Lange hatten die Sparkassen den Online-Banken und Neobrokern das Feld überlassen, jetzt wollen sie selbst mit niedrigen Gebühren beim Börsenhandel punkten. Mit dem Angebot namens „S-Neo“ können Kundinnen und Kunden seit Kurzem rund 21.000 Wertpapiere wie Aktien, Fonds und ETFs handeln oder Sparpläne abschließen.
Anders als bei Konkurrenten wie Trade Republic oder Scalable Capital ist S-Neo keine eigenständige Smartphone-App, sondern in die bestehende Sparkassen-App integriert. Nach Auskunft des Bayerischen Sparkassenverbands haben fast alle der 54 Institute im Freistaat das Angebot freigeschaltet, nur Bayreuth und Hochfranken arbeiten noch daran.
Unterschiedliche Gebühren in der App bei bayerischen Sparkassen
Hinter S-Neo stehen zwei unterschiedliche Modelle: 39 Institute in Bayern entschieden sich dafür, das Angebot technisch über den bereits bestehenden „S Broker“ laufen zu lassen. Die Konditionen sind dadurch identisch: Das Depot kann kostenlos geführt werden, Sparpläne sind ebenfalls kostenfrei, für Kauf und Verkauf von Wertpapieren fallen 95 Cent an. Nutzt man statt der Sofortorder die Standardorder, kann man den Handelsplatz frei wählen, muss aber zusätzlich eine Provision von 0,25 Prozent zahlen.
13 Sparkassen in Bayern legen hingegen ihr eigenes Gebührenmodell fest. Bei den Häusern Ingolstadt Eichstätt oder Mainfranken Würzburg beispielsweise kostet ein Trade 1,99 Euro, in Nürnberg 1,95 Euro, bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg 1,50 Euro. Auch die Depotführung bieten manche von ihnen nur bis zu einem Maximalbetrag kostenlos an, zum Teil sind es 25.000 Euro. Der Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis kann sich deshalb lohnen.
Design und Gebühren von S-Neo ähneln den Neobrokern
Wischt man sich durch die App, erinnert vieles an bekannte Neobroker: Die Oberfläche ist bewusst schlank und einfach gestaltet, auf der Startseite steht direkt der eigene Depotwert inklusive Chart, Kauf und Verkauf sind innerhalb weniger Sekunden erledigt.
Auch die Gebühren unterscheiden sich kaum von denen der Konkurrenz: Bei Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net, Zero oder Bitpanda fällt je nach Handelsplatz rund ein Euro pro Trade oder weniger an, die Depotführung ist ebenso kostenlos. S-Neo muss sich daher nicht verstecken – ein Alleinstellungsmerkmal bietet es aber auch nicht.
Zwingend nötig für S-Neo: Girokonto bei einer Sparkasse
Einen wichtigen Gebührenunterschied zu den Neobrokern gibt es jedoch: Für das erforderliche Girokonto fallen bei den Sparkassen meist mehrere Euro Gebühr pro Monat an – und ein solches Konto ist Voraussetzung, um das App-Angebot zu nutzen. Dieses richtet sich bislang primär an die mehr als 20 Millionen bereits registrierten Kundinnen und Kunden, von denen laut Verband etwa die Hälfte noch kein Depot besitzt.
S-Neo kann man also auch als Maßnahme verstehen, um junge, börsenaffine Kunden langfristig an sich zu binden und sie nicht an günstige Digital-Konkurrenten zu verlieren. Finanzprofis und auch viele Privatanlegerinnen und -anleger in Internetforen bemängeln seit Jahren, dass die Sparkassen hier nicht konkurrenzfähig seien.
Kritik und Lob: S-Neo-Gebühren vs. verpflichtendes Konto
Dem neuen Angebot wird in ersten Reaktionen dagegen durchaus Potenzial bescheinigt. Vor allem die niedrigen Gebühren fallen einigen positiv auf, manche knüpfen auch die Hoffnung auf guten Kundenservice daran. Zugleich werden die regional unterschiedlichen Konditionen kritisiert, außerdem das zwingend notwendige Girokonto.
Zumindest am zweiten Kritikpunkt wird bereits gearbeitet: Voraussichtlich Anfang kommenden Jahres soll das Konto als Voraussetzung wegfallen und es für Neukunden unkomplizierter werden.

