Es ist eine Szene, nach der Rosa Parks wieder und wieder gefragt wurde: Wie sie sich geweigert hatte, ihren Platz im Bus einem Weißen zu überlassen, am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama. Und immer wieder stellte Parks auch klar, dass sie anders als oft berichtet nicht aus Müdigkeit sitzengeblieben sei, nach einem langen Arbeitstag als Näherin: „Ich fühlte mich als Mensch in meiner Würde verletzt. Es war nicht richtig, mich so zu behandeln.“
So, wie sie sprach, zurückhaltend, aber bestimmt, so hat Rosa Parks ihre Autobiografie geschrieben. Keine großen Gesten, kein Legendenpathos, sondern ein nüchterner Bericht in klaren Sätzen. Im Original erschien das Buch 1999, nun ist es auf Deutsch unter dem Titel „Meine Geschichte – Autobiografie“ zu lesen, übersetzt von Sonja Bonin und mit einem Vorwort der Autorin Alice Hasters. Rosa Parks werde gern als „zufällige Heldin“ porträtiert, sagt Hasters, wegen eben jener berühmten Szene im Bus: „Aber was davor passiert ist, was danach passiert ist oder was Rosa Parks jemals dazu gesagt hat, das wissen die wenigsten. Deshalb ist es wichtig, dieses Buch zu lesen, weil hier – so heißt ja auch das Buch – erzählt sie ihre eigene Geschichte.“
Widerstand gegen Polizeischikane
Es ist die Geschichte einer Schwarzen im Süden der USA. Rosa Parks wurde 1913 geboren, im Alabama der Rassentrennung. Weiße kamen mit Angriffen gegen Schwarze ungestraft davon, der Ku-Klux-Klan verbreitete Angst und Terror. Parks’ Großvater verbrachte Nächte im Schaukelstuhl, das Gewehr griffbereit, Rosa saß bei ihm. Zur politischen Aktivistin wurde sie als junge Frau über ihren Ehemann Raymond Parks. Und sie organisierte den Busboykott der Schwarzen in Montgomery mit, der mit ihrer Gerichtsverhandlung begann und 381 Tage dauerte.
Über diesen Boykott sagt Hasters: „Dieses Durchhaltevermögen und diese Art von Organisation, auch eine ganze Community dabei zu behalten, dass sich Leute da wirklich verpflichten, diesen Boykott einzuhalten, das ist die eigentliche Geschichte. Und da hat Rosa Parks aktiv mitgestaltet.“
Ein ausgeklügeltes System von Fahrgemeinschaften, Widerstand gegen Polizeischikane, gemeinsame Fußmärsche: Der Busboykott war eine organisatorische Herausforderung. Und Teil einer größeren Aktion mit verteilten Rollen: Der junge Martin Luther King trat als charismatischer Redner auf, der Anwalt Fred Gray brachte die Sache bis zum Supreme Court. Ende 1956 wurde dort die Rassentrennung in Bussen für verfassungswidrig erklärt.
„Es hatte sich ausgezahlt, aggressiv für mich selbst einzustehen“
„Die Bürgerrechtsbewegung der direkten Aktion hatte begonnen“, schreibt Rosa Parks lakonisch. Sie blieb eine wichtige Protagonistin, konstatiert aber auch, dass Frauen in der Bewegung oft in den Hintergrund gedrängt wurden. In der Gretchenfrage Gewaltlosigkeit oder Wehrhaftigkeit, Martin Luther King also oder Malcolm X, verweigert sie eine simple Antwort: „Ich war zu einem stolzen Menschen erzogen worden, und es hatte sich für mich ausgezahlt, aggressiv für mich selbst einzustehen.“
„Gewaltlosigkeit unter allen Umständen“ war nicht ihr Prinzip. Zugleich rechnete sie Martin Luther Kings Strategie die politischen Erfolge des Aktivismus zu. Hasters erläutert: „Sie wussten, dass diese Strategie des friedlichen Widerstands, dass man Gutbürgerlichkeit und Anstand vermittelt und die eigene Wut runterspielt, dass das der Weg ist, eine breite Bevölkerung zu überzeugen.“
Rosa Parks mit ihren adretten Kleidern, ihrer Brille, ihrer beinahe schüchternen Präsenz verkörperte diese Anständigkeit geradezu. Doch sie war auch ein entschlossen politischer Kopf, furchtlos und klarsichtig. Am Ende ihrer Autobiografie äußert sie Sorge darüber, dass die Ideologie weißer Vorherrschaft wieder neue Anhänger finde. Das könnte heute geschrieben sein.

