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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Sind Filme für Jugendliche heute brutaler?
Kultur

Sind Filme für Jugendliche heute brutaler?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 31. März 2026 08:52
Von Uta Schröder
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💬 „Dein Argument“ greift Euren Input auf: Kommentare aus der BR24-Community sind Anlass für diesen Beitrag. 💬

Inhaltsübersicht
Freigabefaktoren unverändert, aber nicht die KonsumentenMedienkompetenz? Gewöhnungseffekt?Technologischer Fortschritt spürbarBewertung je nach Genre

Wenn es um die Entwicklung von Jugendlichen geht, stehen immer wieder auch die konsumierten Medien dieser Jugendlichen im Fokus – sei es bei immer wieder aufkeimenden „Killerspiel-Debatten“ oder bei Diskussionen um die Jugendfreigabe von Film- und Fernsehinhalten.

Auch in der BR24-Community taucht dieser Diskussionspunkt auf, zum Beispiel von User „Oki“ wird das so kommentiert: „Bei vielen psychischen Problemen sehe ich eine Teilschuld bei den Medien. Es ist eine Herausforderung, die Kinder dem möglichst lange fernzuhalten. Auch sind Filme deutlich brutaler geworden, mit viel mehr blutigen, gewaltvollen Szenen. (…)“

Freigabefaktoren unverändert, aber nicht die Konsumenten

Sabine Seifert ist Jugendschutzexpertin und Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK, die den Vorsitz in den Prüfausschüssen übernimmt, in denen festgelegt wird, für welches Alter Film- und Fernsehinhalte freigegeben werden sollen. Sie widerspricht der These erst einmal nicht: So sei es durchaus richtig, dass Gewaltbilder freigegeben würden, die vor einigen Jahren noch nicht freigegeben worden wären.

Dennoch seien Film- und Fernsehinhalte einer bestimmten Altersfreigabe nicht unbedingt für die gedachte Zielgruppe brutaler geworden. Denn die Entscheidungen der FSK orientieren sich weiter an der gleichen Vorgabe wie schon vor Jahrzehnten: „Welche dieser Altersgruppen kann diesen Film beeinträchtigungsfrei anschauen?“ Konkret mache man eine Antwort auf diese Frage an möglicher Ängstigung, emotionaler Überforderung und problematischen Rollenbildern.

Die einzelnen Faktoren, die man bei einer Entscheidung berücksichtigen müsse, hätten sich also nicht wirklich verändert. Was sich aber verändert habe, sei die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen, Inhalte einzuordnen und zu verstehen. Dies stelle die FSK unter anderem durch medienpädagogische Forschung, aber auch durch den direkten Austausch mit Kindern und Jugendlichen fest.

Medienkompetenz? Gewöhnungseffekt?

„Wir müssen einfach auch anerkennen, dass Kinder und Jugendliche heute native Mediennutzer sind. Das heißt, sie werden mit Medien groß und lernen dann natürlich auch, die Funktionalitäten von Medien zu erkennen und auch zu erkennen: Wann ist ein Film ein Film?“, sagt Seifert. Viele Kniffe, wie Kunstblut oder Kamerafahrten auf ein Opfer einer Gewalttat, seien für Jugendliche heute besser einzuordnen, da sie die Machart solcher Bilder schon entschlüsselt hätten.

Christine Bernau, Leitung Filmbildung und Medienreflektion beim jfc Medienzentrum, ist da skeptischer: „Ich glaube nicht, dass es eine Pauschalaussage zur Medienkompetenz von Kindern in bestimmten Altersgruppen geben kann.“ Ihrer Erfahrung nach gibt es große Unterschiede bei der Medienkompetenz von Gleichaltrigen und einen hohen Bedarf, diese Medienkompetenz weiter zu stärken. Bernau glaubt, „dass Kinder nicht unbedingt besser mit Gewalt in Medien umgehen können, sondern durch einen stärkeren Konsum einen Gewöhnungsprozess durchlaufen.“

Technologischer Fortschritt spürbar

Auch der technologische Fortschritt spielt eine Rolle für das Vorgehen der FSK. Hier müsse aufgrund immer realistischerer Bilder ebenfalls die Einordnung gewisser Szenen angepasst werden. „Diese bildliche Ausgestaltung ist möglicherweise desensibilisierend, weil sie einen hohen Wahrheitscharakter hat“, so Seifert. Da, wo Filme früher weggeschnitten hätten, würde heute auf Darstellung gesetzt; „wo früher das Licht ausging und die Dunkelheit die Szenerie beherrscht hat, wird heute ausgeleuchtet.“ Dies stelle die FSK durchaus vor neue Herausforderungen in der Bewertung.

Bewertung je nach Genre

Besonders wichtig ist Seifert der Hinweis darauf, dass auch Gewaltszenen und Brutalität immer im Kontext des gesamten Filmes eingeordnet werden. In einem Krimi, in dem eine brutale Tat zwar gezeigt, aber verurteilt und der Täter am Ende zur Rechenschaft gezogen wird, müsse man solche Szenen anders bewerten als in einem Horrorfilm, der eher den Spaß an Gewalt inszeniert.

Diese Art „Torture porn“ hätte allerdings eher in den 2000ern und 2010ern mit Filmen wie „Hostel“ und „Saw“ Konjunktur gehabt. Die Freude an Gewalt und Brutalität ist aus Sicht von Seifert im Moment nicht so ausgeprägt.

Abschließend sagt Seifert, dass sie den Eindruck nachvollziehen könne, dass man als heute 40- oder 50-Jähriger mit weniger Gewalt in Filmen sozialisiert worden sei. „Ja, das ist tatsächlich so, aber Jugendliche werden in der Lage sein, das eben genau so wieder für sich zu erschließen, wie man das selbst als 16- oder 17-Jähriger getan hat. Und es wird genauso funktionieren.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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