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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Der Koriander-Geschmacksstreit: Liebe oder Seife?
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Der Koriander-Geschmacksstreit: Liebe oder Seife?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 26. Januar 2026 08:51
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Es gibt Fußballvereine, über die man streiten kann. Es gibt Politik. Und es gibt Koriander. Kaum ein Gewürz polarisiert so zuverlässig wie die zarten, grünen Blätter dieser Pflanze. Für die einen schmeckt das Korianderkraut frisch-zitronig und ist unverzichtbar in asiatischen oder lateinamerikanischen Gerichten. Für die anderen schmeckt es grässlich nach Seife. Und das ist keine Einbildung, sondern liegt zum Teil in unseren Genen.

Inhaltsübersicht
Warum mögen manche Menschen Koriander überhaupt nicht?Man kann sich an den Geschmack von Koriander gewöhnenKorianderblätter und -samen: Zwei Geschmackserlebnisse aus einer PflanzeSamen in Brot und Chutneys – Kraut in asiatischen GerichtenWie gesund ist Koriander wirklich?Koriander selbst anbauen

Warum mögen manche Menschen Koriander überhaupt nicht?

Wer Koriander „hasst“, meint das meist sehr ernst. Schon ein einzelnes Blatt kann ein ganzes Gericht ruinieren. Der Grund liegt in speziellen Duftstoffen, sogenannten Aldehyden, die sich in den frischen Blättern befinden. Manche Menschen nehmen diese Stoffe besonders intensiv wahr – als seifig, beißend, unangenehm. Verantwortlich dafür ist ein Geruchsrezeptor im Körper, der genetisch unterschiedlich ausgeprägt ist.

Das hat eine genetische Assoziationsstudie aus dem Jahr 2012, veröffentlicht im Fachjournal Flavour (externer Link), belegt. Dabei wurde das Erbgut von mehreren zehntausend freiwilligen Studienteilnehmenden aus internationalen Gendatenbanken ausgewertet.

Man kann sich an den Geschmack von Koriander gewöhnen

Wer also in dieser Hinsicht Pech mit seinen Genen hat, ist beim Koriander verloren. Der Geschmack ist im wahrsten Sinne des Wortes angeboren. Trotzdem: Verloren ist man deswegen nicht. Man kann sich einen positiven Geschmackseindruck bis zu einem gewissen Grad „erarbeiten“ und sich daran gewöhnen. Wer sich langsam annähern will, beginnt nicht mit vietnamesischer Pho, sondern mit einer Prise gemahlenem Koriandersamen im Eintopf.

Außerdem ist eine Abneigung gegen Korianderkraut nicht immer genetisch bedingt. Auch das kulturelle Umfeld und persönliche Erfahrungen spielen eine Rolle: „Wer einen bestimmten Geschmack von klein auf kennenlernt oder ihn mit schönen Erlebnissen verbindet, bewertet ihn positiver“, meint Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern (externer Link).

Korianderblätter und -samen: Zwei Geschmackserlebnisse aus einer Pflanze

Was viele nicht wissen: Es gibt frischen Blattkoriander, ähnlich der glatten Petersilie, und Koriandersamen, streng genommen die getrockneten Früchte der Pflanze, die wie kleine Kugeln aussehen. Beide haben geschmacklich nur wenig gemein und besitzen unterschiedliche Aromastoffe: Während die Früchte einen blumig-frischen, warm-würzigen und orangenartigen Charakter aufweisen, schmeckt das Korianderkraut scharf und zitronig – oder eben seifig.

Korianderfrüchte sind nicht nur typisch als Brotgewürz, sondern passen auch wunderbar zu Gemüse, Kartoffeln, Pilzen, Schweinefleisch und Chutneys. Sie stecken in Brotgewürzen, Würsten, Currymischungen oder Weihnachtsgebäck – oft völlig unauffällig. Selbst erklärte Koriander-Gegner essen die Samen meist völlig problemlos. Der große Streit entzündet sich fast immer an den frischen Blättern.

Samen in Brot und Chutneys – Kraut in asiatischen Gerichten

Korianderkraut hingegen sorgt durch seine zitrusartige, scharf-würzige Note für einen Frischekick in Curry-Gerichten, Suppen und Salaten.

Es wird in der Regel nicht mitgekocht, sondern erst kurz vor dem Servieren frisch verwendet – besonders in der thailändischen und vietnamesischen Küche: „Beim Dosieren ist weniger mehr, da die Würze sehr intensiv sein kann“, rät das Bundeszentrum für Ernährung (externer Link).

Wie gesund ist Koriander wirklich?

Abseits aller Geschmacksfragen bringt Koriander einiges an Inhaltsstoffen mit. Die Samen enthalten ätherische Öle, vor allem Linalool, das für den typischen Duft verantwortlich ist. Diese Öle wirken traditionell als verdauungsfördernd, lindern Blähungen und können krampfartige Magen-Darm-Beschwerden mildern. Deshalb findet sich Koriander auch in klassischen Arzneitees und Magenmitteln.

Die frischen Blätter liefern Vitamin C, Vitamin K und Beta-Carotin – also Stoffe, die das Immunsystem, die Blutgerinnung und die Zellgesundheit unterstützen. In der Naturheilkunde gilt Koriander zudem als mild antibakteriell. Was regelmäßig durchs Netz geistert – Koriander als „Wundermittel zur Schwermetall-Entgiftung“ – gehört dagegen eher ins Reich der Küchentheorien. Dafür gibt es bislang keine belastbaren Belege. Gesund ist Koriander also vor allem als ganz normales Küchenkraut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Koriander selbst anbauen

Noch vor 20 Jahren war frischer Koriander in vielen Supermärkten kaum zu finden. Wer ihn wollte, musste in Asialäden oder auf Wochenmärkte gehen. Heute liegt er ganz selbstverständlich neben Petersilie und Schnittlauch und ist für viele aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Er lässt sich aber auch ohne großen Aufwand selbst anbauen.

Ab Mitte April kann der Doldenblütler ausgesät werden im Gemüsebeet, in Töpfen auf Balkon und Terrasse. Wichtig ist, dass kein Bodenfrost mehr auftritt. Sechs Wochen nach Aussaat kann bereits das erste Koriandergrün geschnitten werden.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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