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Wirtschaft

Ein Lebenswerk übergeben? Unternehmen ringen um Nachfolge

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 14. Juli 2025 10:56
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Als Kind hatte Oskar Pfeuffer den Traum, später einmal Radiomoderator zu werden – einfach weil er gerne Musik hört. Und weil seine Eltern nicht sofort Druck gemacht haben, dass er das Unternehmen mit seinem Namen weiterführen muss. Trotzdem steht er nun kurz vor der Übernahme der Pfeuffer GmbH im unterfränkischen Marktsteft.

Inhaltsübersicht
Übernahme ohne DruckKühlzellen: Markt mit ZukunftViele Unternehmen ohne NachfolgeGründe für die mangelnde VorbereitungGefahr durch Ausfall des ChefsQualifikationsmangel bei Übernehmern?Erfolgreiche Übergabe in MarktsteftRückzug aus dem Unternehmen

Übernahme ohne Druck

Richtig Spaß machten Pfeuffer zunächst die Ferienjobs im Handwerk, in einem Maurerbetrieb oder einer Zimmerei. Nach einer Ausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik in Nordrhein-Westfalen machte er den Betriebswirt und übernahm früh die Verantwortung für eine kleine Firma in Düsseldorf. Dann kam er zurück nach Unterfranken und hatte auf einmal Lust, die Firma von seinem Vater Rainer zu übernehmen. Dieser sagte: „Mach’s!“

Kühlzellen: Markt mit Zukunft

Die Pfeuffer GmbH in Marktsteft im unterfränkischen Landkreis Kitzingen stellt unter anderem maßgeschneiderte Kühlzellen und Türen für Kühlräume aller Art her. Ein Markt mit Zukunft: Sowohl die Lebensmittel- als auch die Pharmaindustrie sind auf eine optimale Kühlung ihrer Produkte angewiesen.

Als neuer Chef will Oskar Pfeuffer die Digitalisierung vorantreiben. Das soll den Arbeitsalltag der Mitarbeiter angenehmer machen und dem Fachkräftemangel begegnen. Mit den neuen Tools könnten künftig auch weniger qualifizierte Bewerber schneller eingearbeitet werden.

Viele Unternehmen ohne Nachfolge

Schon jetzt hat sein Vater Rainer Pfeuffer viele Aufgaben an seinen Sohn abgegeben. Mit ihm sei „alles ein bisschen laissez fairer geworden“, sagt Oskar Pfeuffer. Es werde öfter geduzt. Doch so wie bei Pfeuffers läuft es mittlerweile selten in Mainfranken. Viele Unternehmen beschäftigen sich viel zu spät mit dem Thema Nachfolge. Das zeigt der „Nachfolgereport Mainfranken“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt.

Gründe für die mangelnde Vorbereitung

Der Report basiert auf einer nicht-repräsentativen Umfrage unter 180 Unternehmen aus Mainfranken. Die Gründe für die mangelnde Nachfolgevorbereitung sind demnach vielfältig: Angst vor dem eigenen Ende, Schwierigkeiten beim Loslassen des Lebenswerks oder die Priorisierung des Tagesgeschäfts. Dies gefährde laut IHK den Fortbestand der mittelständischen Betriebe und die regionale Wirtschaft.

Gefahr durch Ausfall des Chefs

„Desto älter man wird, desto eher kann man ja auch mal ausfallen“, sagt die IHK-Nachfolgeexpertin Sonja Weigel. Selbst ein Ausfall von ein paar Monaten sei schon ein Problem. „Wenn keine Nachfolge geregelt ist und keine rechtssicheren Vollmachten vorliegen, kann das dem Unternehmen den Kopf kosten“, warnt Weigel.

Qualifikationsmangel bei Übernehmern?

Rund 90 Prozent der Befragten glauben, dass die Übernehmer nicht ausreichend qualifiziert sind. Laut Weigel ist es entscheidend, diese Qualifikationen frühzeitig aufzubauen. Die IHK empfiehlt, sich spätestens ab Mitte 50 um die Nachfolge zu kümmern. Tatsächlich haben laut dem Report bei den Unternehmensleitern über 65 nur sechs Prozent konkrete Nachfolgevorbereitungen getroffen.

Die IHK bietet Unterstützung durch Workshops an. In einem Seminar berichtet Unternehmerin Freya von Tautphoeus von ihrer gescheiterten Übernahme innerhalb der Familie: „Der größte Punkt war damals, dass meinem Senior nicht klar war, was es bedeutet, eine Nachfolge anzutreten“, sagt sie. Er habe sich so stark mit dem Unternehmen identifiziert, dass ihm der Schritt nicht möglich war.

Erfolgreiche Übergabe in Marktsteft

Anders in Marktsteft: Geschäftsführer Rainer Pfeuffer ist im Wohnhaus am Firmengelände aufgewachsen. 1999 übernahm er die Firma von seinem Vater Rolf, damals mit 30 Jahren. Jetzt ist er 56 Jahre alt.

„Ich hab vor acht Wochen entschieden, aufzuhören. Hab meinem Sohn gesagt, ich komm‘ nicht mehr in die Firma, weil er hat es so gut übernommen, dass ich keine Aufgaben mehr hatte“, sagt er. Er habe sich sogar tagsüber gelangweilt. „Da ist es besser, ich trete zurück“, so Rainer Pfeuffer.

Rückzug aus dem Unternehmen

Bis zum ersten Umzug vor zwei Jahren stand immer „Industriestraße, Marktsteft“ in seinem Personalausweis. Bis Jahresende will er die Firma mit rund 90 Mitarbeitern komplett an seinen Sohn übergeben und sagen: „Ich bin raus“.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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