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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Wirtschaftskrise: Jobverluste treffen vor allem kleine Betriebe
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Wirtschaftskrise: Jobverluste treffen vor allem kleine Betriebe

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 28. Juli 2025 18:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Gefühlt vergeht derzeit kaum eine Woche, in der nicht irgendein großes Unternehmen ankündigt, Stellen zu streichen. Mit Verweis auf die Krise und damit verbundene Auftragseinbrüche sollen mal bei Siemens Jobs abgebaut werden, dann bei einem der vielen Autozulieferer: Bosch, Schaeffler oder ZF. Ein Blick in die Statistik zeigt aber: Der eigentliche Stellenabbau findet in der aktuellen Krise bislang nicht bei den großen Playern statt – sondern bei den kleinen Betrieben.

Inhaltsübersicht
Mehr Beschäftigte trotz Krise – aber Jobverluste bei KleinbetriebenEntlassungen „immer der letzte Schritt“Unternehmensgründungen im Industriebereich auf historischem Tiefststand

Mehr Beschäftigte trotz Krise – aber Jobverluste bei Kleinbetrieben

Auch wenn die angekündigten Jobabbau-Programme großer Konzerne ein anderes Bild zeichnen, laut Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ist die Beschäftigtenzahl in Deutschland in den vergangenen beiden Jahren trotzdem gewachsen – um mehr als 300.000. Diese Entwicklung gilt aber nicht für alle Betriebe. „Die Kleinen haben verloren, also die Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern“, so Weber. Diese hätten im selben Zeitraum 140.000 Jobs verloren.

„Da werden die Verluste der Kleinen im Moment noch überkompensiert“, sagt der Arbeitsmarktexperte. Mit Blick auf die Industrie stellt Weber in der Gesamtbranche „deutliche Jobverluste“ fest. Doch auch hier macht die Betriebsgröße offenbar einen Unterschied: Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten hätten in den vergangenen beiden Jahren immer noch 20.000 Jobs aufgebaut, sagt Weber.

Entlassungen „immer der letzte Schritt“

Auch wenn die allermeisten Unternehmen hierzulande dem Mittelstand angehören und dieser das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet: Die Stellenabbau-Programme der Konzerne stellen aktuell die vielleicht gravierenderen Probleme kleinerer Betriebe ein Stück in den Schatten. „Selbst wenn viele kleine Unternehmen Mitarbeiter reduzieren müssen, ist der Aufschrei nie so groß, wie wenn ein Großer dementsprechend eine große Zahl Mitarbeiter entlassen muss“, sagt zum Beispiel Max Löhr.

Er ist der Geschäftsführer des Präzisonsfederherstellers Löhr in Schwabach, ein Familienbetrieb mit aktuell 25 Beschäftigten. Vor ein paar Jahren waren es noch über 40. Die Krise spürt das Unternehmen – wie viele andere kleine Betriebe – schon länger. Frei werdende Stellen hat Max Löhr in seinem Betrieb nicht nachbesetzt – und er musste auch betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. „Wir kennen die Familien, wir kennen die Schicksale. Und es ist existentiell für uns. Wir machen das wirklich nur als letzten Schritt“, sagt Löhr.

Er hofft, dass die Politik endlich die richtigen Entscheidungen trifft, sodass die Wirtschaft wieder in die Spur kommt. Außerdem versucht der Chef des Schwabacher Industriefederherstellers, seinen Betrieb neu auszurichten. Dabei dürfe man keine Branche außen vor lassen, sagt er. Auch die Rüstungsindustrie sei interessant, meint Löhr. Nicht ideologisch – aber das sei aktuell der einzige Bereich, in dem richtig investiert werde.

Unternehmensgründungen im Industriebereich auf historischem Tiefststand

Eine Trendwende sieht Arbeitsmarktexperte Enzo Weber aktuell nicht. Vor allem nicht bei kleineren Unternehmen. Während die Zahl der offenen Stellen bei größeren Unternehmen konstant geblieben sei, ist sie laut Weber bei kleineren Betrieben im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. „Die Schwierigkeiten bei den Kleinen werden sich wohl auch noch fortsetzen“, schlussfolgert der Arbeitsmarktexperte. Dazu kommt: Gerade im Industriebereich liegt die Zahl der Unternehmensgründungen „auf dem niedrigsten Wert, den wir jemals gesehen haben“. So sei das Problem aktuell weniger, dass bei großen Betrieben etwas wegbreche, sondern dass bei den kleinen zu wenig nachkomme.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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