mit einer seit Jahren vertrauten Studentin geführt. Dabei habe er nicht ausreichend berücksichtigt, dass auch in einem solchen Vertrauensverhältnis das Machtgefälle zwischen einem Professor und einer Studentin bestehen bleibe und er eine besondere Verantwortung dafür trage, unter welchen Umständen und in welcher Form ein solches Gespräch geführt wird. Das bedaure er und habe sich dafür entschuldigt.
Kotzian: Konflikt hat Eigendynamik entwickelt
Rainer Kotzian hatte das Amt des Präsidenten der Hochschule für Musik Nürnberg seit 2021 inne. Der Professor für Elementare Musikpädagogik schreibt, dass der Konflikt eine Eigendynamik entwickelt habe, die die gesamte Institution belaste. Mit seinem Rücktritt wolle er verhindern, dass weitere Kräfte in internen Auseinandersetzungen gebunden würden. Ihm sei bewusst, dass dieser Schritt nicht alle offenen Fragen klären könne. Er hoffe jedoch auf einen Neuanfang für die Hochschule, teilt Kotzian in einem Brief an die Studierenden mit, der BR24 vorliegt.

