Nicht jeder darf oder will an Panzern arbeiten
Zweites Nadelöhr sind behördliche Sicherheitsüberprüfungen, die fast alle Beschäftigten durchlaufen müssen, die im Rüstungsbereich tätig werden wollen. Nach Angaben der IHK für München und Oberbayern dauert allein dieser Check oft viele Monate. Für manche Jobs ist sogar die deutsche Staatsbürgerschaft Pflicht. Hinzu kommt: Laut Umfragen sind nicht alle Mitarbeiter aus der zivilen Fahrzeugindustrie bereit, statt an einem Auto an Waffensystemen zu arbeiten.
Und nicht zuletzt ist es für Zulieferbetriebe kein Selbstläufer, in das Rüstungsgeschäft zu wechseln. So warnen Experten wie Maximilian Epp von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern vor überzogenen Erwartungen. So sei es fast unmöglich, schnell mit der Verteidigungsbranche ins Geschäft zu kommen. Neben der umfangreichen Zertifizierung und Sicherheitsüberprüfung müsse man nämlich nachweisen, langfristig liefern zu können. Schließlich laufen Aufträge für Rüstungsgüter oft über Jahrzehnte. Dazu kommen zumeist hohe Investitionen in Spezialmaschinen und eine sichere IT – samt der entsprechenden Nachweise.
Kein Mangel an Bewerbern
Grundsätzlich sehen die Verteidigungsunternehmen aber keinen Mangel an Bewerbern, heißt es unisono bei Firmen wie KNDS Deutschland, MBDA oder Diehl. Das gelte für potentielle Mitarbeiter ebenso wie für mittelständische Betriebe aus dem Maschinenbau, die gerne Bauteile an Rüstungsspezialisten liefern würden. So kommen rechnerisch auf jede offene Stelle oft dutzende von Bewerbern. Gesucht werden zahlreiche Berufsgruppen.
Die Bandbreite reicht von Industriemechanikern für die Produktion über Logistikfachleute bis hin zu IT-Spezialisten und Führungskräften aus der Auto- und Zulieferbranche. Ihre Kompetenzen werden benötigt, da mehr und mehr Rüstungsbetriebe ihre Produktion von Manufakturarbeit auf effiziente Serienfertigung umstellen müssen. Prominentes Beispiel ist Florian Hohenwarter, der Chef von KNDS Deutschland. Als langjähriger Daimler-Manager soll er mit seinem Wissen aus der Autobranche die einst gemächliche Produktion des Münchener Panzerbauers auf Touren bringen.
Drohnen statt Trainingsflugzeuge
Auf Technologie und Wissen aus der zivilen Industrie setzen auch die bayerischen Startups Helsing und Quantum Systems, die beide am Finanzmarkt mit mehreren Milliarden Euro bewertet werden. Sie erweitern derzeit ihre Angebotspalette massiv und setzen dabei zum Teil auf etablierte Unternehmen.
So kaufte Helsing im vergangenen Jahr den traditionsreichen Flugzeugbauer Grob. Das Unternehmen aus dem Allgäu, das bisher unter anderem Trainingsflugzeuge baute, soll nun unbemannte Kampfjets entwickeln, sogenannte Unmanned Wingmen. Solche Geräte will die Bundeswehr künftig im Verbund mit klassischen Maschinen wie dem Eurofighter einsetzen.
Quantum Systems wiederum arbeitet in Oberpfaffenhofen an einem Flugzeug, das sowohl mit einem menschlichen Piloten an Bord als auch unbemannt fliegen soll. Dafür warb das Unternehmen nach Angaben von Gründer Florian Seibel ganze Entwicklerteams vom Flugzeugbauer Diamond Aircraft ab. Gearbeitet wird in Hallen, die einst für den inzwischen insolventen Flugtaxi-Entwickler Lilium gebaut wurden.

