Katharina Kallo war an ihrem ersten Tag in der Montage des BMW-Werks in Regensburg ganz schön überwältigt. Dutzende Autos fahren auf den Montagebändern hier pro Minute an einem vorbei. Elektroautos und Benziner gleich nacheinander. Sie bekommen Räder verpasst, Gummidichtungen eingelegt und das BMW-Logo auf die Motorhaube geklebt.
Am Anfang sei sie übermannt gewesen von den vielen Karossen, Robotern und Menschen. Ihre Faszination ist auch jetzt im zweiten Lehrjahr noch spürbar. „Nach und nach versteht man, was genau passiert und welche Anlage was macht“, sagt die angehende Industriemechanikerin. Die ganze Technik, alle Abläufe, jedes kleinste Detail müsse passen. „Man gewöhnt sich schon zum Teil dran, aber trotzdem jeden Tag denke ich mir von Neuem: Wow.“
Schon immer technikbegeistert
Die 26-Jährige hat vor einigen Jahren als Leiharbeiterin im Werk angefangen. Danach bekam sie eine Festanstellung in der Produktion, entschied sich aber dann doch ganz bewusst für eine Ausbildung. Mit dieser stünden ihr mehr Möglichkeiten offen: vielleicht einmal den Meister machen oder nochmal studieren, sagt Kallo.
Für Technik habe sie sich schon immer interessiert. Sie habe immer viel lieber mit den Autos ihres großen Bruders als mit Puppen gespielt. „Von Lego-Technik war ich auch begeistert. Ich war immer interessiert, wie das mechanisch funktioniert“, sagt die Auszubildende.
„Klar, man macht sich schon Gedanken“
Doch trotz aller Technikbegeisterung: Die allgemeine Stimmung in der Automobilindustrie war schon besser. Meldungen über drohende Werkschließungen bei VW und Audi, schwächelnde Absätze deutscher Hersteller auf dem chinesischen Markt sowie Stellenabbau- und Abfindungsprogramme bei Mercedes und BMW bestimmen die Nachrichten der letzten Monate.
Eine Situation, die junge Menschen in der Branche durchaus verunsichern kann. „Klar, man macht sich schon Gedanken darüber“, sagt Katharina Kallo. Sie sehe aber trotzdem eine sichere Zukunft im Automobilbau für sie. Sie glaube an „Made in Germany“ und dass die hiesigen Autobauer weiter bei der Qualität einen Vorteil haben werden. „Tolle Produkte, tolle Autos werden immer gefragt sein.“
Auf das Werk folgt der Aufschwung
Die 26-Jährige ist längst nicht die Einzige, die rund um das BMW-Werk Regensburg so denkt. In diesen Tagen feiert der Standort den Produktionsbeginn vor 40 Jahren. Regensburgs Oberbürgermeister Thomas Burger (SPD) nennt BMW das „industrielle Herz und einen der stärksten ökonomischen Anker der Stadt“. Die Stadt blicke voller Zuversicht auf die kommenden gemeinsamen Jahre.
Um die enge Beziehung vieler Menschen gerade im Osten Bayerns zu BMW zu verstehen, hilft auch ein Blick in die Vergangenheit. Als das Werk in den 80er-Jahren in Regensburg gebaut wurde, stand die Wirtschaft in der Oberpfalz vor großen Herausforderungen. Die Kohle- und Stahl-Region hatte mit Strukturschwäche und Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Doch auch durch das Werk kam der Aufschwung. Heute ist die Oberpfalz ein Technologie-Standort. Ohne BMW wäre das kaum möglich gewesen, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer in der Oberpfalz, Jürgen Helmes. „Das Werk ist sehr viel mehr als nur die Ansiedlung eines großen Industrie-Betriebes, sondern vielleicht die größte Infrastrukturmaßnahme, die wir in Regensburg in den letzten Jahrzehnten hatten.“
Im Zuge der Werksgründung hätten sich zahlreiche weitere Betriebe angesiedelt: industrienahe Dienstleister, IT-Infrastruktur, Caterer, Immobilienunternehmen. Der Autobauer sei hier wie ein Gütesiegel für die ganze Region. „Die Unternehmen wissen, da wo BMW ist, das ist für uns ein ‚Place to be'“, sagt Helmes.
9.000.000 Autos in Regensburg gebaut
Bei den Arbeitslosenzahlen belegt die einst strukturschwache Oberpfalz heute – anders als vor 40 Jahren – regelmäßig Spitzenplätze in Bayern. Und auch das Regensburger Werk selbst hat die anfänglichen eigenen Erwartungen des Konzerns in den letzten Jahrzehnten weit übertroffen. Aus einst geplanten 3.500 Arbeitsplätzen sind mittlerweile 9.000 geworden. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist die Auslastung des Werks aktuell hoch. In drei Schichten laufen pro Arbeitstag über 1.400 vom Band. Die hier gefertigten Modelle wie der X1 und der elektrische iX1 sind gefragt. Insgesamt entstanden in 40 Jahren über neun Millionen BMW aus Regensburg.
Viele sollen noch dazu kommen, auch mit Hilfe von Katharina Kallo. „Autos wird man immer brauchen“, sagt die Auszubildende.

