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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Zinspause in Europa: Was die Entscheidung der EZB bedeutet
Wirtschaft

Zinspause in Europa: Was die Entscheidung der EZB bedeutet

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 30. Oktober 2025 16:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Dass die Europäische Zentralbank die Zinsen unverändert lässt, kommt für viele Expertinnen und Experten nicht überraschend. Aus dem Kreis der Landesbanken hieß es nach dem Zinsentscheid, die Geldpolitik sei derzeit gut positioniert, das Inflationsziel der Zentralbank weitgehend erreicht. Für Sparerinnen und Sparer stellt sich dennoch die Frage, wie sich der unveränderte Leitzins auf die unterschiedlichen Anlageformen auswirkt – von Tages- und Festgeld über Bausparverträge bis hin zu Aktien und Edelmetallen. Erste Reaktionen zeigen sich bereits an den Märkten: Der DAX gab in Erwartung der Zinspause etwas nach. Doch was bedeutet die Entscheidung der EZB im Einzelnen? Ein Überblick.

Inhaltsübersicht
TagesgeldFestgeldBausparverträgeAktienFondsEdelmetalle

Tagesgeld

Die Konditionen der Tagesgeldkonten reagieren am schnellsten auf Entscheidungen der Europäischen Zentralbank. Von Angebotsphasen nach einer Kontoeröffnung gibt es aufseiten der Banken meist keine Zinsbindung. Vor der jüngsten Zinsanpassung erhielten Sparerinnen und Sparer bis zu rund drei Prozent aufs Tagesgeld. In Erwartung einer geldpolitischen Lockerung, die die US-Notenbank bereits im September angedeutet hatte, haben mehrere Institute ihre Zinsen in den vergangenen Wochen leicht gesenkt. Mit der aktuellen Entscheidung der EZB gehen Experten nicht von erheblichen Schwankungen aus.

Festgeld

Da Festgeldanlagen mit einem festen Zinssatz für eine zuvor festgelegte Laufzeit angeboten werden, haben Sparerinnen und Sparer mehr Planungssicherheit. Zudem schützt die gesetzliche Einlagensicherung Beträge bis zu 100.000 Euro je Institut. Aktuell liegen die Konditionen bei Laufzeiten zwischen einem und zwei Jahren bei rund zweieinhalb Prozent. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beeinflusst diese Zinssätze maßgeblich, da sie die Refinanzierungskosten der Banken vorgibt. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank reagieren Festgeldzinsen in der Regel zeitverzögert auf Leitzinsänderungen, weshalb die Zinspause der EZB kaum auf neue Angebote durchschlagen dürfte.

Bausparverträge

Bausparverträge sind in Deutschland traditionell sehr beliebt – fast jeder zweite Haushalt besitzt einen. Jeder Vertrag besteht aus zwei Elementen: der Sparphase und der Darlehensphase. Zunächst wird zu einem festen Guthabenzins angespart, bei Zuteilung kann später ein vertraglich fixiertes Darlehen abgerufen werden. Der Vorteil ist Planungssicherheit: Zinssätze für das spätere Bauspardarlehen werden bei Vertragsabschluss festgelegt. Nach dem Ende der Niedrigzinsphase haben sich die Guthabenzinsen zwar leicht erholt, liegen aber meist noch unter einem Zehntelprozent. Für Bauspardarlehen verlangen die großen Anbieter derzeit rund zwei Prozent Zinsen. Bausparzinsen reagieren zeitverzögert. Daher dürfte die aktuelle EZB-Entscheidung kaum Auswirkungen haben.

Aktien

Aktien profitieren grundsätzlich von sinkenden Zinsen, weil die Finanzierungskosten für Unternehmen sinken und alternative Anlageformen wie Anleihen an Attraktivität verlieren. Bei niedrigen Zinsen steigt häufig die Risikobereitschaft der Anleger. Das treibt die Kurse in die Höhe. Entsprechend positiv hatten die Börsen gestern nach der Zinssenkung der US-Notenbank reagiert. Da die EZB heute nicht nachzog und die weitere Zinspolitik der Zentralbank völlig offen ist, spricht kurzfristig vieles für eine Seitwärtsbewegung der Börsenindizes. Langfristig rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft mit einer stabilen, aber moderat wachsenden Aktienkursen in Deutschland.

Fonds

Fonds investieren das Kapital ihrer Anlegerinnen und Anleger in unterschiedliche Wertpapiere. Eine breite Risikostreuung bietet die Möglichkeit, Schwankungen abzufedern. Zuletzt zeigten Aktienfonds trotz der anhaltenden Unsicherheit an den Märkten einen stabilen Trend. Besonders Rohstoff- und Edelmetallfonds profitierten von stark steigenden Goldpreisen. Die weiteren Entwicklungen hängen stark von der Geldpolitik und der globalen Konjunktur ab. Anlageexpertinnen und -experten zufolge bleiben Fonds eine stabile Möglichkeit zur Diversifizierung. Doch solange die Zentralbanken keine klare Richtung in der Zinspolitik erkennen lassen, ist mit weiteren Schwankungen zu rechnen.

Edelmetalle

Vor allem Gold gilt in unsicheren Zeiten als „sichere Hafen“. Nach kräftigen Kursgewinnen im Sommer hat sich der Goldpreis zuletzt wieder abgeschwächt – auch, weil die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Annäherung zwischen den USA und China sowie die Zinssenkung der US-Notenbank Anleger in risikoreichere Anlagen trieb. Im Oktober pendelte der Preis um die Rekordmarke von 4.000 US-Dollar pro Unze. Ob sich eine Anlage lohnt, hängt aber nicht zuletzt davon ab, wie sich die Realzinsen – also die Zinsen abzüglich der Inflationsrate – und die geopolitische Lage weiterentwickeln.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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