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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Off Campus, Ted Lasso: Warum Serien „sportisiert“ werden
Kultur

Off Campus, Ted Lasso: Warum Serien „sportisiert“ werden

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. August 2026 09:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Keine Stunde im Leben, die man mit Sport verbringt, ist verloren. Das soll einst Winston Churchill gesagt haben. Ein Motto, das sich aktuell auch Serienmacher zu Herzen nehmen: Geschichten aus der Welt des Sports zu erzählen ist einer der Trends 2026. Los gings im Frühjahr mit der Serie „Heated Rivalry“: Eine queere Romanze zwischen zwei Eishockeyspielern. Dann kam Amazons Serienhit “Off Campus“– wieder Eishockey, dieses Mal vermischt mit klassischem College-Coming-of-Age. 

Inhaltsübersicht
Sportserien erobern auch Netflix-ChartsTed Lasso coacht jetzt FrauenSport gibt klare Spielregeln vor – anders als der Rest der WeltWer will sich noch in Politiker verlieben?Sport-Serien als Symptom der Leistungsgesellschaft?

Sportserien erobern auch Netflix-Charts

Auch bei Netflix schreitet die „Sportisierung“ voran. Die Comedy-Serie „Running Point“ mit Kate Hudson erzählt zum Beispiel die Geschichte der ersten Präsidentin des fiktiven NBA-Teams „Los Angeles Waves“. Hier trifft Girl Boss auf Profisport. Und in der Serie “The Hawk“ spielt Will Ferrell einen abgehalfterten Ex-Golfprofi, der es trotz hohen Alters nochmal wissen will – damit aber die Beziehung zu seinem Sohn und seinen Freunden gefährdet. Familiendrama trifft auf Golf. 

Ted Lasso coacht jetzt Frauen

Neu ist Sport im Film nicht. Wir erinnern uns an „Rocky“ – oder jüngst an den Tennis-Hit „Challengers“. Mit Ted Lasso hat Apple TV das Genre Sport zudem bereits vor Jahren auch in der Feelgood-Serienwelt etabliert. Auch der charismatische Trainer kehrt 2026 übrigens zurück. In der bereits vierten Staffel coacht Ted Lasso ein Frauenfußballteam.

Sport gibt klare Spielregeln vor – anders als der Rest der Welt

Auffällig ist in diesem Jahr vor allem die schiere Menge an Sport im Streaming. Eine mögliche Erklärung: Sport gibt klare Spielregeln vor. Nach Ansicht der Serienmacher ist das offenbar nötig, angesichts der unsicheren Zeit, in der wir leben. Eine Zeit, in der die zum Beispiel politische Spielregeln immer häufiger missachtet werden.

Nehmen wir zum Beispiel Ex-Unionsfraktionsführer Jens Spahn, der Leihmutterschaft zunächst gesetzlich verhindert, aber dann selbst auf eine Leihmutter in den USA zurückgreift. Oder die USA unter Trump, die das Völkerrecht derzeit eher als „Richtlinie“ interpretiert. Politologen warnen nicht erst seit dem Angriff auf Venezuela davor, dass dadurch die vermeintliche „regelbasierte Ordnung“ – oder das „Gesetz des Zeus“, wie das im neuen Nolan-Film „The Odyssey“ genannt wird – wackelt. Dabei ist diese Ordnung eigentlich das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft fußt. 

Wer will sich noch in Politiker verlieben?

Weil auf Politiker kein Verlass mehr ist – und man sich anders als in „Tatsächlich Liebe“ heutzutage wohl auch nicht mehr in einen Premierminister verlieben möchte, bleibt den Feelgood-Komödien nur noch der Sport. Denn hier gelten Regeln noch. Da bringt ein Dreipunktewurf noch drei Punkte, und wer rotsieht, wird fürs nächste Spiel gesperrt – außer natürlich der US-Präsident hat was dagegen.

Sport-Serien als Symptom der Leistungsgesellschaft?

Eine weitere mögliche Erklärung für die „Sportisierung“ der Serienwelt: Sie könnte die logische Folge der neuen Leistungskultur sein. „Mit Work-Life-Balance lässt sich der Wohlstand nicht erhalten“, sagt Kanzler Friedrich Merz derzeit gebetsmühlenartig. Der Sport passt zu diesem „Mindset“, weil er wie kaum ein gesellschaftlicher Bereich von Leistung geprägt ist. Und weil es im Sport oft darum geht, andere zu besiegen. Dem Bundeskanzler könnte das gefallen, denn Erfolg, so lautet die Botschaft auch in den Sportserien, gelingt, wenn man hart genug dafür arbeitet. 

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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