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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Lebensborn-Kinder: 400 Sparbücher warten auf Erben
Kultur

Lebensborn-Kinder: 400 Sparbücher warten auf Erben

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 31. Januar 2025 13:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Seit rund 70 Jahren verwaltet die Katholische Jugendfürsorge München (KJF) ein heikles Erbe: Geld, das die SS einst für unehelich geborene Kinder angelegt hat. Eines dieser Kinder ist Heilwig Weger. Sie ist Jahrgang 1938 und kam in einem der ersten Lebensborn-Heime in Steinhöring bei München zur Welt. In diesen Heimen entbanden während des Dritten Reichs Frauen, die von den Nationalsozialisten als „genetisch wertvoll“ erachtet wurden, ihre unehelichen Kinder. Der Vater von Heilwig Weger war ein verheirateter Fabrikdirektor mit fünf Kindern. Ein Seitensprung.

Inhaltsübersicht
Nach dem Krieg: Katholische Jugendfürsorge verwaltet ErbeSparguthaben meist nur kleine BeträgeAufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte

Nach dem Krieg: Katholische Jugendfürsorge verwaltet Erbe

Wie alle Väter musste er Unterhalt zahlen. Das tat er nicht immer, wie ein Mahnbrief der SS-Körperschaft Lebensborn zeigt, aber es floss Geld. Also muss es auch ein Sparbuch für Heilwig Weger gegeben haben. „Ich habe der Katholischen Jugendfürsorge zwei Briefe geschickt und geschrieben, sie möchten mal nachforschen, ob da von mir auch ein Sparbuch ist“, sagt Heilwig Weger. Doch die Katholische Jugendfürsorge fand kein Sparbuch für sie, möglicherweise auch, weil Heilwig Weger zweimal den Namen wechselte: Sie war während des Krieges adoptiert worden, heiratete später und nahm den Namen ihres Mannes an.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus suchten die Besatzer nach einer unbelasteten Organisation, die Erfahrung mit Vormundschaftspflege und Fürsorge hat, und wurde bei der Kirche fündig. In Steinhöring bei München war das letzte Lebensborn-Heim, das bei Kriegsende noch betrieben wurde. Also wurden die 160 Kinder der Katholischen Jugendfürsorge und der Caritas übergeben. Ab 1955 übernahm die Katholische Jugendfürsorge dann die Zuständigkeit für die Verwaltung von den 469 verbliebenen Sparbüchern, die während der NS-Zeit für alle Lebensborn-Kinder in Deutschland angelegt worden waren. Heute sind auf den rund 400 verbliebenen alten Sparbüchern noch etwa 57.000 Euro verbucht. Sie gehören ehemaligen Lebensborn-Kindern beziehungsweise deren Nachkommen.

Sparguthaben meist nur kleine Beträge

Heilwig Weger sucht weiter im Archiv der Katholischen Jugendfürsorge. Doch ihr Adoptivname taucht in den verbliebenen Sparbüchern nicht auf. Vielleicht ließ sich ihre Mutter das Geld kurz vor Kriegsende auszahlen? Das lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Die bisher letzten Auszahlungen eines Sparguthabens fanden 2015, 2020 und 2023 statt. „Das heißt, es melden sich schon noch Personen, aber halt nicht ständig“, meint Barbara Igl von der Katholischen Jugendfürsorge München. „Bei der letzten Auszahlung waren es 168,94 Euro.“ Wie viel auf dem Sparbuch liegt, hängt davon ab, wie viel in der Nazi-Zeit eingezahlt worden war. Die damaligen Zahlungen der Väter erreichten meist eine Höhe von mehreren hundert Reichsmark. Davon blieb nach der Währungsreform 1948 aber nicht viel übrig. Heute lagern auf manchen Sparbüchern nicht mal 100 Euro, auf anderen aber immerhin bis zu 2.000 Euro. Sie warten immer noch auf ehemalige Lebensbornkinder, die sich melden.

Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte

Vielen, die das bisher schon getan haben, geht es dabei nicht ums Geld. „Es geht eher darum, Geschichte aufzuarbeiten“, sagt Barbara Igl von der Katholischen Jugendfürsorge München. „Viele ehemalige Lebensborn-Zöglinge treibt um, dass sie als Täterkinder lange keinen Opferstatus hatten. Sie wuchsen bei Pflegeeltern auf, die sich von ihrer Adoption einen Aufstieg in der NS-Gesellschaft erhofften. Nach dem Krieg wurden sie dann oft wie heiße Kartoffeln fallengelassen. Zum Teil haben Lebensborn-Kinder sehr lange gebraucht, bis sie sich an dieses Thema herangewagt haben. Manchmal werden erst die Enkel aktiv.“

Im oberbayerischen Steinhöring, wo in der NS-Zeit junge Frauen ihre unehelichen, aber rassenideologisch erwünschten Kinder zur Welt brachten, ist Anfang der 1970er Jahre eine große Einrichtung für Menschen mit Behinderung entstanden. Im alten Teil des Gebäudes soll künftig eine Tafel an die Lebensborn-Kinder erinnern.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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