Der Andrang vor dem Coburger Schloss ist groß. Rund 3.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie sind dem Aufruf der IG Metall gefolgt, um vor Beginn der zweiten Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber zu machen. Die Stimmung ist aufgeheizt. Viele Demonstrierende halten rote Fahnen in der Hand und Transparente, auf denen Slogans wie dieser stehen: „Der Geldbeutel brennt, die Zapfsäule kotzt, jetzt wird das Konto aufgemotzt.“
Damit war der Ton für die zweite Runde der Tarifverhandlungen der Gewerkschaft mit dem Arbeitgeberverband vbm gesetzt. Hinter verschlossenen Türen war der Ton zwar verbindlicher als auf dem Schlossplatz, in der Sache standen sich beide Seiten aber mit scheinbar unvereinbaren Forderungen gegenüber.
Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent mehr Geld – erst ab Juli 2028
Anders als vor der ersten Tarifrunde am 8. Oktober hatte dieses Mal auch der vbm einen Vorschlag mitgebracht. Der sieht zunächst eine Einmalzahlung im Juli 2027 vor. Sie soll ein Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts betragen, nach Angaben der IG Metall wären das 664 Euro. Wirtschaftlich schwache Betriebe sollen die Zahlung allerdings aussetzen können. Erst für Juli 2028 bieten die Arbeitgeber eine Steigerung die Tarifentgelte um 1,3 Prozent an. Laufen soll der Vertrag bis Ende 2028, also insgesamt 26 Monate.
Damit liegen beide Seiten weit auseinander. Die IG Metall verlangt für die rund 836.000 Beschäftigten in Bayern fünf Prozent mehr Geld und 110 Euro zusätzlich für Auszubildende – bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten. Hinzu kommen Forderungen nach einer Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben und Verbesserungen für untere Entgeltgruppen.
IG Metall kritisiert drohenden Kaufkraftverlust
Entsprechend scharf fällt die Reaktion der Arbeitnehmerseite aus. Das Angebot habe „mit einem respektvollen Angebot nichts zu tun“, kritisiert IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott. Angesichts der Preissteigerungen müssten die Beschäftigten 20 Monate auf eine dauerhafte Entgelterhöhung warten. Das würde einen erheblichen Reallohnverlust bedeuten.
Die Arbeitgeber begründen ihr Angebot dagegen mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Fast 40 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen bewerteten ihre Situation als schlecht, weitere 40 Prozent höchstens als befriedigend. Allein seit Jahresbeginn seien in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie knapp 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.
„Wir brauchen ein Belastungsmoratorium, denn die Kosten sind zu hoch, um international wettbewerbsfähig zu sein“, begründet vbm-Verhandlungsführer Thomas Kaeser das Angebot der Arbeitgeber.
Streit auch über Beschäftigungssicherung in Metall- und Elektroindustrie
Doch nicht nur beim Geld liegen die Positionen auseinander. Die Arbeitgeber wollen zudem die Möglichkeiten ausweiten, in wirtschaftlich schwachen Betrieben von tariflichen Leistungen abzuweichen. Außerdem wollen sie mit der Gewerkschaft über hohe Krankenstände, Krankheitskosten und eine schnellere Einführung künstlicher Intelligenz sprechen.
Der IG Metall geht das zu weit. Sie kritisiert, dass die Arbeitgeber vor allem über Kostensenkungen sprechen, ohne selbst Garantien für Arbeitsplätze und Standorte zu geben.
Warnstreiks ab Sonntag möglich
Die zweite Verhandlungsrunde wurde daher schon nach weniger als einer Stunde ergebnislos beendet. Der Gesprächsbedarf der IG Metall war dennoch groß. Genauso wie der Wunsch nach mehr Klarheit über die Details des heutigen Angebots. Daher setzten sich beide Seiten im Anschluss in kleiner Runde zu einem informellen Gespräch zusammen.
Gut möglich, dass dennoch schon bald gestreikt wird. An diesem Samstag endet die Friedenspflicht. Bereits ab Sonntag sind damit Warnstreiks möglich. Die IG Metall hat bereits angekündigt, ihre Vorbereitungen dafür zu verstärken. Oder, um es mit den Worten von Horst Ott zu sagen: „Wir werden jetzt scharfschalten.“

