„Relativ bescheiden“ sei die Stimmung, sagt ein Bosch-Mitarbeiter, der gerade das Werksgelände im Nürnberger Stadtteil Schweinau verlässt. Es herrsche Unsicherheit. Gerade ist in der Kantine des Autozulieferers eine Betriebsversammlung zu Ende gegangen. Die Botschaft, die die 1.700 Bosch-Beschäftigten mit nach Hause nehmen: es droht nicht nur ein Kahlschlag, sondern gar das Aus für den gesamten Standort. Es sei denn, es gelingt „Zukunftsprodukte“ an den Standort zu bekommen.
Betriebsversammlung unterbrochen, um ein Zeichen zu setzen
Bei der Betriebsversammlung bei Bosch in Nürnberg ging es nicht nur um Informationen für die Beschäftigten. Die wichtigste Botschaft sollte eigentlich an den Arbeitgeber gehen. Deshalb hatte der Betriebsrat im Juni eine Betriebsversammlung unterbrochen. Die Bosch-Beschäftigten hatten demonstrativ den Raum verlassen. Erst jetzt wurde die Betriebsversammlung fortgesetzt. Der Grund laut dem Betriebsratsvorsitzenden Arne Brandsch: Zum einen läuft die Standort-Sicherung Ende des Jahres aus. Über eine Fortsetzung sollte längst verhandelt werden – wird es aber nicht. Zum anderen fehle es dem Standort an Zukunftsprodukten.
Massiver Stellenabbau befürchtet – Standort in Gefahr?
„Wir haben jetzt die Mannschaft motiviert, auch für ihr Werk zu kämpfen“, sagt Christian Heine von der IG Metall nach der Betriebsversammlung. Er beruft sich auf interne Planungen von Bosch, nach denen der Konzern in Nürnberg „einen massiven Personalabbau“ im „hohen, dreistelligen Bereich“ erwägt. Sollte das so kommen, sei „der Standort in wenigen Jahren in Gänze in Gefahr“, sagt der Gewerkschafter weiter. Bosch wollte sich zur Zukunft des Standorts Nürnberg auf BR-Nachfrage nicht äußern.
Ringen um Zukunftsprodukte
Beschlossen sind Stellenabbau oder gar das Aus für den Bosch-Standort Nürnberg noch längst nicht. Gewerkschaft und Betriebsrat hoffen und drängen auf „Zukunftsprodukte“. Produkte, die anders als Teile für Verbrennungsmotoren, auch künftig verlässlich nachgefragt werden. Solche Zukunftsprodukte gibt es in Nürnberg zwar teils. Erst im vergangenen Jahr wurde ein 3D-Metall-Drucker in Betrieb genommen. Doch gefertigt würden damit vor allem Prototypen und Kleinserien, sagt der Betriebsratsvorsitzende Brandsch. Der Standort sei fast komplett vom Verbrenner abhängig. Und das obwohl die Belegschaft auch Produkte für andere Branchen liefern könnte. Man habe eine „hochmotivierte und saugut ausgebildete Mannschaft“, meint Brandsch. Die Bosch-Beschäftigten bräuchten lediglich „die Produkte, die man uns zulässt zu fertigen“.

