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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Georg-Büchner-Preis 2025 geht an Ursula Krechel
Kultur

Georg-Büchner-Preis 2025 geht an Ursula Krechel

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 15. Juli 2025 10:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Die Schriftstellerin Ursula Krechel ist Georg-Büchner-Preisträgerin 2025. Sie setze mit ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und den „Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur“ entgegen, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt die Wahl.

Inhaltsübersicht
Grundlegendes Thema: Geschichte des 20. JahrhundertsChronistin der „wirklichen Katastrophe“Exil als LebensthemaSorge um Demokratie und Rechtsstaat

Grundlegendes Thema: Geschichte des 20. Jahrhunderts

Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ist ein grundlegendes Thema im Werk von Krechel. Im Zentrum stehen drei große Romane, über jüdische Geflüchtete („Schanghai fern von wo“), über den Versuch der Heimkehr in ein Land voller Nazis („Landgericht“) und schließlich über Schicksale der Sinti und Roma im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit („Geisterbahn“). Die Literatur widmet sich den Lebensgeschichten von Menschen, die in Vergessenheit zu geraten drohten.

Chronistin der „wirklichen Katastrophe“

Manche der in den Romanen von Ursula Krechel geschilderten Episoden sind voller Unerbittlichkeit, schonungslos. Die Angehörigen der Trierer Schausteller-Familie Dorn in „Geisterbahn“ etwa erleben die schrittweise Entrechtung und Verfolgung – und Leserinnen und Leser mit ihnen. Die älteste Tochter Kathi wird auf Befehl der NS-Behörden zwangssterilisiert, ihre Verwandten werden nach Majdanek und nach Buchenwald deportiert, einige ermordet. Die Lektüre dieser und anderer Passagen erzeugt großen Schmerz. Anders geht es gar nicht.

In der eigenen Kindheit, so berichtet Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier und seit vielen Jahren in Berlin lebend, wurde sie vor allem mit Hungersnot und Trümmern konfrontiert. Wenn sie die berühmte Frage stellte, wie es früher gewesen sei, habe indes niemand von der „wirklichen Katastrophe“ gesprochen – von der Verfolgung und Ermordung so vieler Menschen durch die Deutschen. „Je älter ich wurde, umso mehr war ich darüber entsetzt.“ Ihr Schreiben ist immer auch eine entschiedene Reaktion auf dieses so weit verbreitete Schweigen.

Exil als Lebensthema

Das jüngste Buch der Georg-Büchner-Preisträgerin – der gerade erschienene Essay „Vom Herzasthma des Exils“ – beschäftigt sich einmal mehr mit den Erfahrungen von Verfolgung, Flucht und Exil, in der Vergangenheit und ebenso in der Gegenwart. Es ist ein Lebensthema von Ursula Krechel. Bereits in ihrem Studium hatte sie sich mit der Literatur der deutschen Emigranten in den Jahren der NS-Diktatur beschäftigt. „All diese Beispiele sind für mein Schreiben sehr wichtig geworden“, sagt die Schriftstellerin.

In „Landgericht“, ihrem heute bekanntesten Roman, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, erzählt Ursula Krechel eine dieser Geschichten: Der Jurist Richard Kornitzer, von den Nazis ausgebürgert und nach 1945 eine von so vielen „Displaced Persons“, versucht, sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Erneut sitzt er zwischen allen Stühlen. Er erlebt, wie ihm bei der Suche nach Wiedergutmachung – immer wieder von Kollegen mit NS-Vergangenheit – Stein um Stein in den Weg gelegt wird. Der Heimkehrer verzweifelt an der Realität im Land der Täter.

Sorge um Demokratie und Rechtsstaat

Ursula Krechels Werk ist umfangreich. Ihr Debüt ist ein Theaterstück: „Erika“, Anfang der 1970er Jahre entstanden, die Geschichte einer Frau, die von Selbstermächtigung träumt und an der gesellschaftlichen Realität scheitert. Neben Dramen, Romanen und Erzählungen schrieb Ursula Krechel Hörspiele, Essays und Gedichte. Auch diese spiegeln vielfach die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Gleichzeitig beschäftigt sich Ursula Krechel schreibend immer wieder auch mit der Gegenwart. Ihr jüngster Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“, Anfang des Jahres erschienen, erzählt von drei Frauen und ihren Lebenswirklichkeiten – hier eine Verkäuferin in einem von Schließung bedrohten Kräutergeschäft, da eine aus Bayern stammende Lateinlehrerin, dort schließlich eine namenlos bleibende Ministerin, die zum Opfer eines Anschlags wird. Das Thema der letzteren sei der Rechtsstaat, sagt Krechel. „Er ist etwas, was verteidigt werden muss, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik auf sehr heftige Weise.“

Ursula Krechel erhält den Georg-Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum, am 1. November im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Ihr jüngster Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“ ist Thema im Bayern 2-Podcast „Buchgefühl. Lesung und Gespräch„.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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