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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Dr. ChatGPT: Was taugt KI in der Medizin?
Netzwelt

Dr. ChatGPT: Was taugt KI in der Medizin?

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 22. April 2025 14:49
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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Die Grenze zwischen Hilfe und Hypochondrie

Doch mit den neuen Möglichkeiten wachsen auch die Risiken. Eine Hausärztin beschreibt in „Der KI-Podcast„, dass viele Patientinnen mit falschen Erwartungen in die Praxis kommen – teils ausgelöst durch vorherige Online-Recherche, zunehmend auch durch KI-generierte Diagnosen. Komplexe, seltene Krankheiten, die gut zu den eingegebenen Symptomen zu passen scheinen, verdrängen dabei oft die wahrscheinlichere banale Ursache – wie eine Erkältung oder Magenverstimmung.

Inhaltsübersicht
Die Grenze zwischen Hilfe und HypochondrieZwischen Datenflut und Diagnosehilfe„Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können“

Gerade Chatbots verstärken solche Effekte. Sie spiegeln das wider, was ihnen gegeben wird, aber ohne kritische Rückfragen oder menschliches Feingefühl. Eine Diagnose basiert auf statistischer Wahrscheinlichkeit, nicht auf persönlichem Eindruck oder ärztlicher Erfahrung.

Zwischen Datenflut und Diagnosehilfe

Dass KI dennoch ein enorm hilfreiches Werkzeug sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Augenheilkunde. Immanuel Seitz, Augenarzt an der Universitätsklinik Tübingen, erinnerte sich an einen Fall, bei dem er den Namen einer seltenen genetischen Erkrankung partout nicht finden konnte. „Ich habe ChatGPT gefragt, welche die häufigsten Organerkrankungen in dem Bereich sind – und da war sie dann auf der Liste.“

Für spezialisierte Anwendungen wird KI schon heute erfolgreich eingesetzt. In England etwa analysieren KI-basierte Geräte bei Seh- und Augenexperten den Augenhintergrund, um frühzeitig Hinweise auf Netzhauterkrankungen zu geben – insbesondere bei Risikogruppen wie Diabetikern.

„Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können“

Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel sehen viele Ärztinnen und Ärzte die KI als wichtige Unterstützung. Seitz betont: „Wenn in zehn Jahren eine KI die Hälfte meiner Arbeit macht, habe ich wahrscheinlich noch genauso viel Arbeit wie vorher.“ In seinem Arbeitsalltag mit bis zu 60 Patienten täglich sei jede Form von Hilfe willkommen.

Die KI wird nicht den Arzt ersetzen, aber sie verändert seine Rolle. Statt ausschließlich Diagnostiker zu sein, könnten Ärztinnen künftig stärker als Therapiemanager agieren – die KI liefert die Analyse, der Mensch entscheidet mit Überblick und Erfahrung. Ein mögliches Zukunftsbild: Vor dem Praxisbesuch spricht der Patient erst mit der KI, die Anamnese wird vorbereitet, der Mensch ergänzt.

Klar ist: Die medizinische Versorgung der Zukunft wird ohne KI kaum denkbar sein. Und die beste Versorgung entsteht vermutlich dort, wo menschliche und künstliche Intelligenz gemeinsam arbeiten – nicht gegeneinander.

 

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Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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