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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Bye Bye Body Positivity? So steht es 2026 um Körperbilder
Kultur

Bye Bye Body Positivity? So steht es 2026 um Körperbilder

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 2. März 2026 17:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Wir erleben aktuell bei Frauen einen großen Trend zurück zum jungen, dünnen, weißen Normkörper“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner. Bei Männern seien wieder durchtrainierte und große Typen gefragt.

Inhaltsübersicht
Stärkere Zurückhaltung bei Buchungen von Plus-Size ModelsNeue Modekollektionen zeigen 2026 vor allem schlanke KörperHöhepunkt der Body-Positivity-Bewegung war in den 2010er JahrenKulturwissenschaftlerin macht Rechtsruck mitverantwortlichAbnehmmedikamente verstärken Druck auf fülligere PersonenMedizinerin: „Vernünftiges Maß an Fettgewebe wünschenswert“

„Wir sehen sehr viel weniger Diversität und Repräsentation unterschiedlicher, vor allem auch hochgewichtiger Körper in Serien, in Filmen und in der Popmusik zum Beispiel“, so Kulturwissenschaftlerin Lechner, die zu Körperbildern und Body Positivity an der Universität Wien forscht. Plus-Size-Models würden von den Laufstegen mittlerweile wieder verschwinden.

Stärkere Zurückhaltung bei Buchungen von Plus-Size Models

Das kann auch Doreen Leifheit bestätigen, Inhaberin der Münchner Agentur „Most Wanted Models“, die auf ihrer Homepage in der Rubrik „Curves“ auch Models jenseits schlanker Schönheitsideale listet. Bei Frauen ist damit nach den Standards ihrer Kunden eine Konfektionsgröße von mindestens 44, bei Männern ab Größe 56 gemeint. „Im High-Fashion-Bereich gibt es bei den Plus-Size-Models momentan schon eine stärkere Zurückhaltung. Die sieht man da wirklich viel weniger“, erzählt Leifheit. Im kommerziellen Segment für die Bereiche Werbung, E-Commerce und Social-Media seien Plus-Size-Models aber nach wie vor präsent.

Neue Modekollektionen zeigen 2026 vor allem schlanke Körper

Welche Figurtypen auf den Catwalks dieser Welt repräsentiert werden und welche nicht, das untersucht der „Size Inclusivity Report“ der Modezeitschrift „Vogue“ (externer Link). In der Frühjahrs- und Sommerkollektion 2026 entsprechen von mehr als 9.000 Looks nur 0,9 Prozent der Kategorie Plus-Size – die überwiegende Mehrheit entfällt mit 97,1 Prozent auf „Straight Size“, womit in Deutschland höchstens die Größe 36 gemeint ist.

Höhepunkt der Body-Positivity-Bewegung war in den 2010er Jahren

Für Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner ist klar: „Der Höhepunkt der Body-Positivity-Bewegung war in den 2010er Jahren. Jetzt schwingt das Pendel zurück. Wir sehen, dass dicke Körper quasi wieder unsichtbar sind.“ Elisabeth Lechner sieht für diese Entwicklung drei Gründe:

Zum einen habe das mit der Verbreitung von Social-Media-Filtern und Anwendungen künstlicher Intelligenz zu tun, denen ein sehr normatives Bild von Körperlichkeit zugrunde liege, das nun reproduziert werde.

Kulturwissenschaftlerin macht Rechtsruck mitverantwortlich

Der zweite Grund habe mit dem Erfolg rechtspopulistischer und rechtsradikaler Parteien auf der ganzen Welt zu tun, erklärt Lechner: „Bei denen wird die Vorstellung vom schönen Frauenkörper zu einem Schauplatz vom einzig richtigen Frauenleben.“ Dabei gehe es um traditionelle Geschlechterrollen, Zweigeschlechtlichkeit und ein Auftreten, das sich am schlanken Schönheitsideal orientiere.

Abnehmmedikamente verstärken Druck auf fülligere Personen

Hinzu komme die starke Nachfrage nach Abnehmmedikamenten mit Markennamen wie „Ozempic“ oder „Wegovy“. Diese würden dazu beitragen, dicke Körper unsichtbar zu machen und sie möglicherweise sogar zu beschämen. Durch die leichte Verfügbarkeit solcher Medikamente steige der Druck auf alle Personen, die nicht dem schlanken Idealkörper entsprechen, nun endlich abzunehmen.

Ernährungsmedizinerin Prof. Simone Kreth von der LMU München warnt vor der leichtfertigen Anwendung dieser Medikamente: „Ich habe schon Jugendliche erlebt, die von irgendeinem Arzt eine Abnehmspritze verschrieben bekommen haben, weil sie mit 16 Jahren dazu neigten, etwas pummelig zu werden. Da muss ich sagen, das ist der falsche Weg.“ Denn in dem Alter könne man sein Verhalten noch deutlich leichter ändern, zum Beispiel durch eine gesündere Ernährung oder mehr Bewegung.

Medizinerin: „Vernünftiges Maß an Fettgewebe wünschenswert“

Dass Abnehmmedikamente einen Schlankheitswahn verstärken, glaubt Prof. Simone Kreth nicht. Sie sieht extrem dünne Models wie Kate Moss genauso kritisch wie jene mit Übergewicht: „Das ist genauso unsinnig.“ Sie wolle auch kein Übergewicht als Schönheitsideal propagieren. Stattdessen sei ein gesunder Körper mit einem vernünftigen Maß an Fettgewebe und mit einer Körperverteilung wünschenswert, die in keine der beiden Richtungen extrem sei.

Auch Doreen Leifheit von der Münchner Modelagentur „Most Wanted Models“ glaubt nicht, dass Medikamente ihre Branche verändern. „Aber sie verändern natürlich die gesellschaftliche Stimmung auf eine Art und Weise.“ Body Positivity werde trotzdem bleiben, „weil die Entwicklung schon zu weit fortgeschritten ist“. Diversität gebe es nicht nur bei Körperformen, sondern auch bei Ethnien und beim Alter.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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