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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Lebenstraum Berghütte: Eine Vision in Kriegsgefangenschaft
Kultur

Lebenstraum Berghütte: Eine Vision in Kriegsgefangenschaft

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 4. Mai 2025 11:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Die Pleisenhütte auf 1.757 Meter unterhalb der Pleisenspitze ist im Sommer ein Ziel für Wanderer, im Winter ein Treffpunkt für Skitourengeher. Für Erbauer Toni Gaugg war es ein besonderer Ort, erzählt Sohn Siggi. „Meinem Papa hat der Platz hier alles bedeutet. Das war ein Jugendtraum von ihm, hier oben eine Hütte zu haben.“

Inhaltsübersicht
Eine Hütte an dem Platz, wo er als Bub Schafe gehütet hat„Mein Vater hatte ein großes Gottvertrauen“Sohn baut Kapelle für seinen Vater

Eine Hütte an dem Platz, wo er als Bub Schafe gehütet hat

Der Traum von der Hütte und das Vertrauen, dass er Wirklichkeit wird, brachte Toni Gaugg durch eine schwere Zeit. Fünf Jahre und vier Monate war er nach dem Zweiten Weltkrieg in russischer Gefangenschaft. „Wenn man da keine Vision hat, ein Ziel vor Augen, was man nach der Gefangenschaft machen möchte, dann überlebt man sowas nicht, denke ich“, sagt sein Sohn Siggi Gaugg.

Die Vision seines Vaters war: Eine Berghütte an dem Ort zu bauen, wo er als kleiner Bub Schafe gehütet hat.

„Mein Vater hatte ein großes Gottvertrauen“

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Scharnitz wird sein Traum Wirklichkeit: 1953 bekommt er die Genehmigung, eine Hütte unterhalb der Pleisenspitze zu bauen. Damals führt noch kein Weg auf den Berg, ohne Bagger, ohne Kran, nur mit den Händen baut Toni Gaugg gemeinsam mit Freunden die Hütte. „Das ist eine unglaubliche Leistung gewesen, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen“, sagt Sohn Siggi.

Gebaut wurde die Hütte in russischer Blockbauweise, die Balken liegen nicht versetzt, sondern direkt übereinander, erklärt Siggi Gaugg. „Die Bauweise hat mein Vater in russischer Gefangenschaft gelernt, weil er da als Zimmerer gearbeitet hat. So hat auch eine Gefangenschaft etwas Gutes.“

Sein Vater hatte ein großes Gottvertrauen: „Ich denke, die Mischung macht es. Nur mit der Hilfe von oben baut man keine Hütte. Man muss schon auch arbeiten. Aber wenn du nicht auf die Hilfe von oben vertraust, dann brauchst auch nicht anfangen, eine Hütte bauen. Weil dann wird es auch nix.“

Sohn baut Kapelle für seinen Vater

Siggi Gaugg ist 19 Jahre alt, als er die Hütte übernimmt. Weil sein Vater ein tiefgläubiger Mensch war, erfüllt er ihm den Wunsch, neben der Hütte eine Kapelle zu bauen. Sein Vater hatte jahrzehntelang ein Bild seines Namenspatrons aufgehoben, das nun in der Kapelle hängt. Direkt daneben durfte Toni Gaugg sogar beerdigt werden.

Die Pleisenhütte führt Sohn Siggi mit seiner Frau Andrea weiter. Und längst ist es auch für die beiden ein besonderer Platz geworden. „Wenn ich gefragt werde, was ich hier oben spüre, in Bezug auf Gott, kann ich nur sagen: Das alles, was wir haben, ist Gott. Die Bäume, die Natur, die Berge, die Wolken, das Wetter. Alles das ist für mich Gott.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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