Der menschengemachte Klimawandel stellt früher oder später jeden vor Entscheidungen: etwa, ob man den Sommerurlaub am Mittelmeer verbringen soll oder vielleicht besser im kühlen Skandinavien. Doch beispielsweise für Landwirte kann die Frage nach der zukünftigen Klimaentwicklung und den Folgen für den eigenen Betrieb eine existenzielle sein. Um Betroffenen eine möglichst gute Grundlage für Entscheidungen im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel bereitzustellen, hat ein Forschungsverbund aus siebzehn Institutionen die Onlineplattform „ClimXtreme“ (externer Link) ins Leben gerufen, die nun mit einem Update erweitert und besser der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde.
Extremwetter: Hitze, Starkregen, Sturm – worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?
Dort finden sich – unterteilt in die Kategorien Hitze und Dürre, Starkniederschläge sowie Wind und Sturm – zahlreiche Studien sowohl zur allgemeinen Entwicklung des Klimas wie auch detaillierte Analysen zu extremen Wetterereignissen. Erstellt und zusammengetragen wurden sie von insgesamt siebzehn Institutionen, darunter die Freie Universität Berlin und der Deutsche Wetterdienst (externer Link). In die Bewertung flossen unterschiedliche Ansätze der teilnehmenden Institute ein. „Das war uns besonders wichtig“, erklärt der Sprecher der Organisation, Uwe Ulbrich von der Freien Universität Berlin. „So haben wir ein Verfahren entwickelt, um Extremwetterereignisse genau einschätzen zu können.“
Exakte langfristige Vorhersagen von extremen Wetterereignissen sind nicht möglich
Allerdings sind diesen Einschätzungen auch gewisse Grenzen gesetzt. Zwar steigt der globale Temperaturdurchschnitt kontinuierlich an. Die lokalen Auswirkungen können dagegen von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein. Hier stößt die Forschungsgemeinschaft mit ihren Prognosen immer wieder an Grenzen. Die oft geforderte Präzision nach einer exakten langfristigen Vorhersage beispielsweise eines Starkregens können die Forscher nicht liefern. So dürfe man laut Uwe Ulbricht auch nicht an das Thema herangehen: „Es muss um Wahrscheinlichkeiten gehen. Das heißt, wir können immer eine Bandbreite in Aussicht nehmen, die möglich ist.“
Extreme Hitzewelle war eindeutig dem menschengemachten Klimawandel geschuldet
Eine Glaskugel, die bestimmte Wetterereignisse zu 100 Prozent vorhersagen kann, besitzen die Klimaforscher nicht. Allerdings sind ihre Klimamodelle inzwischen sehr weit entwickelt und gut erprobt. Deshalb lassen sich viele Ereignisse klar als eine Folge des menschengemachten Klimawandels zuordnen, wie etwa der extreme Hitzesommer in diesem Jahr (externer Link). Ohne Klimawandel wäre ein derartiges Ereignis schlicht nicht möglich, erklärt die Meteorologin Miriam Wagner-Jacht vom Deutschen Wetterdienst, die an vielen der Studien beteiligt war.
Klimawandel: Hitzewellen werden extremer und häufiger
Zwar können die Forscherinnen und Forscher hier auch keine exakten Prognosen abgeben, wann es wieder eine extreme Hitzewelle geben wird. Sicher ist aber: Sie wird kommen. „Die Wahrscheinlichkeit für solche Hitzewellen nimmt auf jeden Fall zu, die Wahrscheinlichkeit, dass Hitzewellen heißer werden als früher, nimmt ebenfalls zu“, sagt Miriam Wagner-Jacht. „Das heißt jetzt nicht, dass jeden Sommer so eine Hitzewelle eintreffen wird, aber dass so etwas häufiger vorkommt und wir uns auf so etwas vorbereiten müssen, das ist ganz klar gegeben.“
Nicht alle Extremwetterereignisse hängen eindeutig mit dem Klimawandel zusammen
So eindeutig wie in diesem Fall können andere Extremwetterereignisse nicht dem Klimawandel zugeschrieben werden. So konnten die Forscher beispielsweise bei dem sogenannten Weihnachtshochwasser im Winter 2023/2024 (externer Link), bei dem es nach starken Regenfällen in weiten Teilen Norddeutschlands zu Überschwemmungen gekommen ist, keinen eindeutigen Zusammenhang mit der menschengemachten Erderwärmung nachweisen. Auch berichtet die Plattform nicht nur über Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit dem Klimawandel, sondern auch über Effekte, die viele sogar als positiv bewerten würden. So nimmt etwa die Wahrscheinlichkeit für starke und langanhaltende Schneefälle in Norddeutschland stark ab.
Infoportal „ClimXtreme“ vermittelt Experten für Fragen zu Folgen des Klimawandels
Auch wenn die Klimaforscher nicht immer eindeutige Antworten liefern können – mit dem jüngsten Update ihrer Plattform, „ClimXtreme II“, bietet der Wissenschaftsverbund eine kosten- und werbefreie, umfangreiche Übersicht zu Fragen rund um die Folgen des Klimawandels. Zudem möchte sie Experten als Ansprechpartner für Betroffene vermitteln. So könnte sich hier etwa ein Skiliftbetreiber eine Einschätzung einholen, ob in seiner Region in Zukunft noch genügend Schneefall zu erwarten ist.

