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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Neues Lehrjahr – Handwerk wird in Bayern beliebter
Wirtschaft

Neues Lehrjahr – Handwerk wird in Bayern beliebter

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. August 2025 17:50
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Bayerns Unternehmen brauchen mehr Auszubildende. Jeder zweite Betrieb gab in einer Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) an, dass Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind. Fast 42.000 Jugendliche im Freistaat beginnen Anfang September eine Ausbildung in Industrie, Handel und im Dienstleistungsbereich – das entspricht einem Minus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Inhaltsübersicht
Handwerk verzeichnet mehr AzubisJugendlichen fehlen manche Soft SkillsBesonders angespannt ist die Lage in NiederbayernFehlender Abiturjahrgang wirkt sich unterschiedlich ausSchreinereien in Oberbayern müssen Bewerber abweisenViele Metzger-Azubis aus VietnamLehrlinge können auch weiterhin einsteigen

Handwerk verzeichnet mehr Azubis

Deutlich besser fällt die Entwicklung im Handwerk aus. Hier starten 22.100 junge Menschen in Bayern neu ins Berufsleben – 3,2 Prozent mehr, als noch vor einem Jahr. „Wir freuen uns, dass sich wieder viele junge Leute für eine Ausbildung entschieden haben, die krisenfest und kreativ, anspruchsvoll und abwechslungsreich ist“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). Aber auch die Handwerksbetriebe melden noch viele offene Stellen. Laut der Bundesagentur für Arbeit sind es aktuell mehr als 7.900.

Jugendlichen fehlen manche Soft Skills

Dass so viele Lehrstellen nicht besetzt werden können, liegt laut den Betrieben daran, dass sie entweder keine geeigneten oder gar keine Bewerbungen bekommen. Mangelhafte Voraussetzungen für eine Lehre bei den Bewerberinnen und Bewerbern registrieren laut BIHK 84 Prozent der Unternehmen: beklagt wird dabei unter anderem zu geringe Belastbarkeit, Disziplin und Leistungsbereitschaft. Was nicht heißt, dass die Jugendlichen gar nichts mitbringen. Die Firmen bescheinigen den Bewerbern auf der anderen Seite gute Englischkenntnisse, Teamfähigkeit sowie IT- und Medienkompetenz.

Besonders angespannt ist die Lage in Niederbayern

Die Ausbildungs-Situation entwickelt sich im Freistaat nicht einheitlich. Während manche Regionen noch einigermaßen leicht Azubis finden, sieht es beispielsweise in Niederbayern im gewerblichen Bereich deutlich schlechter aus. 3.581 junge Menschen beginnen dort jetzt eine Berufsausbildung. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Minus von elf Prozent. Die niederbayerische Wirtschaft würden diese Werte vor erhebliche Probleme stellen, betont Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern. Als einen wichtigen Grund für den Abwärtstrend in der Ausbildung nennt Schreiner die demografische Entwicklung.

Fehlender Abiturjahrgang wirkt sich unterschiedlich aus

In diesem Jahr gab es wegen der Umstellung von G8 auf G9 keinen Abiturjahrgang. Dass keine jungen Leute von den Gymnasien abgegangen sind, drückt zwar auf die Ausbildungsstatistik, allerdings weniger stark als befürchtet. Bei den IHKs war die Zahl der Bewerbungen von Abiturienten insgesamt nur leicht rückläufig. Allerdings gibt es auch hier regionale Unterschiede. In Niederbayern sieht die IHK den weggefallenen Abiturjahrgang als wesentlichen Grund für die Lehrlings-Lücke.

Schreinereien in Oberbayern müssen Bewerber abweisen

In manchen Berufen ist der Mangel an Azubis besonders auffällig: so sucht das Handwerk wieder Nachwuchs in den Bäckereien und Metzgereien. Andere Branchen können sich dagegen über ausreichend Bewerberinnen und Bewerber freuen. Zu den Top-IHK-Ausbildungsberufen im Freistaat zählen Einzelhandels-Kaufleute, Fachinformatiker und Industriekaufleute. Im Handwerk sind Lehrstellen als Mechatroniker und Anlagenmechaniker gefragt. Mehr Bewerber als Lehrstellen gibt es nur in einem Handwerks-Beruf: Schreiner – und zwar in Oberbayern. Hier müssen Interessenten jetzt manchmal sogar ein Jahr warten, um eine Ausbildung starten zu können.

Viele Metzger-Azubis aus Vietnam

Die Lehrlingsstatistik würde deutlich schlechter aussehen, kämen nicht so viele Bewerbungen von zugewanderten Jugendlichen. So hat etwa im Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbereich in Bayern jeder sechste Lehrling einen ausländischen Pass. Die größte Gruppe neuer Azubis mit ausländischem Pass sind junge Menschen aus Vietnam. Dahinter folgen in der Statistik Ukrainer und Marokkaner. Bei allen drei Gruppen steht der Bereich Hotellerie und Gastronomie hoch im Kurs. In bayerischen Metzgereien wurde zuletzt viel Nachwuchs aus Vietnam angeworben.

Lehrlinge können auch weiterhin einsteigen

Bewerber, die noch auf der Suche sind, haben nach wie vor gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Laut aktueller Statistik der Arbeitsagentur sind noch rund 27.500 Lehrstellen in Bayern unbesetzt. Diesem Angebot stehen etwa 9.500 unversorgte Jugendliche gegenüber. Die Betriebe nehmen auch nach dem Beginn des Lehrjahres am 1. September noch Azubis auf.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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