Viel Kies, aber wenig Schiffsverkehr: So präsentiert sich das Rheinufer zur Konferenz, bei der Verkehrsminister und Experten in Bonn über Strategien im Umgang mit Niedrigwasser beraten wollen. Anschauungsmaterial gibt es wenige Schritte vom Tagungsort entfernt. Es herrscht nämlich Flaute auf dem Fluss.
In Bonn erreicht der Rheinpegel gerade einmal 80 Zentimeter, Tendenz fallend. Das liegt mehr als 2 Meter unter dem langjährigen Mittelwert. An anderen Stellen des Rheins liegt der Pegel noch niedriger, wie sich auch auf der Webseite von NIVIS (externer Link) ablesen lässt, einer bundesweiten Informationsplattform für Wasserwirtschaft. Die Folge: Binnenschiffe können den Rhein an einigen Stellen kaum noch passieren. Wenn, dann fahren sie nur leicht beladen.
Donau in Niederbayern kaum noch befahrbar
Ähnlich ist die Lage in Bayern, an der Donau zwischen Vilshofen und Straubing. Bei einem Ortstermin zu Beginn der Woche wirkte der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) mit Blick auf den Fluss bei Deggendorf hörbar betroffen. Er wisse natürlich, dass derzeit kaum Schifffahrt möglich sei. Er habe vor dem Ortstermin am Donauufer noch einmal nachgeschaut. In Deggendorf sei der Pegel zu Beginn der Woche auf 1,45 Meter gesunken. „Da macht Schifffahrt keinen Sinn mehr“, so Minister Bernreiter. Darum sei der künftige Ausbau der Donau wichtig.
Konkret soll die auf dieser Strecke frei fließende und nicht kanalisierte Donau eine tiefere Fahrrinne erhalten. Damit würde man ein Nadelöhr auf dem viel befahrenen Wasserweg zumindest entschärfen. Kurzfristig ist das aber weder an der Donau noch am Rhein machbar. Viele Unternehmen sind deshalb im Krisenmodus. Denn ganze Branchen sind auf Binnenschiffe angewiesen. Etwa die Hersteller von schweren Maschinen. Siemens Energy produziert in Nürnberg Trafos, die größer sind als manches Einfamilienhaus. Sie passen weder auf einen Güterzug noch auf einen Lastwagen, müssen also im Nürnberger Hafen auf Schiffe geladen werden.
Immer längere Dürreperioden erschweren Industrieplanung
Schon seit vielen Jahren plane man so, dass es in den Sommermonaten keine solchen Großtransporte auf dem Wasser gebe, sagt Rüdiger Fromm, Logistik-Experte bei Siemens Energy. Denn Niedrigwasser sei im Prinzip kein neues Phänomen. Doch sollte sich die Niedrigwasser-Saison mittelfristig verlängern, also früher anfangen oder zum Ende hin länger dauern, dann werde diese Planung natürlich immer schwieriger. Dann müsste der Konzern eigentlich nach möglichen anderen Lösungen suchen. Die gebe es aber sehr nur begrenzt.
Auch andere Unternehmen suchen nach Alternativen zum Schiffstransport. Doch das ist gar nicht so einfach. Viele Bahnstrecken sind in einem schlechten Zustand. Und ein Transport auf der Straße ist ungleich teurer als die Lieferung per Schiff. Dazu kommt: Es gäbe wohl weder ausreichend Lastwagen noch Fahrer, um die entsprechenden Mengen überhaupt auf die Straße zu bringen. So hat der Nürnberger Hafenbetreiber Bayernhafen berechnet, dass man allein für die dort jährlich abgewickelte Frachtmenge mehr als 230.000 Lastwagenfahrten bräuchte.
Niedrigwasser belastet Gesamtkonjunktur
Deshalb setzt die Logistikbranche auf Notlösungen. Die Reedereien lassen die Schiffe teils nur zu einem Viertel beladen. Das wiederum verteuert die Fracht. Bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer heißt es, die niedrigen Pegelstände vieler Flüsse führten zu Engpässen, steigenden Transportkosten und längeren Lieferzeiten. „Hält die Trockenheit weiter an, wäre das ein weiterer Belastungsfaktor für die ohnehin schon stark angeschlagene deutsche Wirtschaft.“, so die DIHK. Konkret rechnen Wirtschaftsinstitute damit, dass der Faktor Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt in diesem Sommer um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte nach unten drücken könnte.

