Spanien bereitet sich auf eine neue Hitzewelle und damit auf eine Verschärfung der Waldbrandlage vor. Mehrere Großfeuer sind weiterhin außer Kontrolle, darunter der größte jemals in dem Land registrierte Brand. Der Wetterdienst erwartet in einigen Gebieten Temperaturen von mehr als 40 Grad. Dies könnte das Problem der Trockenheit verschärfen, die die Ausbreitung der Brände beschleunigt.
Erneute Hitzewelle in Frankreich erwartet
Auch in Frankreich versucht die Feuerwehr mit allen Mitteln, die an der Atlantikküste wütenden Waldbrände in den Griff zu bekommen. Wegen der bedrohlichen Waldbrandlage am bekannten Badeort Lacanau ordnete die Präfektur in Bordeaux dort am Vormittag die Räumung von Campingplätzen und Feriensiedlungen in Lacanau und Lacanau Océan an. Wie die Behörden betonten, handelte es sich um eine vorsorgliche Evakuierung angesichts einer erneuten erwarteten Hitzewelle. Damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann, wurden am Montag an zahlreichen Stellen Schneisen in den Wald gerodet.
Klimaforscher erlebte Waldbrände selbst im Urlaub
Stefan Rahmstorf, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, hat im Urlaub am französischen Atlantik die extremen Waldbrände bei Bordeaux aus nächster Nähe erlebt und den Strandort Lacanaud am Ende verlassen. Im Interview mit BR24 im BR Fernsehen erzählte er, am Freitag habe sich die Lage bedrohlich zugespitzt: „Am Freitag hat mittags der Wind gedreht und auf einmal zog der Rauch über uns hinweg. Die Sonne verdunkelte sich, wurde glutrot und hauchte die ganze Landschaft in ein sehr surreales oranges Licht, wie in einem dystopischen Film. Das Feuer kam dann auch näher und wir haben entschieden, am Abend abzureisen.“
Feuerökologe: „perfekte Kombination für Feuersturm“
Die aktuellen Brände in Südeuropa sind nach Einschätzung des Feuerökologen Alexander Held außergewöhnlich heftig, weil mehrere Risikofaktoren zusammentreffen. Held, der am European Forest Insitute in Bonn als führender Experte für Waldbrandprävention und Waldresilienz arbeitet, sagte im Interview mit BR24: „Wir sehen die perfekte Kombination aller Zutaten, die ein Feuersturm braucht: heißes, trockenes Wetter, viel Brennmaterial, das das Feuer zur Verfügung hat – und natürlich die menschliche Zündquelle, absichtlich oder unabsichtlich. Und das jetzt über lange Zeiträume.“ Dadurch komme es zu „explosionsartigen“ Feuern, wie derzeit in Bordeaux, Madrid und Valencia.
Brände „jenseits jeglicher Kontrollschwelle“
Besonders schwierig sei es, solche Feuerstürme dann unter Kontrolle zu bringen, erläutert Held. Die frei werdende Energie und Hitze sei so groß, „da sind wir jenseits jeglicher Kontrollschwelle – da können wir noch so viele Flugzeuge anfordern oder zusätzliche Ressourcen mobilisieren“. Wirkung zeige die Brandbekämpfung erst wieder, wenn sich die Wetterbedingungen zugunsten der Einsatzkräfte änderten.
Klimaforscher sprechen von „Feuerzeitalter“
Klimaforscher Rahmstorf betonte im Interview mit BR24: „Natürlich ist nicht der Klimawandel der Auslöser von Bränden – sondern der Klimawandel sorgt dafür, dass die Böden und die Vegetation so stark austrocknen, dass diese Brände dann außer Kontrolle geraten.“ In der Forschung sei bereits von einem „Feuerzeitalter“ die Rede, weil mit der Erwärmung Trockenheitsprobleme zunähmen und im Mittelmeerraum die Sommerniederschläge abnehmen. Mit Blick auf Deutschland warnt der Klimaforscher: „Irgendwann ist die Grenze erreicht, wo auch eine Anpassung nicht mehr hilft.“

