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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Eine Stunde mehr arbeiten: Was bringt das der Wirtschaft?
Wirtschaft

Eine Stunde mehr arbeiten: Was bringt das der Wirtschaft?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 4. Februar 2026 08:48
Von Christin Freitag
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3 min. Lesezeit
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Mehr arbeiten und so die Konjunktur ankurbeln: Das wäre wohl ein zu einfaches Konzept, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Beispiel Handwerk: Hier sind die Aufträge in vielen Betrieben derzeit rückläufig.

Inhaltsübersicht
Handwerk fordert nicht Mehrarbeit, sondern flexiblere ArbeitszeitenVereinigung der bayerischen Wirtschaft fordert MehrarbeitMaschinenbauverband VDMA sieht Debatte um Mehrarbeit fehlgeleitetDGB Bayern zur Mehrarbeit: „So ein Schmarrn“

Handwerk fordert nicht Mehrarbeit, sondern flexiblere Arbeitszeiten

Die wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen, würde da nach Einschätzung des bayerischen Handwerkstags (BHT) wenig bringen. „Es kommt nicht mehr so viel Arbeit rein“, beschreibt Pressesprecher Jens Christopher Ulrich im Gespräch mit BR24 die angespannte Lage.

Statt Mehrarbeit wünschten sich viele Arbeitgeber aber, dass sie ihre Beschäftigten flexibler einsetzen könnten. In dringenden Fällen, falls zum Beispiel ein bestimmter Auftrag termingerecht fertig werden muss. In solchen Situationen würde es Betrieben helfen, wenn statt acht Stunden problemlos und unbürokratisch auf Baustellen „auch mal elf Stunden“ gearbeitet werden könnte.

Vereinigung der bayerischen Wirtschaft fordert Mehrarbeit

Mehr Flexibilität fordert auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Auf Anfrage von BR24 antwortet vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt schriftlich mit einem Vergleich zu den Arbeitszeiten in europäischen Nachbarländern. Demnach würden deutsche Arbeitnehmer deutlich weniger als Österreicher, Franzosen, Schweizer und Italiener arbeiten.

Im Jahresdurchschnitt liege die Differenz zwischen 92 Stunden (Österreich) und 391 Stunden (Italien). Mit einer Stunde Mehrarbeit pro Woche könnte demnach der Abstand auch zu Österreich lediglich verringert, aber nicht aufgeholt werden. Brossardt rechnet damit, dass schon ein Arbeitstag mehr pro Jahr, das Bruttoinlandsprodukt um fünf Milliarden Euro heben würde: „Daraus würden sich mehr Staatseinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich ergeben.“

Maschinenbauverband VDMA sieht Debatte um Mehrarbeit fehlgeleitet

Der Maschinenbauverband VDMA sieht das Thema Mehrarbeit kritischer. Fabian Seus, zuständig für Arbeitsmarktthemen beim VDMA, fasst die Lage so zusammen: Mehrarbeit ja, aber nur bei entsprechender Auftragslage. In konjunkturell schwieriger Zeit diese Forderung aufzustellen, sei wenig hilfreich.

Was den Unternehmen wirklich helfen würde, seien flexiblere Arbeitszeiten, „um passgenauer die personellen Kapazitäten einsetzen zu können“, sagt auch er. Die Flexibilität würde nichts an der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ändern. Darum gehe es den Unternehmen in erster Linie auch gar nicht. Die Diskussion habe sich aktuell „weg von dem eigentlichen Anliegen, der Flexibilität, entwickelt“, so der Maschinenbauverband.

DGB Bayern zur Mehrarbeit: „So ein Schmarrn“

Die Diskussion um eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit geht für den DGB „total an der Lebensrealität der Beschäftigten vorbei“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Marietta Eder, gegenüber BR24: „Und deshalb sagen wir: das ist ein Schmarrn.“ So könne die Konjunktur nicht angekurbelt werden.

An den Beschäftigten liege es nicht, wenn Unternehmen wie kürzlich das Chemie-Unternehmen „Kehlheim Fibres“, Konkurs anmelden müssten. Um das Wirtschaftswachstum zu stärken, seien andere Maßnahmen erforderlich als die Verlängerung von Arbeitszeiten. Dazu gehörten die Senkung des Strompreises und auch möglichst schnelle Investitionen in die Infrastruktur.

Zudem würden Gewerkschaften derzeit in verschiedenen Branchen in Bayern für weniger Belastungen und nicht für mehr Arbeit kämpfen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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