Privat-Audienzen sind für einen Papst „business as usual“. Aber diese ragt heraus: Ein sehr berühmter US-Amerikaner mit einer weltweiten, freilich profanen Fangemeinde, bürgerlicher Name: Robert Allen Zimmerman, trifft auf einen anderen weltweit verehrten US-Bürger, Robert Francis Prevost, der katholischen Glaubensgemeinde, welcher er als geistliches Oberhaupt vorsteht, besser bekannt als Papst Leo XIV.
His Bobness meets Seine Heiligkeit – zum ersten Mal als Pontifex und das an dem Tag, an dem die US-Amerikaner gewählt haben.
Kapuzenmann in schwarzer Kluft mit Regenschirm
Dieses Treffen der 85-jährigen Musik-Legende mit dem 71-jährigen Kirchenfürst hätte die Welt nicht weiter interessiert, wären da nicht die Fotos, die die Begegnung bezeugen: Bob Dylan ganz in schwarzer Kluft mit über den Kopf gezogener Kapuze und Regenschirm in der Hand auf der einen Seite, der Nachfolger Petri wie üblich ganz in weißer Soutane und mit Scheitelkäppchen auf der anderen Seite. Black and White. Diese von Seiten Dylans eigenwillige Bildbotschaft ist, davon muss man ausgehen, keine zufällige. Aber was will Dylan seinen weltlichen Jüngern damit sagen?
Dylan: „In South Dakota people carry umbrellas“
Dass er mit einem Regenschirm kam und diesen offenbar bewusst nicht irgendwo am Eingang in einem Ständer deponierte, ist scheinbar noch am einfachsten erklärt. Schon 1965 sagte der junge Dylan – dokumentiert hat das D.A. Pennebaker 1967 in seinem Film „Don’t look back“ – der Pop-Journalistin Laurie Henshaw, angesprochen auf seinen Kleidungsstil: „I like to wear drapes. Umbrellas, hats …“ (dt. „Ich trage gerne fließende Gewänder. Regenschirme, Hüte…).
Auf die verwunderte Nachfrage, warum er auch gerne Regenschirme trage, antwortete Dylan seinerzeit bestimmt, dass in South Dakota, wo er herkomme, jeder einen Regenschirm tragen würde.
Es regnet also nicht rein in den Apostolischen Palast, was ja auch ein guter Grund gewesen wäre, den Schirm nicht abzulegen. Wollte der Hochbetagte seine Herkunft markieren? Schon seine Antwort damals war ein Witz: Dylan stammt aus Minnesota und hatte nie in South Dakota gelebt. Er ist seit jeher ein Mythomane seiner selbst.
Papst Benedikt „skeptisch“ bei Dylans Vatikan-Besuch 1997
Warum aber dieses an den Schnitter, den Sensenmann gemahnende Schwarz: Jacke, Hose und Zipper, ein schwarzer Schal mit weißen Pünktchen, zur lockeren Krawatte geknotet, und darunter nur angedeutet ein weißes Hemd?
Als Dylan 1997 in Bologna zusammen mit Adriano Celentano, Lucio Dalla, Andrea Bocelli, Michel Petrucciani und anderen Musikern vor Johannes Paul II. beim Welt-Eucharistie-Tag spielte, trug Dylan noch ein brauner Smoking und ein beiger Westernhut.
Schon dieses Zusammentreffen von „Karol und Bob“ erregte die Gemüter. Ein gewisser Joseph Ratzinger, damals der engste Mitarbeiter des Papstes, erinnerte sich 2010 als Benedikt XVI. in seinem Brevier „Johannes Paul II., mein geliebter Vorgänger“: „Ich war skeptisch und bin es in gewisser Weise noch immer, ob es wirklich richtig war, diese Art von ‚Prophet‘ auftreten zu lassen.“
Die Antwort auf Dylans Outfit „is blowin‘ in the Wind“
Papst Leo XIV. verehrt den Sänger allerdings offenkundig, erst im Sommer zitierte er dessen Antikriegsgedicht „Go Away You Bomb“ von 1963.
So wird die Netzgemeinde weiter nun rätseln müssen, was uns der Literaturnobelpreisträger der Welt mit seinem schluffigen Kapuzen-Mann-Auftritt in den heiligen Hallen von Leo XIV. mitteilen wollte. Wie meditierte Karol Wojtyla doch 1997 so schön über den Text von „Blowinʼ in the Wind“? Die Antwort wisse wirklich allein der Wind: „(…) der Wind, der Atem und Leben des Heiligen Geistes ist, der Stimme, die ruft: ‚Komm!'“
Der tiefreligiöse Bob Dylan ist gekommen – und hat einmal mehr Bilder hinterlassen, die schon deshalb groß sind, weil sie zum Nachdenken anregen.

