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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Für euch würde ich kämpfen“: Ein Mann bricht mit dem Pazifismus
Kultur

„Für euch würde ich kämpfen“: Ein Mann bricht mit dem Pazifismus

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 27. Oktober 2025 12:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Ich schreibe das für die Veteranen, die ich kennengelernt habe“, sagt Artur Weigandt – „für die Soldaten, für die Menschen, die auch von Deutschland aus in die Ukraine reisen, um dort Dinge zu tun. Aber auch für die Menschen, die es nicht verstehen, was es eigentlich bedeutet, in einem Kriegszustand zu sein.“

Inhaltsübersicht
Weigandt: „Ich habe immer eine Heidenangst“Auch im Buch: Ein Schweinfurter, der Hilfstransporte organisiertWeigandt half, ukrainische Soldaten auszubilden„Was tust du – wenn du weißt, dass Unrecht geschieht?“

Weigandt: „Ich habe immer eine Heidenangst“

Artur Weigandt ist alle drei Monate dort, wo Krieg herrscht, wo Raketen einschlagen, Bomben fallen, Drohnen fliegen: in Lwiw, in Kiew oder ganz in der Nähe der Front. „Und ich habe immer eine Heidenangst“, sagt er im BR24-Interview. „Es passiert etwas mit dir, wenn du dahin gehst. Du veränderst dich. Du siehst Waffen, die töten können.“

Das Buch, das Weigandt geschrieben hat, ist trotz seines Flecktarn-Covers alles andere als kriegsverherrlichend. Es beschönigt nichts. Es beschreibt detailliert, wie das ist: in einem Land zu leben, das seit Jahren von Großangriffen überrollt wird. „Das letzte Mal, das mich sehr verstört hat: Als die Drohnen nach Polen ‚rübergeflogen kamen. Da war ich gerade in Lwiw in der Westukraine, um an der Universität ’storytelling‘ zu unterrichten. In der Nacht ging plötzlich der Raketen-Alarm los. Und ich war in der Innenstadt von Lwiw und ich habe dieses Summen der Shahed-Drohnen gehört, das ich eigentlich nur von Mykolajiw kannte, also von relativ frontnahen Städten.“

Auch im Buch: Ein Schweinfurter, der Hilfstransporte organisiert

Niemanden wird dieses Buch, das im wahrsten Sinne des Wortes eine Kampfschrift ist, unberührt lassen. Artur Weigandt porträtiert darin Menschen wie Werner Pfeuffer, einen 65-jährigen Fliesenleger aus Schweinfurt, der der Ukraine beisteht mit Medikamenten und Lebensmitteln. „Wirklich, ein Rentner“, erzählt Weigandt, „der seit Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine war und seine gesamte Rente, seine Ersparnisse in Hilfslieferungen für Waisenhäuser, für Krankenhäuser gesteckt hat. Und der immer wieder, obwohl er auch ein schwaches, krankes Herz hat, sich eingesetzt hat, weil er aus einer bestimmten Verantwortung gehandelt hat.“

Weigandt half, ukrainische Soldaten auszubilden

„Für euch würde ich kämpfen“ ist ein eindrückliches Dokument. Alles fing damit an, dass der 1994 in Kasachstan geborene und in Deutschland aufgewachsene Artur Weigandt aufgrund seines russlanddeutsch-ukrainisch-belarussischen Familienhintergrunds auf deutschen Militärstützpunkten arbeitete.

Als sogenannter „Sprachmittler“ half er, der ein Pazifist war bis zu Beginn der Großinvasion 2022, bei der Unterweisung ukrainischer Soldaten an deutschen Leopard I-Panzern. Heute sagt er: „Was Putin – oder sagen wir’s mal so: Was das russische Narrativ am meisten fürchtet, ist Stärke und eine starke Demokratie und eine Verteidigungsfähigkeit. Wer schwach ist, fällt sehr schnell aus russischer Perspektive.“

Artur Weigandt, der als links sozialisierter Jugendlicher überzeugt war, dass Gewalt nur neue Gewalt gebiert, plädiert deshalb jetzt für Wehrhaftigkeit. Wir leben, so schreibt er mit unverhohlenem Bedauern, in einem „Land, das lieber an Diskurse glaubt als an Verteidigung“. Das mit „schweren Worten“ um sich werfe und in seinen Debatten nur den Verlust von Likes riskiere, nie aber den eines Beins.

„Was tust du – wenn du weißt, dass Unrecht geschieht?“

Es ist keine Zeit mehr für „moralische Planspiele“ und das Relativieren von Gefahren, findet Weigandt. Zu den stärksten Momenten dieser literarischen Reportage zählt das Gespräch mit seinen Eltern darüber, ob er im Zweifelsfall selbst kämpfen würde.

„Ich glaube, man müsste da ein offenes Ohr für Leute haben, die aus einer postsowjetischen Perspektive kommen“, sagt Weigandt – „weil wir es antizipieren können aus unserer eigenen Herkunftsgeschichte, dass Russland nicht unbedingt Spaß macht. Wenn der Westen gespalten ist und hier in Deutschland Leute nicht bereit sind für diese Sache, die passieren könnte, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Angriff auch stattfindet. Ich weiß, es klingt etwas martialisch, aber leider ist die Realität so: Entweder wir sind vorbereitet für so einen Fall – oder wir sind es nicht.“

Artur Weigandt: „Für euch würde ich kämpfen. Mein Bruch mit dem Pazifismus“. Verlag C.H. Beck, 18 Euro.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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