„Ich weiß noch, wie die Amerikaner bei uns in der Straße in Geiselgasteig vorbeifuhren und uns Kindern Bonbons von den Panzern runtergeworfen haben“, erinnert sich Marianne Koch. Wer nach dem Krieg in diesem Münchner Stadtteil aufwuchs, der kam wohl zwangsläufig mit dem Filmgeschäft in Berührung, schließlich befanden sich dort die großen Studios der Bavaria. Die ganz junge Marianne Koch jobbte dort als Hilfskraft im Kopierwerk, während sie Medizin studierte. Vor die Kamera zog es sie nach eigenen Worten damals nicht, und trotzdem war sie 20 Jahre ein Leinwand-Star.
Drehs mit Hollywood-Stars wie Gregory Peck, mit großen amerikanischen, italienischen und deutschen Regisseuren – und das, wo sich Marianne Koch nie als Schauspielerin verstand. Ihre diesbezügliche Tiefenentspannung sei wohl der Grund gewesen, warum sie studierte Kolleginnen bei Probeaufnahmen ausstach: „Ich habe mir das damals wie heute nur so erklären können, dass ich eben diese totale Gelassenheit hatte. Heute würde man sagen, ich war cool, ich hatte ja einen Beruf, das war alles nur ganz lustig, hat mich ein bisschen neugierig gemacht, natürlich, klar.“
„Habe die halbe Welt gesehen“
Für ihre Rolle in der Carl-Zuckmayer-Verfilmung „Des Teufels General“ an der Seite von Weltstar Curd Jürgens bekam sie 1955 das Filmband in Silber als beste Nebendarstellerin: „Ich habe immer das Glück gehabt, mit Regisseuren zu arbeiten, meistens jedenfalls, die gar nicht so großen Wert auf schauspielerisches Handwerk gelegt haben, sondern die, was ja beim Film sehr häufig ist, einfach darauf geschaut haben, dass man gut fotografiert wird und dass ich mir so aus mir heraus vorstellen konnte: Was empfindet die jeweilige Person in dem Moment?“
Rückblickend verklärt Marianne Koch, die am 19. August ihren 95. Geburtstag feiert, ihre Filmkarriere in keiner Weise – ganz im Gegenteil, die Bekanntheit sei ihr eher lästig gewesen, die Drehs waren anstrengend: „Was wirklich toll war, war, dass ich zu einem Zeitpunkt, als man noch nicht so locker verreisen konnte, die halbe Welt gesehen habe.“
„Aus meinem Impuls heraus gespielt“
Als „tropentauglich“ habe sie im Filmgeschäft gegolten, so Marianne Koch, und habe deshalb von Südafrika über Hongkong bis Bangkok viel im Ausland gearbeitet, wo eine gewisse Unerschrockenheit gefragt gewesen sei: „Ich habe, glaube ich, schon ein gewisses Talent, mich in Menschen, ob echte oder fiktive, hineinzuversetzen und habe halt so aus meinem Impuls heraus gespielt und mit guten Regisseuren.“
Nach großen Erfolgen, etwa mit dem Italo-Western „Für eine Handvoll Dollar“ an der Seite von Clint Eastwood, beendete Marianne Koch Anfang der 1970er Jahre ihre Filmkarriere: „Es war einfach ein totaler Umbruch in meinem gesamten Leben – die Ehe kaputt, mit Filmen und so weiter habe ich mich eigentlich nicht mehr identifizieren können und wollen. Ich wollte unbedingt zurück zur Medizin. Sicher haben die Kollegen an der Universität, die ja alle fast 20 Jahre jünger waren, gesagt: Was will die Alte hier? Ja, natürlich, aber das ging dann eigentlich sehr gut.“
„Ich habe nichts gegen mein Alter“
Sie wurde Talkshow-Gastgeberin und blieb der TV-Rateshow „Was bin ich?“ lange Zeit treu, wurde ab 2000 jedoch vor allem als Expertin in der BR-Radiosendung „Notizbuch – Gesundheitsgespräch“ populär, die sie 25 Jahre lang moderierte: „Diese Art von Kommunikation zwischen Arzt und Patient, die halte ich trotz aller Digitalisierung nach wie vor für ganz wichtig. Warum? Weil sich herausgestellt hat, und dafür gibt es auch wissenschaftliche Beweise, dass Patienten, die mitdenken können mit ihrer Krankheit und mit dem, was mit ihrer Krankheit geschieht und wie die Medikamente wirken, weil die eine größere Chance haben, dass sie wieder gesund werden, beziehungsweise dass das, was man ihnen vorschlägt, auch wirkt.“
Auch die hochbetagte Marianne Koch hadert nicht mit ihrem Alter – neben ihrer bemerkenswerten lebenslangen Gelassenheit vermutlich auch einer der Gründe für ihre beneidenswerte Vitalität: „Ich habe nichts gegen mein Alter. Ich habe auch nichts dagegen, wenn man mich auf mein Alter anspricht, wobei ich sagen muss, ich habe schon ziemliches Glück, dass ich in diesem Alter sehen, hören und arbeiten kann.“

