Wirtschaftlich kann ein US-Werk für Audi sinnvoll sein
Autoexperte Bratzel hält Döllners Auftritt noch aus einem anderen Grund für bedenklich: Die USA seien politisch in zwei Lager geteilt. Es könnte für Audi zu einem Imageproblem werden, sowohl in den USA als auch in Europa.
Aus betriebswirtschaftlichen Gründen könne das Werk dagegen durchaus sinnvoll sein, wie alle Seiten betonen. Im Gegensatz zu den beiden Dauerkonkurrenten BMW und Mercedes hat Audi noch keinen Produktionsstandort in den Vereinigten Staaten.
Die VW-Tochter leidet unter den hohen Strafzöllen, die dort für importierte Wagen gezahlt werden müssen. Im vergangenen Jahr kostete das die VW-Tochter bereits rund 1,2 Milliarden Euro, in diesem Jahr könnten es noch einmal 800 Millionen Euro werden.
Audi-Verkäufe in den USA eingebrochen
Zudem sind die Verkäufe in Nordamerika regelrecht zusammengeschmolzen. 2023 lag der Absatz in der Region noch bei 263.000 Fahrzeugen. In diesem Jahr dürften es rund 100.000 Fahrzeuge weniger sein. In den ersten neun Monaten jedenfalls wurden nur noch 129.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das hatte den Druck zuletzt erhöht.
Ungewöhnlich ist der Schritt nicht. Auch in den vergangenen Jahren war es normal, dass die Autoproduktion dem Markt folgt, etwa in China. Insofern ist das Versprechen Döllners aus Amerika für Amerika durchaus schlüssig.
Vor 2030 wird in den USA kein Audi vom Band rollen
Allerdings werden noch Jahre vergehen, bis in Georgia die ersten Audis vom Band rollen. Zum einen müssen noch die Aufsichtsgremien zustimmen, wie Audi-Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer betont. Erst dann könnte im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden. Ein Produktionsstart ist für Anfang der 2030er Jahre vorgesehen.
Laut Döllner sollen an dem Standort die großen SUVs der Marke hergestellt werden: Q7, Q8 oder der neue Riesen SUV Q9, die derzeit in Bratislava in Slowakei gebaut werden.
Kein Geld für deutsche Audi-Standorte – aber für ein ein neues Werk?
Und das zeigt das Dilemma: Die Arbeitnehmer in den bereits bestehenden Werken machen sich Gedanken darüber, was die USA-Entscheidung für sie bedeutet – aufgrund der aktuell bestehenden Überkapazitäten in den Werken.
Auch in Ingolstadt und Neckarsulm könnten deutlich mehr Fahrzeuge produziert werden. Neckarsulm wird immer wieder genannt, wenn es um mögliche Werksschließungen geht. Von den Audi-Beschäftigten in Deutschland verlange das Unternehmen immer mehr Einschnitte und wolle immer mehr Stellen abbauen, kritisiert IG-Metall-Bezirksleiter Ott.
Gleichzeitig seien mehrere Milliarden Euro vorhanden, um in den USA ein neues Werk zu bauen. Das ist aus Otts Sicht erklärungsbedürftig. Der Gesamtbetriebsrat von Audi betont, dass die Auslastung der deutschen Audi-Standorte weiterhin höchste Priorität haben.
Ob das US-Werk ein Erfolg wird, hängt letztlich davon ab, ob Audi die Kunden mit den geplanten Modellen überzeugen kann – und das war in den vergangenen Jahren immer weniger Fall: Mittlerweile nähert sich der jährliche Gesamtabsatz der Marke der 1,5 Millionen Grenze.

