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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Klug, fotogen, weitreichend: Ausstellung über Susan Sontag
Kultur

Klug, fotogen, weitreichend: Ausstellung über Susan Sontag

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. Mai 2025 13:46
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Sie mischte sich ein als öffentliche Intellektuelle, bezog Stellung zu den Kriegen in Vietnam und in Bosnien, auch zu 9/11, und nahm die amerikanische Gesellschaft unter die Lupe. 2003 hatte Susan Sontag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten, kurz vor ihrem Krebstod im Jahr 2004. „Everything Matters – Alles zählt“, Sontags Motto liefert den Titel zur Ausstellung im Münchner Literaturhaus, und dort fallen einem sofort die legendären Listen der Essayistin ins Auge.

Inhaltsübersicht
Susan Sontag als fotogenes GlamourgirlEnttäuschende Begegnung mit Thomas Mann

Literaturhausleiterin Tanja Graf erklärt, Susan Sontag habe zu allen Lebenszeiten Listen geführt: „Hier ist eine wunderbare Liste: ‚Was ich mag und was ich nicht mag.‘ Was sie nicht mag: Haare waschen.“ Außerdem steht da noch: Cold Weather, Couples, Football Games und, überraschend: „being photographed“, also, fotografiert zu werden. Ist das nun kokett oder ehrlich? Graf überlegt: „Was wir von Zeitzeugen gehört haben, war sie nicht besonders eitel, was ihr Äußeres betrifft, aber die berühmtesten Fotografen ihrer Zeit haben sie fotografiert.“

Susan Sontag als fotogenes Glamourgirl

Die Denkerin mit dem dunklen Haarschopf als fotogenes Glamourgirl, so hat sich Susan Sontag in die Erinnerung eingeschrieben. Die Schönheit war Beigabe, mag ihr allerdings den Karrierestart erleichtert haben, wie Graf erzählt: Ihr Verleger Roger Strauß habe sie fast systematisch vermarktet. „Dazu gehört auch, dass sie nicht nur in den literarischen Zeitschriften erscheint, sondern auch im Playboy, in Vanity Fair, in der Vogue, weil er damit bezwecken wollte, dass sie von einem größeren Publikum entdeckt wird.“

Sinn und Sinnlichkeit – das entsprach ohnehin Susan Sontags Wunsch, in ihrem weiträumigen Denken wahrgenommen zu werden. Ein Kinderfoto zeigt sie zwischen haushohen Kakteen in Arizona, wie eingepresst, das war eine viel zu enge Welt. Sie liest wie besessen schon als Jugendliche Weltliteratur: Dante, Goethe, James Joyce, Virginia Woolf, Simone de Beauvoir. So wird das Lesen zum Beginn ihrer Selbstfindung, analysiert Co-Kuratorin Anna Seethaler.

Enttäuschende Begegnung mit Thomas Mann

„Der Zauberberg“ von Thomas Mann war ihr Lebensbuch. Eine Begegnung mit dem verehrten Schriftsteller verlief dennoch anders, als es sich die gerade frisch in eine Frau verliebte 17-Jährige vorstellte. Das Literaturhaus zeigt ihre Aufzeichnungen dazu als Faksimiles. Graf kommentiert: „Es war im Grunde eine Enttäuschung, weil sie sich etwas erhofft hat, Spiegelungen ihrer eigenen Gefühlsverwirrtheit, das hat er natürlich nicht preisgegeben“.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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