Schließungen seit 2015: Noch wenige, aber dennoch spürbar
Trotz des noch dichten Netzes sind seit 2015 in fast allen Regionen Gebäude aufgegeben worden. Noch relativ wenige, aber spürbar. Das Erzbistum Bamberg nennt zehn aufgegebene Kirchen seit 2015. Würzburg spricht von acht aufgegebenen Gotteshäusern seit 2019. Regensburg und Eichstätt melden drei Profanierungen, München und Augsburg sprechen von jeweils einer Aufgabe. In der evangelischen Landeskirche wurden seit 2015 etwa 30 Kirchen und Gemeindezentren entwidmet, umgenutzt oder abgerissen.
Landesbischof Kopp: „Das ist ein langer Weg“
Auf dem Symposium in München war man sich in einem Punkt schnell einig: Verkauf oder Abriss sollen die letzte Option sein. Gleichzeitig rechnen viele damit, dass es nicht wie bisher bei Einzelfällen bleiben wird. Landesbischof Christian Kopp bringt es auf den Punkt: „Wir sind da, glaube ich, wenn man es mal ganz böse sagt, doch noch ziemlich am Anfang. (…) Das ist ein langer Weg, den wir gehen werden.“
Der Oberpfälzer Heimatpfleger Tobias Appl wirbt dafür, die Bedeutung der Gotteshäuser nicht nur religiös zu erklären. Man müsse auch den Rest der Bevölkerung sensibilisieren, „welche Bedeutung diese Kirchen und Gotteshäuser auch für die gesamte Gesellschaft haben, für unsere Kultur“.
Geld und Kirchenbänke: Warum Umnutzung oft stockt
Ein Hauptproblem bleibt das Geld. Viele Gemeinden können den Unterhalt nicht mehr stemmen, Umbauten sind oft teuer. Gleichzeitig stehen viele Kirchen unter Denkmalschutz. Das betrifft häufig auch den Innenraum und damit praktische Fragen wie: Dürfen Kirchenbänke raus, damit ein Raum überhaupt anders genutzt werden kann?
Katja Mark-Engert, Diözesanbaumeisterin im Bistum Würzburg, kritisiert, „dass Kirchenbänke im Endeffekt erhalten werden müssen“ – und zwar in der Kirche, obwohl man sie auch mit einem einzelnen eingelagerten Muster dokumentieren könnte. Landesdenkmalpfleger Mathias Pfeil nennt das einen Spagat. „Wie kann ich einen Raum, der umfassend geschützt ist, für eine andere Nutzung qualifizieren, ohne dass ich Schutzgut zerstöre? Das ist momentan ein bisschen das Problem.“
Beispiel Rüdenhausen: Wenn am Ende der Verkauf steht
Wie schnell es am Ende trotzdem in Richtung Verkauf gehen kann, zeigt Rüdenhausen im Landkreis Kitzingen. Pfarrer Matthias Eller sagt: „Letztlich war die Schwierigkeit, dass eigentlich niemand einen Bedarf vor Ort wahrgenommen hat.“ Die Kirche wurde auf einem Immobilienportal ausgeschrieben, geplant sind Wohnungen und Büros.
Eller bleibt dennoch optimistisch: „Unser Glaube hängt nicht an Gebäuden. Ich sehe das eher als einen Transformationsprozess und nicht als einen Abriss oder Abbruch“.
Im Video: Klettern unterm Kreuz – Ein Kindergarten in der Kirche

