In den vergangenen 50 Jahren sind drei Viertel der wildlebenden Wirbeltiere (externer Link) verschwunden. Eines der erklärten Ziele der UN-Artenschutzkonferenz ist auch deshalb: mehr Naturschutzgebiete schaffen, denn diese gelten als besonders wirksam für den Artenschutz.
Kegelrobben zurück in Deutschland
Naturschutzgebiete sind vor allem Rückzugsräume für Wildtiere, erklärt Thea Hamm vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Dort finden sie das, was sie unbedingt zum Leben brauchen: „Bei Kegelrobben sind das ungestörte Sandbänke, die bei Flut trocken bleiben. Die brauchen sie, um ihre Jungen großzuziehen.“ Vor 40 Jahren waren die Kegelrobben in Deutschland ausgerottet, sagt Hamm. Heute leben wieder 12.500 Tiere im Wattenmeer.
Schutzgebiete sind nicht gleich Schutz: Lage entscheidet über Nutzen
Dass Wildtiere nicht gestört werden, mag nach einem Luxuswunsch klingen. Tatsächlich ist dies an bestimmten Orten aber lebenswichtig für die Tiere, erklärt Hamm. Ob 30 Prozent der Erdoberfläche als Schutzgebiete genügen, um die Artenvielfalt zu retten, hängt also auch stark davon ab, wo diese Gebiete liegen und welche Lebensräume sie schützen.
Bayerische Bartgeier brauchen intensive Betreuung
Auch in Bayern profitieren wichtige Wildtiere von geschützten Gebieten. Im Nationalpark Berchtesgaden werden beispielsweise die in Deutschland ausgestorbenen Bartgeier wieder angesiedelt. Im geschützten Gebiet des Nationalparks werden Jungvögel aus Zuchtstationen in abgesicherte Felsnischen gesetzt und dort ständig überwacht, erklärt Magdalena Deelmann. Sie ist stellvertretende Leiterin des Projektes (externer Link).
Damit die jungen Bartgeier überleben, ist allerdings viel Aufwand nötig. Wenn sie ihre Nische verlassen, sind die Experten mit einem großen Team vor Ort, erzählt Deelmann. „Wir beobachten die Vögel von morgens bis in die Abenddämmerung, um ihren Gesundheitszustand zu überwachen und um zu schauen, dass keine Naturfotografen oder andere Leute sich diesen Tieren nähern.“ Artenschutz in Schutzgebieten ist kein Selbstläufer, sondern mit hohem Aufwand verbunden.
Experte: Mehr geschützte Flächen nötig
Akzeptanz sei auch ein wichtiger Punkt, wenn es um die Wirksamkeit von Schutzgebieten geht, sagen die Autoren eines neuen Diskussionspapiers (externer Link). Forschende der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina untersuchen darin, wie Schutzgebiete eine möglichst große Wirkung entfalten können.
Thomas Potthast, Professor für Ethik, Theorie und Geschichte der Biowissenschaften an der Universität Tübingen und einer der Autoren, sagt, dass mehr Flächen geschützt werden müssen, die „frei von direkter menschlicher stofflicher Nutzung“ seien. Also Meeresgebiete ohne Schleppnetzfischerei beispielsweise oder Wälder ohne intensiven Waldabbau. „Wir brauchen mehr Flächen, wo die Natur Natur sein darf.“
Mehr als Zäune: Schutzgebiete brauchen Management
Es reicht aber nicht, einen Zaun um ein Gebiet zu ziehen und es dann einfach sich selbst zu überlassen. Ein wirksames Schutzgebiet muss gut überwacht werden. Wenn nötig, muss man die Regeln anpassen, je nachdem, was die bedrohten Arten darin brauchen.
Im Wattenmeer wurde beispielsweise 2023 die Geschwindigkeitsbegrenzung für Schiffe heruntergesetzt, um lauten Unterwasserschall und Kollisionen mit Meeressäugern zu vermeiden. In Berchtesgaden wird das Gebiet direkt um die Nischen der Bartgeierjungen möglichst von Menschen frei gehalten.
Tatsächlich gibt es also schon viele Schutzgebiete, die bedrohten Arten eine echte Zuflucht bieten. Trotzdem ereignet sich derzeit ein Massensterben wie seit dem Ende der Dinosaurier nicht mehr. Entscheidend für den Erfolg ist deshalb, wie gut die neuen Schutzgebiete ausgewählt und gemanagt werden.

