Es waren nicht weniger als die technologischen Grundlagenentwürfe für den Digitalfunk, die Ulrich Rohde vor Jahrzehnten selbst im Handgepäck in die USA transportierte. Schwer gesichert und unter strikter Geheimhaltung: „Ich weiß noch, wie ich mit Handschellen in der Concorde nach London geflogen bin, habe meine Unterlagen in einer als geheim eingestuften Konferenz vorgetragen und dann (…) mussten wir das kaputt machen.“ Damals war es eine streng geheime Auftragsarbeit der amerikanischen Regierung für eine Technologie, die heute in jedem Mobiltelefon steckt. Doch Ulrich Rohde durfte damals nichts veröffentlichen und musste über seine Forschungsergebnisse schweigen.
Sohn des Gründers von Rohde & Schwarz
Vielleicht ist diese Arbeit im Hintergrund auch dafür verantwortlich, dass der Name von Ulrich Rohde vielen nicht so geläufig ist wie der von anderen einflussreichen Erfindern – es sei denn, man ist selbst Ingenieur oder Amateurfunker. Bereits sein Vater Lothar Rohde war einer der Pioniere des UKW-Rundfunks und Miterfinder der Quarzuhr. Er gründete den heutigen Konzern Rohde & Schwarz mit Hauptsitz in München. Sein Sohn Ulrich führte den Ausbau des Unternehmens weiter und hält heute über 50 Patente.
Rohde & Schwarz produziert unter anderem Messgeräte, Netzwerktechnik und die technische Ausrüstung von Rundfunk- und Fernsehsendern, auch die von öffentlich-rechtlichen Sendern wie dem Bayerischen Rundfunk. Darüber hinaus stellt das Unternehmen Funkkommunikationssysteme her, auch für den militärischen Einsatz. Dies war möglicherweise das Motiv für einen Brandanschlag auf die Zentrale von Rohde & Schwarz in München im September 2026.
Hochschullehrer Rohde: Studium oft praxisfern
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner Lehrtätigkeit an Universitäten in Deutschland und den USA ist Ulrich Rohde vor allem die Praxisnähe in der Ausbildung wichtig. Bekannt wurde vor allem seine Aussage vor der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, er halte eine Amateurfunkprüfung für wichtiger als ein Universitätsstudium: „Der Amateurfunk zwingt Sie zu verstehen: Was kommt von draußen rein? Wie ist die Verarbeitung im Gerät, was ist da drin?“ Eine solch genaue Erklärung bekäme man an keiner Ausbildungsstätte: „Sie bekommen sehr viel theoretisches Wissen, wissen aber gar nicht, wofür“, so Rohde.
Problem für Nachwuchstalente: Ständige Ablenkung
Mangelnde Praxisnähe ist einer der Punkte, die Ulrich Rohde immer wieder am deutschen Bildungssystem kritisiert. Allerdings erschwert seiner Meinung nach ein weiterer Faktor Nachwuchstalenten, ihr Potential zu entfalten, nämlich ein kultureller Wandel in unserer Gesellschaft. Zu viel Ablenkung etwa durch Medien und Influencer sorge dafür, dass man sich nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren könne: „Sie wissen gar nicht mehr, wo sie hingehören“, so der 86-Jährige über junge Menschen von heute. Er selbst verließ während seines Studiums München und zog nach Darmstadt, um den ständigen Ablenkungen in der Landeshauptstadt zu entgehen.
Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für Ulrich Rohde
Vielleicht war es diese zielstrebige Lebensweise, die Ulrich Rohde zum weltweit führenden Entwickler der Hochfrequenz- und Funktechnik gemacht hat. Das hat ihm nicht nur zahlreiche Professuren im In- und Ausland eingebracht, sondern auch Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden.
Nun erhält er für seine führenden technischen Entwicklungen am 19. Oktober den Titel „TUM Distinguished Affiliated Professor“ der Technischen Universität München und am 20. Oktober von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die „Bene merenti“-Medaille. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften verleiht zusammen mit der Bayerischen Staatsregierung den Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten, der von der Ulrich L. Rohde Stiftung mit 300.000 Euro dotiert ist.

