Mit Madonna-DNA zum Hit?
Die Strophen von „Daylight in Your Eyes“ pendeln auf zwei Akkorden hin und her. „Man wird in Sicherheit gewogen“, erklärt Musikwissenschaftler Markus Henrik Wyrwich, der als Dr. Pop Songs auf Social Media analysiert [externer Link]. Im Chorus folgen auf A-Dur cis-Moll, E-Dur und: Fis-Dur. „Dieser Akkord ist das Salz in der Suppe bei diesem Song“, so Dr. Pop. Verbreiteter bei dieser Akkordfolge sei nämlich fis-Moll. „Fis-Dur strahlt so wunderbar auf und das passt perfekt zum Thema Daylight.“ Zudem kombiniere das Lied eine balladeske Strophe mit einem tanzbaren Instrumentalteil. Ein Schema, das dem Musikwissenschaftler zufolge auch in Madonna-Songs der 1990er-Jahre zu finden ist. Doch genau diese Madonna-DNA hatte „Daylight“ schon einmal scheitern lassen.
Großes Risiko mit „Daylight in Your Eyes“
Vor den No Angels hatten bereits andere Künstler den Song performt. Für Sängerin Victoria Faiella, zuvor Background-Sängerin bei Enrique Iglesias, sollte „Daylight in Your Eyes“ der internationale Durchbruch werden. Aber Radiosender lehnten das Lied ab, bezeichneten es als „Madonna-Abklatsch“, wie Produzent Peter Plate in der No Angels-Doku erzählt. Weil aus „Daylight in Your Eyes“ mit Faiella kein Hit geworden war, stellte er das Stück den No Angels zur Verfügung. Die glaubten an den Erfolg des Songs – und stellten ihrem Manager ein Ultimatum: den Song.
Damit gingen die Frauen ein großes Risiko ein. In den 2000ern gab es noch kein YouTube, keine sozialen Medien, auf denen sie selbstständig mit ihrer Musik an die Öffentlichkeit hätten gehen können. Umso größer war der Druck, die Chance auf eine eigene Single nicht verstreichen zu lassen. Für „Daylight in Your Eyes“ setzten die No Angels diese Möglichkeit aufs Spiel – und hatten damit Erfolg.
Warum „Daylight in Your Eyes“ mit den No Angels plötzlich Erfolg hat
Die Debüt-Single verkaufte sich in den ersten 48 Stunden bereits 500.000 Mal und schoss auf Platz Eins der Charts. Die No Angels schafften den Durchbruch, der Victoria Faiella mit dem gleichen Song verwehrt blieb. Dr. Pop erklärt dieses Phänomen mit der Authentizität der No Angels. „Es klingt nicht wirklich perfekt, aber das ist gerade das Gute daran.“ Der Song schaffe ein „Identifikationspotenzial“ für Fans und das Gefühl, einfach mitsingen zu können. Das scheint sich bis heute zu halten. 25 Jahre später treffen der Song – und die No Angels – auf eine Welle der Millenial-Nostalgie.
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