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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Kriegsfilm „House of Dynamite“: Klüger als viele Friedensdemos
Kultur

Kriegsfilm „House of Dynamite“: Klüger als viele Friedensdemos

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 22. Oktober 2025 16:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Der Tag, an dem Millionen Menschen sterben werden, beginnt wie jeder andere. Dein Kind hat Fieber. Die Schlange beim Bäcker ist zu lang. Dein Kollege bringt dich zum Lachen. Aber warum blinkt der Bildschirm? Der Netflix-Spielfilm „A House of Dynamite“ von Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow erzählt vom Ernstfall. Eine Atomrakete steuert auf die Zehn-Millionen-Stadt Chicago zu. Wer sie abgeschossen hat, ist unklar: Russland, China, Nordkorea – sie alle könnten verantwortlich sein. Und: Der Raketen-Abwehrschirm der USA versagt.

Inhaltsübersicht
Atomkrieg verhindern – aber wie?“Alles dreht sich um Trump“„Frieden schaffen ohne Waffen“?

Atomkrieg verhindern – aber wie?

In einer Krisensitzung schalten sich das Weiße Haus und Militärbasen zusammen. Der Raketenangriff könnte Absicht sein, oder ein Versehen. Ein Gegenschlag wäre also Selbstverteidigung, aber er könnte den Atomkrieg auch erst herbeiführen. „Wenn wir unsere Feinde jetzt nicht neutralisieren, bekommen wir keine weitere Chance dazu“, warnt ein General. „Dann ist morgen keiner mehr von uns am Leben“, sagt hingegen ein Sicherheitsberater. Die Expertinnen und Experten sind sich also uneinig. Entscheiden muss letztlich: der Präsident.

Schnitt: ein Golfplatz, rot-blondes Haar unter einer Schirmmütze. In diesem Moment rutscht einem das Herz in die Hose. Denn, mal abgesehen davon, dass “A House of Dynamite“ Fiktion ist, mit einem fiktiven Präsidenten – in der Realität ist es Donald Trump, der so eine Entscheidung treffen würde. Ein Präsident also, der schon bei friedlichen Protesten das Militär einsetzt, gegen die eigene Bevölkerung. Und der mal an der Seite der von Russland überfallenen Ukraine steht, dann aber wieder Putin hofiert.

“Alles dreht sich um Trump“

Seine neueste Idee: Die Ukraine soll für einen Waffenstillstand aufgeteilt werden. Politikwissenschaftlerin Nina Khrushcheva brachte es kürzlich in den Tagesthemen auf den Punkt: Trump führe Amerika wie eines seiner Unternehmen. Ihm sei nur wichtig, einen Deal zu schließen. Wie und mit welcher Seite sei ihm egal: „Denn letztendlich dreht sich alles um Trump.“

Auch im Film „A House of Dynamite“ sind „alle Präsidenten Narzissten“. So die Worte des Chefleibwächters, der schon drei von ihnen aus nächster Nähe erlebt hat. Bedrückend ist der Film aber aus einem anderen Grund. Die meisten Figuren handeln überraschend besonnen. Sie kriegen zwar Panik, einen Wutanfall, weinen. Aber dann reißen sie sich zusammen, machen ihren Job, übernehmen Verantwortung. Nur: Es hilft nichts. Denn das im Kalten Krieg entwickelte „Gleichgewicht des Schreckens“ ist letztlich doch nur eines – schrecklich.

„Frieden schaffen ohne Waffen“?

Aufrüsten und mobilisieren, lautete die Devise. Wenn alle sehen, wie bereit man ist, beginnt keiner einen Atomkrieg, so zumindest die Theorie. Und wenn doch? Dann sieht der Plan die gegenseitige Vernichtung vor. Das ist die Krux in einem „House of Dynamite“: In einem Haus voller Sprengstoff können die Bewohner noch so vorsichtig auftreten – früher oder später fliegt es in die Luft. Diese Metapher gibt dem Film seinen Namen.

„Frieden schaffen ohne Waffen“ war deshalb die Losung der Friedensbewegung in den 80ern. Und auch der Film mahnt gleich zu Beginn: Nach dem Kalten Krieg wollten wir doch eigentlich abrüsten – diese Zeiten seien nun vorbei. Die katastrophalen Folgen erleben wir in den folgenden anderthalb Stunden, die immer wieder und aus unterschiedlichen Perspektiven die 19 Minuten vor dem Aufprall der Rakete zeigen. Und damit vor der Entscheidung, wie die USA darauf reagieren.

Das Publikum hat also mehr Zeit zu überlegen, was es für richtig hält, als die Verantwortlichen im Film. Spoiler: Es ist keine einfache Entscheidung. Und anders als jüngst viele Friedensdemos macht es sich dieser neue Kriegsfilm nicht leicht: Er behauptet nicht, man müsse gewaltbereiten Diktatoren nur die Hand reichen und rote Linien immer weiter verschieben. Der Film verteufelt weder Wehrdienst noch Soldatenberuf, glorifiziert sie aber auch nicht. Wie krieg’ ich Frieden? „A House of Dynamite“ gibt darauf letztlich keine Antwort. Aber stellt die richtigen Fragen.

“A House of Dynamite” von Kathryn Bigelow mit Idris Elba, Rebecca Ferguson, Tracy Letts u. a. läuft aktuell im Kino und ab 24.10. auf Netflix.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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