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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Stimme Kenias: Der Schriftsteller Ngugi Wa Thiong’o ist tot
Kultur

Stimme Kenias: Der Schriftsteller Ngugi Wa Thiong’o ist tot

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2025 13:48
Von Uta Schröder
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2 min. Lesezeit
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Als Ngugi wa Thiong’o Ende 1977 nach der Aufführung eines Regime-kritischen Theaterstücks festgenommen wurde, schrieb er seinen nächsten Roman in der Zelle auf dem einzigen zur Verfügung stehenden Material: Toilettenpapier. Nicht mal das Gefängnis hielt ihn davon ab, politische Missstände anzuprangern.

Inhaltsübersicht
Riese der afrikanischen LiteraturKritiker der Ausbeutung Afrikas

Riese der afrikanischen Literatur

Ngugi wa Thiong’o war ein Riese der afrikanischen Literatur und eine der wichtigsten Stimmen des Kontinents. Die ist nun verstummt: Der Schriftsteller starb am Mittwoch im Alter von 87 Jahren im US-Bundesstaat Georgia, wo er seit vielen Jahren lebte. Seine Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt.

In den sozialen Medien würdigen ihn Leser und Verlage vor allem als furchtlosen politischen Kopf. Der Schriftsteller habe gezeigt, dass die besten afrikanischen Geschichten von Afrikanern selbst erzählt würden. Thiong’o habe Generationen von Afrikanern zum Kampf für Gerechtigkeit inspiriert, schrieb der ugandische Musiker und Oppositionspolitiker Bobi Wine. 

Mit seinen Werken habe Thiong’o daran erinnert, dass Sprache eine Form von Macht und das Erzählen von Geschichten Befreiung seien, schrieb einer seiner Verlage in einer Würdigung auf der Plattform X, wo viele den Autor mit dem revolutionären Gruß „Rest in Power“ verabschiedeten. 

Kritiker der Ausbeutung Afrikas

Ngugis pan-afrikanische Bedeutung war auch deshalb bemerkenswert, weil er mehrere seiner Romane in seiner Muttersprache Kikuyu schrieb und nicht wie andere afrikanische Autoren in der Sprache der einstigen Kolonialherren. Auch wenn das den Zugang zum internationalen Buchmarkt erleichtert hätte. Sein Hauptthema war oft die Ausbeutung Afrikas, früher durch die Kolonialisten, später durch andere Mächte.

In seinem ersten Roman „Weep Not, Child“ (1964), der bereits international gefeiert wurde, befasste sich Ngugi mit dem 1952 ausgebrochenen antikolonialen Unabhängigkeitsaufstand gegen Großbritannien (Mau-Mau-Krieg). Ein persönliches Thema für den Autor: Sein Vater gehörte zu jenen Kenianern, die von den weißen Siedlern von ihrem Land vertrieben wurden. Der junge Ngugi verlor bei den Kämpfen mehrere Geschwister.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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