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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Rienzi“ in Bayreuth: Was sagt diese Oper über „Hitlers Psyche“?
Kultur

„Rienzi“ in Bayreuth: Was sagt diese Oper über „Hitlers Psyche“?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 27. Juli 2026 10:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Sie verstanden sich mutmaßlich allesamt als „Erlöser“ und gefielen sich zeitlebens als Leidensfiguren: der mittelalterliche italienische Volkstribun Cola di Rienzo (1313 – 1354), Komponist Richard Wagner und Adolf Hitler. Kein Wunder, dass der spätere NS-Diktator schon im jugendlichen Alter von Wagners langatmigem, aber effektvollem Frühwerk „Rienzi“ begeistert gewesen sein soll.

Inhaltsübersicht
Wagner orientierte sich an der „Grand Opéra“Hitlers „Sehnsucht nach dem Untergang“„Das Ding passt sowas von gut in dieses Haus“

Die ungarischen Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka mussten den sehr „unhandlichen“, ja monströsen Wagner-Brocken bei den Bayreuther Festspielen in den Griff bekommen. Am Ende gab es fast ungeteilte Zustimmung, ja Fußgetrampel und Jubel, was in dieser Lautstärke beim Festspielpublikum selten ist.

Das Regie-Team verlegte die Handlung in eine graue römische Plattenbau-Siedlung, die von politisch wankelmütigen, frustrierten Proletariern bewohnt ist. Das ist der Humus, auf dem Populismus gedeiht.

Nebenbei fertigten die Regisseurinnen zur weitschweifigen Ballettmusik gleich sieben Wagner-Opern satirisch ab, was als „Rekordzeit“ gelten dürfte, und zeigten Richard Wagner als skrupellosen, emsigen Hofnarren in einer stimmungsgelenkten Autokratie. Insgesamt freilich wirkte diese Faschismus-Studie vergleichsweise harmlos: So oder ähnlich waren Abgesänge auf Alleinherrscher schon häufig zu sehen.

Wagner orientierte sich an der „Grand Opéra“

Festspielchefin Katharina Wagner hatte die Inszenierung im Vorfeld als „sehr kompakt und gelungen“ bezeichnet, wobei die Bewertung von Regiekonzepten stets „Geschmackssache“ sei: „Ich finde es gut.“

Richard Wagner hatte seine „Große tragische Oper“, die er später als „Jugendsünde“ abtat, 1842 im Dresdner Opernhaus zur Uraufführung gebracht und beschreibt darin den Aufstieg und Fall des italienischen Volkstribunen Cola di Rienzo (1313–1354). Es ist ungekürzt das längste Werk, das er überhaupt komponiert hat. Eine Gesamt-Aufführung würde ohne Pausen knapp fünf Stunden dauern. In Bayreuth wird allerdings eine Strichfassung präsentiert. Vorbild für Wagner war die damals modische französische Grand Opéra, die das Publikum mit theatralischen Effekten und großem äußeren Aufwand in den Bann schlagen wollte.

Hitlers „Sehnsucht nach dem Untergang“

Dramaturg Markus Kiesel räumte ein, dass die „Rienzi“-Ouvertüre „immer bei den Reichsparteitagen gespielt“ worden sei, was verwundert, weil die Fanfaren sehr fahl und düster klingen, jedenfalls alles andere als triumphal: „Das ist letztlich der Zusammenhang, der diese Kontaminierung, wie sie auch genannt wird, ausmacht. Viele Wissenschaftler haben sich auch mit der Psyche Hitlers beschäftigt, seiner Sehnsucht nach Untergang, nach kollektivem Suizid und diesen Seltsamkeiten: Warum immer dieses Händchenhalten beim Götterdämmerungs-Finale? Das ist ja alles sehr seltsam, dass er diese heroischen Untergangsszenarien so faszinierend fand.“

Es sei gleichwohl eine „eine tolle Entscheidung“ der Festspielleitung gewesen, das umstrittene Werk ins Programm zu nehmen, um „eben genau diese Dinge zu diskutieren und zwar offen und kontrovers“: „Ich glaube, wir haben mit dem Regieteam da auch den Finger in die Wunde der Rezeptionsgeschichte gelegt und ich glaube, dass das genau das richtige Stück zur richtigen Zeit ist.“

„Das Ding passt sowas von gut in dieses Haus“

Der Begriff „Hitlers Lieblingsoper“ beruhe im Übrigen auf einer einzigen Literatur-Überlieferung, und zwar auf dem Buch „Adolf Hitler, mein Jugendfreund“ von August Kubizek (1888 – 1956) aus dem Jahr 1953. Dort beschreibt der Autor ausführlich, wie sehr der spätere NS-Diktator von einer „Rienzi“-Aufführung in Linz euphorisiert war: „In jener Stunde begann es“, soll Hitler Jahre später gesagt haben.

Tagelang sei er nach seinem „Erweckungserlebnis“ wie betäubt gewesen – wohl weniger wegen der Musik als wegen der emotionalen Massenszenen. Allerdings gibt es viele Zweifel am Erinnerungsvermögen von Kubizek und allerlei Einflussnahmen von außen auf seinen Originaltext.

Markus Kiesels Antwort auf die Frage, warum „Rienzi“ ausgerechnet zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele aufgeführt wird: „Weil ein Jubiläum dazu da ist, dass man etwas Besonderes macht, und den ‚Rienzi‘ hier aufzuführen, ist eigentlich überfällig, und akustisch ist das ein Knaller. Das Ding passt wirklich sowas von gut in dieses Haus, dass man geradezu überrascht ist und sich fragt: Warum erst jetzt?“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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