Pink ist unter den Farben immer noch ein Aufmerksamkeitsbooster. Das beweist die Kritik von Uli Hoeneß vom letzten Dienstag am Outfit von Lennart Karl. Der hatte schon vor Wochen, im April 2026 beim Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel des FC Bayern gegen Real Madrid, ein komplett pink-rosa Outfit getragen, inklusive Schuhe, Hose, Oberteil und Mütze. Und im Netz wird heiß diskutiert, was nun eher ein Fauxpas oder No-Go war: der pinke Komplettdress des 18-jährigen Karl oder die Stilkritik des 74-jährigen Uli Hoeneß?
Hoeneß als Modeberater
Hoeneß hatte in seinem Interview bei Dazn angekündigt: „Ich denke, ich werde Lennart irgendwann mal bei Gelegenheit, wenn ich ihn mal sehe, schon mal zur Seite nehmen und ihm sagen, was im Leben wichtig ist und was nicht.“ Bisher scheint es dazu nicht gekommen zu sein. Als Mode- und Internet-Experte ist Hoeneß bisher nicht in Erscheinung getreten. Ältere Fans erinnern sich noch an seine langen Haare bis zu den Schultern plus üppige Kotletten, etwas, das zum Glück lange ausgestorben war – und wie Minipli und Vokuhila gerade eine Wiedergeburt feiern. Insofern wundern sich viele, warum er jetzt öffentlich Karl kritisiert.
Von Familienfeierlichkeiten kennen das viele: Als junger Mensch gibt man nicht so viel darauf, was ein 74-Jähriger über die eigenen Klamotten sagt. Auch im Netz ist die Debatte zwar intensiv, aber keineswegs ein Shitstorm. Komisch auch, dass Hoeneß sich 2024 bei den pinken DFB-Trikots deutlich entspannter gezeigt hat. Damals sagte er: „Das ist mir völlig egal, was sie tragen. Das Wichtigste ist, was auf dem Platz passiert. Die können sogar mit nacktem Oberkörper und etwas Bemaltem spielen.“ Warum also jetzt der Aufruhr?
Wie der Fußballer modisch wurde
Denn Fußballer und Mode sind ja seit längerem kein Widerspruch mehr. David Beckham gilt als Vorreiter, legendär sind die abgestimmten Outfits mit seiner Frau Victoria. Wobei einigen Fußball-Kommentatoren damals wichtig gewesen zu sein schien, dass Beckhams Modebegeisterung als nicht „homosexuell“ gelesen wurde – „schwul“ war in den 90ern immer noch ein Schimpfwort in vielen Stadien.
Für ihn wurde sogar der Begriff „metrosexuell“ geprägt, ein Kofferwort aus Metropole und sexuell. Heute hat der Betis-Sevilla-Profi Héctor Bellerín einen sehr erfolgreichen Insta-Auftritt, in dem er seine Outfits präsentiert. Und angeblich haben heute einige Spieler sogar ihren eigenen Friseur dabei vor wichtigen Spielen. Fashion ist also für viele Spieler ein normaler Teil ihrer Selbstvermarktung – und da hat Lennart Karl definitiv noch viel vor.
Rosa – früher die Farbe für Jungen
Vielleicht mag bei der Debatte mit hineingespielt haben: Heute heißt es noch immer oft, rosa für Mädchen, blau für Jungen. Historisch ist es aber genau umgekehrt. Als „kleines Rot“ galt Rosa noch am Anfang des 20. Jahrhunderts und stand damit symbolisch für Kraft und Stärke. Das wandelte sich erst nach und nach. Und Rosa war keineswegs aus der Männermode verschwunden – bei Poloshirts und Sommerhemden fand es sich immer wieder. Und Sänger Bad Bunny oder der Designer Marc Jacobs zeigten sich auch schon mal in der Öffentlichkeit in kurzen rosa Kleidern.
Es war also mutmaßlich nicht das Pink an sich, dass Hoeneß gestört hat. Karl tanzte aus der Reihe, zog die Aufmerksamkeit nicht mit einem exzeptionellen linken Fuß auf sich, sondern durch ein extrovertiertes modisches Statement. Als Hoeneß auf die auffälligen Outfits des französischen Nationalspielers Michael Olise angesprochen wurde, erwiderte er knapp: „Ja, aber der ist ja auch schon Weltstar, da darf der das.“ Warum? Die Antwort darauf blieb er schuldig. Umso mehr blieb Raum für die Diskussion im Netz.

