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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Zur Abhärtung gibt’s Buhrufe: Wie kontrovers wird der ESC?
Kultur

Zur Abhärtung gibt’s Buhrufe: Wie kontrovers wird der ESC?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Mai 2026 10:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Den ESC im vergangenen Jahr in Basel haben neben Johannes Pietsch auch Teodora Špirić und Thomas Thurner gewonnen. Selbst vielen Fans des Wettbewerbs dürften diese Namen wenig geläufig sein. Doch beim ESC werden nicht etwa teilnehmende Länder oder Interpreten ausgezeichnet, sondern ausschließlich Komponisten und Texter, wobei in den letzten Jahren freilich immer wieder Sänger gewonnen haben, die ihre Lieder ganz oder teilweise selbst verfasst haben, wie 2021 die römische Rockband Måneskin, 2023 die schwedische Sängerin Loreen und 2024 Nemo, die erste offen nichtbinäre Person, die siegreich war.

Inhaltsübersicht
Top-Favorit ist finnisches DuoIsraelischer Teilnehmer „macht es sich schwer“EBU änderte Abstimmungsregeln

Top-Favorit ist finnisches Duo

Sarah Engels, die in diesem Jahr mit „Fire“ für Deutschland antritt, gehört ebenfalls zu den insgesamt fünf (!) Textautoren des Songs, wenn auch nicht zum vierköpfigen Komponistenteam aus Valentin Bös, Luisa Heinemann, Raphael Lott und Dario Schürmann. Die Chance auf den Sieg scheint gering, die Wettbüros listen „Fire“ auf Platz 22 von 35 Teilnehmern, wogegen ein anderer „heißer“ Song, nämlich „Flammenwerfer“ (Liekinheitin) aus Finnland mit aktuell 34-prozentiger Gewinnchance als Top-Favorit eingestuft wird. Power-Geigerin Linda Lampenius und der zwanzig Jahre jüngere Castingshow-Teilnehmer Pete Parkkonen zählen ebenfalls zum mehrköpfigen Autorenteam ihres Songs.

Ob der diesjährige Wettbewerb wesentlich „politischer“ ist als in vergangenen Jahren, wurde im Vorfeld viel und kontrovers diskutiert, besonders wegen der außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen „wie am Flughafen“ [externer Link] in und um die Wiener Stadthalle. So mussten Nationalflaggen, darunter auch die palästinensische, von Interessenten vorbestellt und vor der Veranstaltung abgeholt werden, es sind weder Rucksäcke, noch Taschen erlaubt. 500 Polizisten in Zivil und in Uniform sollen auf dem Gelände im Einsatz sein, die Behörden wollen nach eigenen Angaben ein „unsichtbares Netz über die ganze Stadt“ legen.

Israelischer Teilnehmer „macht es sich schwer“

Grund dafür ist natürlich in erster Linie die hoch umstrittene Teilnahme Israels. Fünf Länder boykottieren deshalb den diesjährigen ESC: Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien. Überall dort wird argumentiert, „kriegführende“ Länder sollten ausgeschlossen werden, wozu neben Russland derzeit auch Israel zähle.

Die Mehrheit der europäischen EBU-Sender (European Broadcasting Union), die den ESC veranstalten, sah das anders. Dennoch härtet sich der israelische Teilnehmer Noam Bettan, ein Sohn französischer Einwanderer, der bei den Wettbüros mit seinem Song „Michelle“ auf Platz 6 zum erweiterten Favoritenkreis zählt, zur Vorbereitung seines Auftritts ab, wie er der Bild-Zeitung sagte [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]: „Bei den Proben habe ich ein Team, das ständig darauf achtet, mich auszubuhen und es mir schwer zu machen – das hilft mir tatsächlich sehr.“

Welche Auswirkungen der Teil-Boykott auf die Finanzierung des ESC haben wird, war noch nicht genau absehbar. 2025 zahlte die ARD nach Angaben des zuständigen SWR [externer Link] eine „Gebühr“ von rund 450.000 Euro für das Finale.

EBU änderte Abstimmungsregeln

Im vergangenen Jahr hatten Kritiker moniert [externer Link], die israelische Regierung habe im Vorfeld des ESC Online-Werbemaßnahmen für den israelischen Beitrag mitfinanziert, wobei umstritten blieb, ob dies rechtmäßig war. Daraufhin änderte die EBU die diesjährigen Regeln [externer Link]. Jetzt wird von „unverhältnismäßigen Werbemaßnahmen“, insbesondere von Regierungen, „abgeraten“. Beim Publikums-Voting sollen pro Zahlungsmethode nur noch zehn statt bisher 20 Stimmen abgegeben werden können. „Fortschrittliche“ Sicherheitssysteme sollen Televoting-Betrug verhindern, eine erweiterte Jury ein „optimales musikalisches Gleichgewicht und eine große Vielfalt an Liedern fördern“.

Zahlreiche, oft erzählte Anekdoten aus der 70-jährigen Geschichte des ESC zeigen, dass der Wettbewerb häufig genutzt wurde, um politische „Duftmarken“ zu setzen. So verhinderte der spanische Diktator Francisco Franco 1968, dass Manuel Serrat „La, la, la“ auf Katalanisch sang und ersetzte ihn durch die spanischsprachige Sängerin Massiel, die prompt gewann. Das Finale im darauffolgenden Jahr in Madrid wurde vom ORF boykottiert („Mangel an geeigneten Künstlern“).

„70 Jahre ESC – More than Music“ am Montag, 11. Mai um 20.15 Uhr im Ersten.

„Wir sind Song Contest – 70 Jahre größte Musikshow der Welt“, am Freitag, 14. Mai um 20.15 Uhr auf ONE.

Das ESC-Finale live im Ersten am Samstag, 16. Mai ab 21 Uhr.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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