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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Industriegipfel in Berlin, angespannte Lage in Betrieben vor Ort
Wirtschaft

Industriegipfel in Berlin, angespannte Lage in Betrieben vor Ort

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 16. November 2024 10:50
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Industrieverbände, Gewerkschaften und ausgewählte, Unternehmen: Insgesamt 13 Vertreter waren bei dem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) heute im Kanzleramt dabei. Nach dem ersten Industriegipfel vor zwei Wochen ist dieser Kreis nun erneut zusammenkommen. Ziel des Kanzlers ist ein „Pakt für die Industrie“.

Inhaltsübersicht
Nicht nur bei Brose droht weiterer StellenabbauFDP zu Industriegipfel: „In Wahrheit eine Showveranstaltung“Autobranche wichtigster Wirtschaftsfaktor im Raum Coburg

Nicht nur bei Brose droht weiterer Stellenabbau

Dass die Lage in Unternehmen gerade angespannt ist, zeigt sich unter anderem am Beispiel Brose in Coburg. Der Automobilzulieferer sei in einer kritischen Situation, sagt der neue Brose-Geschäftsführer Stefan Krug im Gespräch mit BR24. Derzeit prüfe das Unternehmen sehr intensiv die Personalsituation. In welchen Abteilungen die bereits angekündigten 950 Stellenstreichungen bis Ende 2025 vorgenommen werden, sei Teil der Überprüfung. Allerdings könnten noch weitere Arbeitsplätze betroffen sein: „Ob die Zahl der genannten 950 Stellen im Zeitalter von sinkender, stagnierender Märkte dauerhaft haltbar ist oder steigen kann, ist noch nicht abzusehen“, so Krug.

Es gehe um die Überprüfung von Personalabbau an allen Brose-Standorten, aber gerade in Hochlohnländern wie Deutschland. Seit Oktober sitzt Stefan Krug auf dem Posten des CEO, seit fast 30 Jahren ist der 60-jährige Coburger bei Brose beschäftigt. Er hat Höhen und Tiefen des Familienunternehmens miterlebt, doch aktuell befindet sich Brose sicher im Krisenmodus. Das wird auch deutlich, als Krug davon spricht, dass er derzeit keinerlei Standortsicherung abgeben könne. Dazu seien die Prognosen und Aussichten zu unklar und zu schwankend.

Der Verkauf von Neufahrzeugen ist in den vergangenen Monaten drastisch gesunken. Krug fordert deshalb auch klare Ansagen und Lösungen der Politik, beispielsweise was das Aus für Verbrennermotoren ab 2035 angehe. „Das muss vom Tisch“, sagt Krug. Das Klimaziel sei eindeutig, aber der Weg dahin müsse mit mehr Technologieoffenheit verfolgt werden. Genau das sei auch die Stärke der deutschen Automobilindustrie. Zudem brauche es verlässliche Ziele, was Bürokratieabbau und kalkulierbare Energiekosten angehe.

FDP zu Industriegipfel: „In Wahrheit eine Showveranstaltung“

Wie das Wachstum am Standort Deutschland gestärkt werden könnte – diese Frage wurde auch bei dem heutigen Industriegipfel diskutiert. Über den Sinn dieses Treffens herrscht allerdings geteilte Meinung. Weil Scholz nach dem Scheitern der Ampel-Koalition für mögliche milliardenschwere Vorhaben keine Mehrheit mehr im Bundestag hat, sind die Erwartungen gedämpft.

„Wir hören, dass manche Vorstandsvorsitzende auch aus dem Automobilbereich nicht mehr nach Berlin gekommen sind“, sagt beispielsweise Christian Dürr, Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag. Er habe den Eindruck, dass alle erkannt hätten, „dass diese Gipfel jetzt wenig Sinn machen und in Wahrheit eine Showveranstaltung sind“.

Vom stellvertretenden Sprecher der Bundesregierung, Wolfgang Büchner, heißt es indes, dass das Treffen ein Prozess sei, „der nicht für die Bühne veranstaltet wird, sondern um dort vertrauliche Gespräche zu führen und zu Ergebnissen zu kommen“.

Autobranche wichtigster Wirtschaftsfaktor im Raum Coburg

Ob Showveranstaltung oder nicht – in Coburg dürften sie nach Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft lechzen. Schließlich stehen in Stadt und Landkreis Coburg rund 10.000 Menschen direkt und indirekt in Lohn und Brot bei Automobilzulieferern. Die Branche sei der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt Coburg, sagt Wirtschaftsförderer Stefan Horn.

Viele Automobilzulieferer in Oberfranken haben bereits zum Instrument der Kurzarbeit gegriffen. Nicole Ehrsam von der IG Metall Coburg spricht von Verunsicherung und Angst bei Mitarbeitern der Branche. Die Gewerkschaft fordert die Politik auf, die Wirtschaft zu unterstützen.

Auch das Instrument der Kurzarbeit müsse wieder für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr möglich sein. Zwar sei gerade bei Brose zuletzt wieder von Entlassungen und Einsparungen die Rede, konkret habe Ehrsam von weiteren Plänen oder Kurzarbeit beim Coburger Automobilzulieferer allerdings noch nichts gehört.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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