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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Rüstungsindustrie: Autozulieferer baut jetzt Panzerteile
Wirtschaft

Rüstungsindustrie: Autozulieferer baut jetzt Panzerteile

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. April 2026 11:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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In der Vergangenheit war die Produktion von Militärgerät meist gemächliche Manufakturarbeit. So brauchte der Münchener Rüstungskonzern KNDS Deutschland noch vor kurzem mehrere Wochen, um einen Radpanzer vom Typ Boxer zu montieren. Viel zu langsam, um die Bestellungen abzuarbeiten, die angesichts der Zeitenwende schon verbucht wurden und noch erwartet werden.

Inhaltsübersicht
Autoexperten sollen Tempo in die Rüstung bringenVom Autozulieferer zum PanzerbauerImmer mehr Partnerschaften zwischen Rüstung und bisher „zivilen“ Firmen

So steht aktuell eine weitere Order der Bundeswehr von bis zu 3.000 Boxer-Fahrzeugen im Raum. Bei den Produktionsraten aus „Vor-Zeitenwende“-Jahren würde es ungefähr bis zum Ende des Jahrhunderts dauern, eine solche Bestellung abzuarbeiten. Deshalb muss die Industrie ihr Tempo drastisch erhöhen und von Einzelfertigung auf Serienproduktion umstellen. Florian Hohenwarter, Chef von KNDS Deutschland, sagte dem BR, künftig wolle man pro Panzer nur noch wenige Tage brauchen.

Autoexperten sollen Tempo in die Rüstung bringen

Hohenwarter selbst kennt sich mit großen Stückzahlen und effizienter Produktion aus. Bevor er 2023 als Leiter des Tagesgeschäftes zu KNDS Deutschland wechselte und später die Geschäftsführung übernahm, war er lange beim Autobauer Mercedes-Benz tätig. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es nun, die Herstellung von Rüstungsgütern ähnlich zu beschleunigen wie in der Autoindustrie. Ähnlich verfährt auch der Augsburger Konzern Renk, Spezialist für Panzergetriebe. Auch dort sorgen Fachleute aus der Autobranche seit einiger Zeit für deutlich schlankere Prozesse und eine massiv erhöhte Kapazität.

Vom Autozulieferer zum Panzerbauer

Um das Tempo zu erhöhen, hat sich KNDS Deutschland einen erfahrenen Partner aus der zivilen Industrie an Bord geholt. So wird der bayerische Zulieferkonzern Dräxlmaier künftig in seinem Werk in Landau an der Isar die sogenannten Missionsmodule für den Boxer herstellen. Die Module werden dann in Allach auf die dort produzierten Fahrgestelle aufgesetzt und zum fertigen Panzer endmontiert.

Bei der Eröffnung einer neuen Boxer-Produktionsstraße im Münchener Stammwerk von KNDS sagte Deutschlands Dräxlmaier-Chef Jan Reblin, das Familienunternehmen bringe jahrzehntelange Erfahrung mit hochwertigen Serienprodukten in die Partnerschaft mit. Durch diese Zusammenarbeit könne man nun die Kapazität verdoppeln, so Rüstungsmanager Florian Hohenwarter. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lobte die Kooperation der beiden bayerischen Firmen als vorbildlich und sprach von einem „perfekten Match“.

Immer mehr Partnerschaften zwischen Rüstung und bisher „zivilen“ Firmen

Die Kooperation zwischen dem Panzerbauer KNDS Deutschland und dem Autozulieferer Dräxlmeier liegt derzeit im Trend. Dabei trifft ein gewaltiger Wachstumsbedarf der Rüstungshersteller auf Probleme in klassischen Industriebranchen wie Automobil- und Maschinenbau. Während die eine Seite händeringend nach Mitarbeitern und Produktionskapazitäten für Militärgerät sucht, baut auf der anderen Seite die zivile Industrie Mitarbeiter ab und sucht nach Möglichkeiten, ihre Fabriken auszulasten. Wieder andere Unternehmen erweitern ihr Geschäftsfeld.

Ein Beispiel ist Siemens. In der vergangenen Woche präsentierte sich der Münchener Konzern bei der Hannover Messe (externer Link) erstmals mit einem großen Stand rund um die Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen liefert zwar selbst keine Waffen, dafür aber Technologien für den Aufbau und die Optimierung von Fabriken. Wissen und Systeme, die inzwischen sehr stark aus dem Verteidigungsbereich nachgefragt werden, sagte ein hochrangiger Siemens-Manager dem BR. In Hannover zeigte der Konzern gemeinsam mit Industriepartnern und dem bayerischen Start-up Avilus Lösungen für die massenhafte Produktion von Drohnen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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