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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Krieg im Kopf“: Hat Putin Russlands Gesellschaft brutalisiert?
Kultur

„Krieg im Kopf“: Hat Putin Russlands Gesellschaft brutalisiert?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 4. August 2025 22:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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„Bleibt nicht gleichgültig, wenn ihr seht, dass jemand anderes in Schwierigkeiten steckt“, flehte kürzlich die russische Polit-Bloggerin und TV-Journalistin Xenija Sobtschak (1,1 Millionen Abonnenten) auf ihrem Telegram-Kanal [externer Link]. Grund dafür: Fünf Männer hatten in der Region Woronesch eine Frau gewaltsam in ein Auto verschleppt und waren davongefahren, ohne dass die Augenzeugen irgendetwas unternommen hätten.

Inhaltsübersicht
„Empathie sank auf negative Werte“„Betrug von epischen Ausmaßen“„Sie tragen den Krieg im Kopf“„Russen kennen Gefühl der Ruhe nicht“

„Empathie sank auf negative Werte“

Politologe Georgi Bovt nahm den Vorfall zum Anlass für eine sehr kritische Bestandsaufnahme der russischen (Kriegs-)Gesellschaft [externer Link]: „Empathie ist bei uns nicht gleich Null, sie sank auf negative Werte. Wenn sie jemanden töten, bedeutet das, dass sie das Recht dazu haben, dass sie irgendwie cool sind und man sich besser nicht mit ihnen anlegen sollte.“

Der Durchschnittsbürger rufe die Polizei nicht nur nicht, weil es ihm gleichgültig sei, weil er Angst habe, sondern auch, weil er nicht glaube, dass sie komme, wenn sie alarmiert werde: „Keiner glaubt, dass er geschützt wird.“

„Betrug von epischen Ausmaßen“

Ähnlich sieht es der Exil-Politologe Abbas Galljamow [externer Link], früher Redenschreiber im Kreml: „Im heutigen Russland kann sich niemand mehr sicher fühlen – weder ein unglückliches Schulkind noch ein allmächtiger Minister. Jetzt ist es an der Zeit, sich daran zu erinnern, dass der wichtigste Wahlkampf-Slogan, der Putin vor einem Vierteljahrhundert an die Macht brachte, genau das Verlangen nach Sicherheit war. Darin liegt die Dialektik – vom Versprechen der Sicherheit bis zu ihrer vollständigen Beseitigung. Ein Betrug von schlichtweg epischen Ausmaßen.“

„Sie tragen den Krieg im Kopf“

Der russische Kulturwissenschaftler Jewgeni Dobrenko, der an der Universität Venedig lehrt, rechnete in einer aufschlussreichen Analyse mit seinen Landsleuten förmlich ab [externer Link] und machte sie mitverantwortlich für die politische und soziale Verrohung: „Blutige Regime, bösartige Diktatoren und verblödende Propaganda sind nur eine Ausdrucksform, durch die sich die Frustration riesiger Massen infantiler Menschen bemerkbar macht, die in einer traditionellen Gesellschaft aufgewachsen sind.“

Die Demokratisierung der neunziger Jahre habe diese Menschen plötzlich „zu politischen Akteuren gemacht“, obwohl sie mit ihrer „schlechten Ausbildung“, und ihren „patriarchalischen Werten“ auf ihre neue gesellschaftliche Rolle unvorbereitet gewesen seien: „Sie sind von Gewalt durchdrungen und rassistischen, ethnischen, geschlechtsspezifischen und anderen Vorurteilen besessen. Einer Kultur des Dialogs und der Toleranz unfähig, tragen sie den Krieg im Kopf und fordern daher solche Führer und solche Regime.“

„Russen kennen Gefühl der Ruhe nicht“

Sogar ein staatstragender Politologe wie Ilja Graschtschenkow forderte mit Blick auf neueste Umfrageergebnisse [externer Link]: „Wenn die Hälfte der Bevölkerung des Landes auf die eine oder andere Weise unter ständiger Angst leidet, muss der Staat ihnen zumindest etwas Erleichterung verschaffen oder ihnen ‚Licht am Ende des Tunnels‘ zeigen.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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