Es ist zehn Jahre her, seit die erfolgreiche Schriftstellerin Lisa Konrad ihre Schwester verloren hat. Seitdem wohnt sie gemeinsam mit ihrem Hund zurückgezogen in einer riesigen Villa bei München und hat das Gelände nicht mehr verlassen. Sie ist durch den Mord an ihrer Schwester Anna schwer traumatisiert, denn die Polizei hat den Täter nie gefunden.
Doch dann sieht Lisa im Fernsehen einen Mann, den sie meint, als Mörder wiederzuerkennen: den Journalisten Robert Lenzen. Sie beschließt, ihn zu sich nach Hause zu locken – unter dem Vorwand, ihm ihr erstes persönliches Interview zu geben.
Thriller mit doppeltem Boden
Was nach einem durchschnittlichen Racheplan-Thriller klingt, ist in „Die Falle“ durchaus mehr: der Auftakt eines doppelbödigen Spiels. Denn Lisa schreibt gleichzeitig einen Roman über den Mord an ihrer Schwester, verarbeitet ihre Erinnerungen, erfindet neue Zusammenhänge und spielt verschiedene Versionen der Vergangenheit durch.
Autorin und Regisseurin Isabel Kleefeld verschachtelt diese Handlung, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Autorin Melanie Raabe, mit der Gegenwart, mit Rückblenden, Träumen und Fantasien. Die Bilder widersprechen sich, ergänzen sich, werden wie ein Puzzle, das sich immer wieder auflöst und neu zusammensetzt. Das Publikum erlebt die Welt konsequent aus Lisas Perspektive – und taucht damit tief in ihre Psyche ein.
Für Kleefeld genau der Reiz der Geschichte: „Dass ich so immersiv in den Kopf von Figuren eintauchen kann und herausfinden kann: Was haben die geträumt? Was stellen die sich vor? Was wünschen die sich? An was erinnern die sich? Was fühlen die gerade?“
Höhepunkt wird zu einer Begegnung auf Augenhöhe
Friederike Becht spielt Lisa als hochintelligente, verletzliche, aber auch entschlossene Frau, die sich ihre eigene Wirklichkeit geschaffen hat. Zum Höhepunkt wird die vierte Episode: Hier treffen Lisa und Robert endlich aufeinander. Hans Löw spielt den Journalisten mit einer schwer zu durchschauenden Mischung aus Überheblichkeit und Unsicherheit.
Lisa und Robert sitzen sich fast eine Folge lang gegenüber, belauern sich. Das eigentliche Interview wird zum gegenseitigen Verhör. Kleefeld inszeniert diese Begegnung auf Augenhöhe. Wie in einem Theaterstück, in dem sich die Machtverhältnisse mit jedem gesagten Satz verschieben. „Wir haben bestimmte Räume der Villa ins Studio verfrachtet. Dadurch konnten wir bewerkstelligen, wie eine weitere Person mit am Tisch zu sitzen und diesen Fight in Echtzeit zu erleben“, erzählt die Regisseurin.
Kleefeld bereits mit Emmy ausgezeichnet
Gerade in dieser vierten Folge zeigt sich, wie präzise Kleefeld Spannung schreiben und inszenieren kann. Schon vor drei Jahren inszenierte die Regisseurin einen Thriller erfolgreich, gewann mit „Liebes Kind“ den internationalen Emmy als beste Miniserie.
Allerdings kann „Die Falle“ das Niveau nicht bis zum Schluss halten. Die Auflösung ist deutlich konventioneller als der raffinierte Aufbau. „Die Falle“ ist visuell einfallsreich und hervorragend gespielt. Vor allem ist es aber eine Geschichte darüber, wie Menschen ihre Erinnerungen in Erzählungen verwandeln und irgendwann selbst nicht mehr wissen, welche davon wahr sind und welche eben nicht.

