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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Entdecker falscher Hitler-Tagebücher Gerd Heidemann gestorben
Kultur

Entdecker falscher Hitler-Tagebücher Gerd Heidemann gestorben

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 11. Dezember 2024 14:49
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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„Stern“-Reporter Gerd Heidemann galt als gewissenhafter Rechercheur, doch heute ist sein Name vor allem verbunden mit einem der größten Medienskandale Deutschlands. Nachdem sich die „Hitler-Tagebücher“ 1983 als Fälschung herausstellten, schied er bei dem Hamburger Magazin aus.

Inhaltsübersicht
„Hitler-Tagebücher“ als historische Sensation angekündigtNamhafte Professoren waren skeptischHeidemann fiel auf Fälscher hereinImmer wieder Filmstoff

Nun ist Heidemann im Alter von 93 Jahren in einem Krankenhaus in Hamburg gestorben, wie seine Lebensgefährtin der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte. Auch der „Stern“ bestätigte den Tod Heidemanns unter Berufung auf Familienangehörige. Zuerst hatte das Onlinemagazin „t-online“ berichtet.

„Hitler-Tagebücher“ als historische Sensation angekündigt

Das Hamburger Magazin „Stern“ hatte die „Hitler-Tagebücher“ 1983 als historische Sensation angekündigt. Am 22. April 1983 war der „Stern“ mit der Mitteilung an die Öffentlichkeit getreten, er habe insgesamt etwa 60 geheime Tagebücher Adolf Hitlers aus der Zeit vom 22. Juni 1932 bis Mitte April 1945 entdeckt. 

Drei Tage später präsentierte die Chefredaktion die vermeintlichen Tagebücher, aufgespürt von Reporter Gerd Heidemann. Nun müsse „die Biografie des Diktators und mit ihr die Geschichte des NS-Staates in großen Teilen neu geschrieben werden“, hieß es. 

Namhafte Professoren waren skeptisch

Heidemann gab an, die „Dokumente“ seien an Bord einer „Ju 352“-Propellermaschine gewesen, die in den letzten Kriegstagen geheimes Material aus dem Führerbunker in Berlin ausfliegen sollte und südlich von Dresden abgestürzt sei. 

Die ersten wörtlichen Auszüge aus den angeblichen Tagebüchern formulierten eine teilweise abschätzige Kritik Hitlers an seinen engsten Mitarbeitern im Führungsstab. Den Eintragungen nach waren Hitler auch die Willkürakte gegen Juden zu weit gegangen. Außerdem zeigten sie das Bild eines „menschlichen“ Hitlers, der sich unter anderem um die Gesundheit seiner Geliebten Eva Braun sorgte.

Namhafte deutsche Professoren wie Werner Maser, Karl Dietrich Bracher, Martin Broszat und Eberhard Jäckel waren skeptisch und bezweifelten die Echtheit der Notizen. Am 6. Mai 1983 gab das Bundesarchiv in Koblenz bekannt: „Diesen Unterlagen kann keine Authentizität zugesprochen werden“. 

Heidemann fiel auf Fälscher herein

Heidemann war auf den Fälscher Konrad Kujau hereingefallen. Der Verlag Gruner + Jahr hatte 9,3 Millionen Mark (knapp 4,8 Millionen Euro) in bar für die vermeintliche Sensation ausgegeben. Kujau kassierte viereinhalb Jahre Haft für den Riesenschwindel, von denen er drei absaß. Mitte September 2000 starb er schließlich. 

Auch Heidemann wurde verurteilt, zu vier Jahren und acht Monaten, weil ihm das Gericht nicht glaubte, dass er die Millionen komplett an Kujau weitergereicht hatte. Noch Jahrzehnte später betonte er, kein Geld unterschlagen zu haben. 

Immer wieder Filmstoff

1992 wurde der Skandal unter dem Titel „Schtonk“ von Helmut Dietl verfilmt. 2019 veröffentlichte der „Stern“ den Podcast „Faking Hitler“, der die Geschichte aus Sicht des reingelegten Heidemann und des Kunstfälschers Kujau anhand von Original-Mitschnitten von Telefonaten der beiden erzählt. Eine gleichnamige RTL+-Serie bereitete 2021 ebenfalls den Weg bis zur Veröffentlichung der Tagebücher auf – augenzwinkernd, unterhaltsam und mit fiktiven Elementen. Heidemann wurde darin von Lars Eidinger gespielt. 

2023, 40 Jahre nach dem Skandal, wurden 52 Kladden an das Bundesarchiv übergeben. Sie sollten nach einer archivarischen Bestandsaufnahme digitalisiert und in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden. Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann sagte einer Mitteilung zufolge, die gefälschten Tagebücher hätten in den 1980er Jahren das Potenzial besessen, die brutalen Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen. „Es ist gut, dass die Zeugnisse dieses schwierigen Kapitels bundesrepublikanischer Nachkriegsgeschichte nun im Bundesarchiv gesichert und im Kontext der authentischen Quellen als Fälschungen kenntlich gemacht werden können.“

Mit Informationen von dpa

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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