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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > DDR-Fluchtgeschichte: „Spaziergang nach Syrakus“ kommt ins Kino
Kultur

DDR-Fluchtgeschichte: „Spaziergang nach Syrakus“ kommt ins Kino

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 18. August 2026 08:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Ein eigenwilliger Typ ist das, dieser Paul Gompitz. Nickelbrille, Rauschebart, ein Intellektueller, dem das Studium jedoch verwehrt blieb. Paul arbeitet als Kellner, ist privat ein Bücherwurm, Hobbyphilosoph und Romantiker.

Inhaltsübersicht
Von der DDR nach SizilienAuch Hauptdarsteller Hübner kommt aus der DDREin filmischer Glücksfall

Von der DDR nach Sizilien

Sein Idol ist der Schriftsteller Johann Gottfried Seume, der 1801 zu Fuß von Sachsen bis Sizilien wanderte. Und genau das hat Gompitz auch vor. Das Problem ist nur: Er wohnt 1982 in der DDR. Italienreisen sind staatlich nicht vorgesehen, Sturköpfe wie er ebenso wenig.

„Der Spaziergang nach Syrakus“ ist ein verfilmter Schelmenroman, in dem der Held Jahre seines Lebens in das Ausklügeln von Fluchtplänen steckt – inklusive gerissener Westmark-Beschaffung und autodidaktischem Segelkurs. All das findet hinter dem Rücken der Ehefrau statt, die er zwar aufrichtig liebt, aber auch schützen muss.

Dass es in der DDR überhaupt solche „Querköpfe“ gab, hätten manche im Westen vielleicht gar nicht vermutet. Charly Hübner aber, der 1972 in Neustrelitz geboren wurde, kennt Typen wie diesen Paul Gompitz noch aus seiner eigenen Kindheit und Jugend, sagt er.

Auch Hauptdarsteller Hübner kommt aus der DDR

Der Liedermacher Wolff Biermann sei für ihn so jemand gewesen, erzählt er im Interview. Oder auch die Punks, die es in der DDR durchaus gab. Menschen, die im System gegen das System arbeiteten. „Das hab ich ja als Teenager aufgesogen wie sonst was. Mich hat diese Position interessiert, dass man bleibt und dagegen ist.“ Letztlich, davon ist Hübner überzeugt, hat dieser Geist, den auch Paul Gompitz in sich trägt, den Boden für die friedliche Revolution bereitet.

Nun ist Pauls Flucht schon eine Herausforderung – die geplante Wiederkehr aber eine noch viel größere. Das macht die Geschichte so kurios. Er will ja dringend zu seiner Frau zurück, die von Charly Hübners tatsächlicher Frau, Lina Beckmann, gespielt wird. Wunderbar lakonische Dialoge gibt es zwischen den beiden. Als Paar funktionieren sie gut, im Leben wie auf der Leinwand.

Regisseur Lars Jessen bringt als Schleswig-Holsteiner zwar keine Ost-Biographie mit, dafür genügend Offenheit und Fingerspitzengefühl bei der Inszenierung des Alltags in der DDR. Zur Wahrheit gehört für ihn, dass man auch dort gut leben konnte, sagt er im Interview. Dass Menschen in der DDR eine Heimat fanden, dem Unrechtsstaat zum Trotz. „Und davon zu erzählen, mit all der Poesie, die das auch hat, das ist mein Ziel mit diesem Film.“

Ein filmischer Glücksfall

Charly Hübner findet den Stoff gerade jetzt auch wieder politisch aktuell – angesichts der Renaissance autokratischer Systeme in vielen Regionen der Welt. Er selbst war 17, als die Mauer fiel, musste also nicht mehr zur Volksarmee, sondern durfte gleich Italien und den Rest der Welt für sich entdecken. „Ich bin als Wesen so gepolt, dass ich immer losziehen will“, sagt er.

Paul Gompitz ist insofern die perfekte Rolle für Charly Hübner, der das Fernweh so gut nachempfinden kann und die ruhig konzentrierte Beharrlichkeit dieses tragikomischen Helden so überzeugend verkörpert. Wenn Paul zum ersten Mal im Leben echten Parmesan kosten darf, muss man ein Taschentuch bereit halten, so rührend ist die Szene. Der „Spaziergang nach Syrakus“ ist ein Kino-Glücksfall.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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